Zoff um Garten-Nutzung

Skurriler Nachbarschaftsstreit um eine Kinderschaukel

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Stefanie H. mit ihren Söhnen Maxi (l.) und Leopold.

München - Weil sie sich von den Kindern der Nachbarn belästigt fühlen, zieht ein Ehepaar einen Zaun durch den Garten. Nun kommen die Kleinen nicht mehr zu ihrem Spielgerüst.

Stefan Raab verhalf er 1999 zu einem Nummer-1-Hit. Nun ist er zurück, der "Maschendrooohtzaun". Und hält eine Nachbarschaft in Hadern in Atem: Mit einem verrückten Streit …

Das Corpus Delicti ist ein Kinderspielgerüst. Es steht im Garten eines Doppelhauses - allerdings durchtrennt von einem grünen Zaun. Die Folge: Die Rutsche befindet sich auf der einen Seite des Gartens, die Schaukel auf der anderen. Die Protagonisten des Zoffs: die Nachbarn im Doppelhaus. Eine Familie mit zwei Kindern - und ein älteres Ehepaar. Auch sie haben Kinder - und Enkelkinder, betonen sie. Soweit die Gemeinsamkeiten. Bei fast allen anderen Angaben unterscheiden sich die Geschichten.

Stefanie H. (36) ist die Mama von Maximilian (4) und Leopold (11 Monate). Nachdem die Nachbarn den Zaun angebracht hätten, könne Maxi jetzt nicht mehr schaukeln. Beim Nesthäkchen Leopold habe sie Angst, dass er sich am Zaun verletze. "Es kann doch nicht sein, dass Kinder so angefeindet werden und junge Eltern das ertragen müssen", so Stefanie H.

Ritterspiele sind Stein des Anstoßes

Sie und ihr Mann hätten die Doppelhaushälfte mit gemeinsamer Nutzung des Gartens mit den Nachbarn angemietet, so H. Vollkommen eskaliert sei der Streit, als ihr Sohn Max beim Ritterspielen angeblich Buchsbäume beschädigt habe. Die Folge: eingeschaltete Anwälte, Dauer-Zoff - und der Zaun.

Der Passus im Mietvertrag zur Nutzung des Gartens: schwammig. Der Garten werde gemeinschaftlich genutzt, jedoch sei eine gedachte Mittellinie zu beachten, um die Privatsphäre des anderen nicht zu verletzen. Die Auslegung der Nachbarn von Familie H.: Jede Partei habe im Grunde ihren eigenen Bereich im Garten.

Zunächst sei trotzdem alles gut gewesen, auch als das Spielgerät aufgestellt wurde. "Die Familie hat es zwar teils auf unserer Seite aufgestellt, aber hat unterschrieben, dass es jederzeit - wenn gewünscht - zurückgebaut wird", so Nachbar Rudolf M. (73).

Zaun mit Einverständnis des Vermieters gezogen

Den Zaun hätten sie nach dem Zoff gezogen, um sich optisch von den ungeliebten Nachbarn abzugrenzen - mit Einverständnis des Vermieters. Der bestätigt das - auch aus seiner Sicht sieht der Mietvertrag keine gemeinsame Garten-Nutzung vor. "Die gedachte Grenze in der Mitte ist zu respektieren", sagt der Vermieter.

Er habe Familie H. angeboten, das Spielgerät auf seine Kosten zu versetzen. Getan habe sich nichts. Obwohl sie sich in einem Vergleich vor Gericht geeinigt hätten, dass die Schaukel zurückgebaut werde. Die vorgeworfene Kinderfeindlichkeit sei "ein Schmarrn".

Familie H. wiederum sagt, der Vermieter habe sich seit dem Vergleich wegen des Spielgerüsts nicht mehr gemeldet. Sie muss sich bis Ende des Jahres ein neues Zuhause suchen - auch ein Teil des Vergleichs. Der Vermieter hat ihnen gekündigt: Die Familie hatte die Miete in Absprache mit ihrer Anwältin wegen des Streites immer wieder gemindert. Der Zoff um den Maschendrahtzaun - ein gütliches Ende wird er wohl nicht mehr finden.

R. Weise

Das sagt die Expertin

Beatrix Zurek.

Streitigkeitenunter Nachbarn sind für Beatrix Zurek vom Mieterverein München nichts Unbekanntes. Die strittige Frage in diesem Fall: Wie durfte der Garten benutzt werden? Wenn beide das Recht haben, den gesamten Garten zu nutzen, sei die Anbringung des Zaunes eines Störung dieses Rechts, sagt Zurek. Wenn nicht, sei dies in Ordnung.

Von Maßnahmen, wie die Miete eigenständig zu mindern - also einfach weniger zu bezahlen - rät sie ab. Denn: Das Maß, welche Minderung angemessen ist, sei nur schwer zu treffen. "Eine Kündigung des Vermieters ist wirksam, wenn zu stark gemindert wurde." Deswegen der Tipp: Die Miete weiterhin unter Vorbehalt bezahlen - und das dem Vermieter auch ankündigen. Und dann vor Gericht im Fall der Fälle das zu viel bezahlte Geld einklagen.

Ramona Weise

Ramona Weise

E-Mail:ramona.weise@tz.de

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