Hochburg Bahnhofsviertel

Nach Attentat in Istanbul: Münchens Türken unter Schock

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Ertugrul Dede (66) sorgt sich um seine Frau, die gerade in Istanbul ist.

München - Die Bilder im Fernsehen aus Istanbul sind schockierend gewesen. Menschen rennen um ihr Leben. Viele Türken leben auch in München. So reagieren sie nach dem Attentat.

Auch im Münchner Hauptbahnhofsviertel ist die Erschütterung groß. Dort sind viele türkische Geschäfte, Reisebüros und Restaurants angesiedelt. Am Tag nach dem Terror herrscht in den Straßen zwar wie immer geschäftiges Treiben. Doch die Bestürzung steht Münchens Türken ins Gesicht geschrieben. Ertugrul Dede (66)betreibt das Restaurant „Istanbul“ in der Landwehrstraße. „Ich stehe unter Schock“, sagt er. Hinter ihm laufen die TV-Nachrichten über den Bildschirm. Bilder des Grauens. Dedes Frau ist erst vor zwei Tagen nach Istanbul gereist. Sie besucht die Familie. Gestern Nacht rief sie ihren Mann an und erzählte ihm von den schrecklichen Ereignissen. „Es sterben nur Unschuldige“, sagt Dede entsetzt. Und: „Alles ist möglich.“ Auch für Deutschland.

Noch hat es bei uns nicht gekracht. So mancher fühlt sich deswegen daheim sicherer. Das weiß keiner besser als Taner Gül (40). Er führt das Reisebüro „Güney Touristik“ in der Goethestraße. Gül hat viele Türkei-Stornierungen deutscher Kunden zu beklagen. Der Grund: Sicherheitsbedenken. Im vergangenen halben Jahr hat sein Büro 70 bis 80 Prozent weniger Türkei-Buchungen von deutschen Kunden abgewickelt als zuvor. „Es kann aber jeden treffen“, sagt Gül und verweist auf die Anschläge in Belgien und Frankreich. „Ich habe meinen beiden Kindern gesagt, sie sollen sich nicht allzu oft am Stachus aufhalten.“ Die Angst. Sie besteht auch für München.

Flüge nach Istanbul werden trotzdem gebucht

Günay Yüksel in seinem Reisebüro, an der Wand hat er ein Riesenposter von Istanbul.

Ein paar Meter weiter betreibt Günay Yüksel (55) das Büro „Güntur Reisen“. Gerade kommt ein junges Pärchen aus seinem Büro. Es hat einen Flug nach Istanbul gebucht – schon für den 2. Juli. Yüksels Telefon klingelt. Noch eine Flug-Anfrage für die türkische Metropole. „Es hat sich nichts geändert“, sagt er über sein Geschäft. Trotzdem hat der Anschlag auch ihn fassungslos gemacht. „Das ist unmenschlich. Unser schönes Land geht kaputt. Die lassen uns nicht in Ruhe.“ Damit meint er nicht nur den IS, sondern auch die kurdische PKK.

Anwalt Serdal Altuntas.

Die habe am Mittwoch bei einem Anschlag auf die syrisch-türkische Grenze mehrere Menschen getötet, erzählt Rechtsanwalt Serdal Altuntas (40). „Das hört man halt nur in den türkischen Medien.“ Der Experte für Ausländerrecht prangert eine westliche „Zwei-Klassen-Mentalität“ an. Der IS gehe alle etwas an. Die PKK interessiere aber niemanden. „Es gibt immer noch Politiker der Linkspartei, die sie als politische Organisation sehen.“

Und an der Ludwig-Maximilians-Universität dürfe die Apoistische Jugendinitiative kurdische Studenten mittels Hassschriften unbehelligt zum Kampf gegen die Türkei aufrufen. „Wir haben das der LMU mitgeteilt. Aber man hat darauf nicht reagiert“, sagt Altuntas. Auch Terror ist ein globales Thema, findet er. Und dazu gehörten eben sämtliche terroristischen Organisationen. „Heute Nacht konnte ich nicht schlafen“, sagt Altuntas.

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