Nach dem Olympia-Aus: Das ist Plan B

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Der Hauptbahnhof heute

München - Wie geht es weiter nach dem Olympia-Aus? Wie steht's um den neuen Hauptbahnhof, das geplante Olympiadorf und die mögliche neue Sport-Arena? Die wichtigsten Antworten.

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Olympia 2022? Merkels Rat für München

Wie geht es weiter nach dem Olympia-Aus? Im Rathaus wird schon intensiv über die Zukunft der Leuchtturm-Projekte debattiert, die vom Zuschlag für die Olympischen Spiele 2018 abhingen . Während die Diskussion über eine erneute Olympia-Bewerbung noch nicht abgeschlossen ist, werden bereits die ersten Weichen gestellt.

Neue Oly-Bewerbung? Sportbosse zögern

Mund abputzen, weiterbewerben? So einfach ist das nicht… Deutschlands Sport-Bosse sind noch unentschlossen, ob sie einen neuen Anlauf in Sachen Olympia -Ausrichtung vorantreiben wollen. Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, sagte nach einer Präsidiumssitzung, jetzt könne man noch keine seriöse Entscheidung treffen. Eine Bewerbung für Sommerspiele in Berlin 2020 ist komplett unrealistisch, ein neuer Münchner Versuch für 2022 dagegen nicht völlig ausgeschlossen.

Der Olympiapark braucht bis 2021 auch ohne Spiele ein Sanierungsprogramm über knapp 280 Millionen Euro – Olympiahalle, Olympiastadion und Olympiaturm müssen saniert werden, die neue kleine Olympiahalle wird bald fertig. Fraglich ist die Zukunft des auf die Spiele abgestimmten Plans für den Olympiapark, der eine Erweiterung der Grünflächen vorsah. Teile davon könnten übernommen werden.
Fraglich ist auch: Wie sieht die Zukunft des Eissports und des Basketballs aus? Die jetzigen Anlagen sind veraltet und marode. Hat das geplante Olympiadorf eine Zukunft als Wohnanlage? Und wie steht’s mit dem neuen Hauptbahnhof, dessen Schicksal von der Zweiten Stammstrecke abhängt, die nach dem Olympia-Aus wiederum auf die lange Bank geschoben wird? Die tz stellt den Plan B vor:

Bekommen wir einen neuen Hauptbahnhof?

Das Olympia-Aus sorgt dafür, dass die Chancen für den preisgekrönten Entwurf des Münchner Architekturbüros Auer+Weber für den Neuen Hauptbahnhof wieder gestiegen sind. OB Christian Ude verhandelte in ­Berlin darüber jüngst mit dem Technikvorstand der Bahn, ­Volker Kefer. Das Ergebnis, so Ude: „Eine erfreuliche Wende.“

Man habe der Bahnspitze klarmachen können, dass man den preisgekrönten Entwurf der 1972er Olympia-Architekten Auer+Weber nicht ohne Begründung ablehnen könne. Ude: „Man kam zu dem Ergebnis, wenn das so ist, müsse man Auer+Weber noch eine Chance geben.“ Das Büro werde beauftragt, den zuletzt auf 350 Millionen Euro taxierten Entwurf „unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu überarbeiten“. Das Büro hatte bereits seine Bereitschaft bekundet, den Entwurf so umzuarbeiten, dass er nicht mehr so viel Geld kostet.

Die Bahn hatte dem Stadtrat eine Billigvariante vorgelegt, für den es dort Buh-Rufe gab. Ude: „Nach dem Olympia-Aus ist der Zeitdruck weg, sodass Auer+Weber die Pläne bis Herbst in Ruhe überabreiten kann.“ Dann soll es ein neues Spitzengespräch geben.

Olympisches Dorf ganz ohne Olympische Spiele?

Das Aus für die Olympischen Winterspiele 2018 bedeutet laut Oberbürgermeister Ude einen „sofortigen Planungsstopp“ für die Neubauten des Olympischen Dorfs auf dem Gelände des heutigen Bundeswehrverwaltungszentrums für 3500 Athleten. Ude: „Alle Absprachen und Verträge mit dem Bund gelten nur für den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2018.“ Dennoch könnte es sein, dass die Pläne wieder eine Auferstehung feiern: „Man muss abwarten, was die geplante Bundeswehrreform für den Standort München bedeuten wird.“ Sollte der Bund das Bundeswehrverwaltungszentrum schließen, könnten die Wohntürme des Berliner Architekturbüros Léon Wohlhage Wernik mit 1300 Wohnungen doch noch zu Ehren kommen.

Ude: „Der wunderschöne Entwurf würde auch ohne Olympische Winterspiele Sinn machen.“ CSU-Rathauschef Josef Schmid gibt zu Bedenken: „Sollte es eine weitere Olympiabewerbung gebe, sollte man das Gelände nicht vorher bebauen, weil man die Bewohner dann ja nicht auf die Straße setzen kann.“ Die neue Pressestadt sollte auf Flächen des Freistaates entstehen, der dort ursprünglich ein neues Justizzentrum plante.

Neue Sport-Arena?

Ob ohne oder mit Olympia: München braucht eine neue Halle für die Eishockey-Profis des EHC und eine Spielstätte für die Basketballer des FC Bayern, die in die Bundesliga aufgestiegen sind. Die jetzige Eisarena ist völlig marode. Für die Olympischen Winterspiele waren zwei neue Halle geplant: Anstelle der Radsport-Arena sollte für 80 Millionen Euro eine große Halle für 12 000 Zuschauer entstehen, anstelle des jetzigen Eiszentrums eine kleinere Halle (7000 Zuschauer). Bund und Land hatten je ein Drittel der Kosten beigesteuert.

Der Aufsichtsrat der Olympiapark GmbH beschloss Dienstagabend, den Bau einer großen Halle zu prüfen. SPD und Grüne haben das bereits im Stadtrat beantragt, die CSU forderte schon 2007 eine neue Halle. Die Kosten muss die Stadt nun alleine aufbringen. OB Christian Ude sieht darum auch ein „Finanzierungsproblem“.

Johannes Welte

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