San mir alle Saubären?

Nackt-Zonen in München: Amis und Briten flippen aus!

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Nackerte Badegäste am Flaucher. Die Stadt München hat Nackt-Zonen an der Isar neu geregelt. Deswegen flippen Medien in den USA und England jetzt aus.

München - Britische und US-Medien flippen aus wegen Nackt-Zonen an der Isar! Dabei hat der Münchner Stadtrat gar nichts Besonderes beschlossen. Die überdrehten Pressetimmen zum Thema.

Mei, san mir Münchner Saubären! Diesen Eindruck bekommt man derzeit, wenn man einen Blick in britische und US-amerikanische Medien wirft. Hintergrund: Vergangene Woche hat der Münchner Stadtrat eine neue Badekleidungsverordnung beschlossen. Die Stadt musste diese Festlegung treffen, nachdem die bisherige Badeordnung des Freistaates Bayern zum Ende der Saison 2013 ausgelaufen war. Geändert hat sich wenig: Wie bisher dürfen sich die Nackerten an der Isarinsel Oberföhring, der Schwabinger Bucht, der Schönfeldwiese, der Brudermühlbrücke und bei Maria Einsiedel tummeln. Als neue Nackt-Zone ist lediglich die Flaucherinsel hinzugekommen. So weit so unspektakulär.

Trotzdem sorgt diese Verordnung für ein gewaltiges Aufsehen bei Briten und Amis. Dass Nackerte frei rumlaufen dürfen, das kennen sie natürlich nicht aus ihren Städten. Kein Wunder, dass ihren Journalisten nun die Augen übergehen.

Eine Auswahl der Berichte der vergangenen Tage

  • Die "New York Daily News" schreibt über München: "Die Menschen dürfen in bestimmten Bereichen der Stadt alle Hüllen fallen lassen."  Eine der Nackt-Zonen sei sogar nur zehn Minuten vom Marienplatz entfernt, meldet das Blatt. Nicht auszudenken, wenn sich künftig Ami-Touristen nach dem Glockenspiel verirren und ihnen plötzlich an der Isar ein Nackerter über den Weg läuft... Aber man hätte ja gewarnt sein, müssen, denn: "Die Deutschen kennen keine Scheu, wenn es um Sonnenbaden im Adamskostüm geht!"

  • Auch die britische "Daily Mail" kündigt an: "Mehr Nudisten in München". Das Boulevardblatt kommentiert Münchner Nackt-Zonen mit Blick auf unseren berüchtigten Hang zu FKK. "Von den Deutschen heißt es ja, dass sie mehr im Einklang mit der Natur stehen, als wir prüden Briten" Ein User kommentiert den "Mail"-Bericht verständnisvoll: "Ich habe 26 Jahre in Deutschland gelebt. Das ist nichts Besonderes. In Deutschland hat fast jede Sauna ein gemischtes Publikum und da ist jeder nackt. Für die Deutschen ist es ihre zweite Natur." Ein anderer User stört sich daran, dass auf den Bildern zum Artikel vorwiegend Männer zu sehen sind. "Das sieht ja aus wie ein Würstchen-Fest. Warum lassen sich die schönen Model-Frauen nie an solchen Orten blicken?"

Nackt-Zonen in München: "Warum ist das erlaubt?"

  • "München wird nackt: Warum ist das erlaubt?" fragt das US-Onlinemagazin "Guardian Liberty Voice". Erklärung für die Nackt-Verordnung: "Die bayerische Kultur, Geschichte und Mentalität sind möglicherweise dir Ursache für die Akzeptanz und Toleranz von Nacktheit in der Öffentlichkeit." Aber dann wird's lächerlich: Dahinter stehe auch die CSU, die bekanntlich gegensätzliche Weltanschauungen unter einen Hut bringen könne. Stimmt in diesem Fall aber nicht. Denn im Münchner Stadtrat München regiert (noch) Rot-Grün.     
  • "Überlassen Sie es den Deutschen, dass nackte Menschen frei herumlaufen ... aber nur an bestimmten Stellen", schreibt das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes". Überschrift des Artikels: "Nacktheit wird in München legal". Liebe Amis: Das war es in unseren eigenen vier Wänden aber schon immer - wie bei Euch auch. "Forbes" thematisiert ebenfalls unseren angeblichen Hang zum Nacktsein: "Auf dem ganzen Kontinent haben die Deutschen den Ruf, 'FKK-besessen'  und 'Bräunungs-besessen' zu sein. Es ist keine Überraschung, dass viele FKK-Strände in Europa vorwiegend von Deutschen frequentiert werden - ebenso Saunen und Türkische Bäder, wo man sicher annehmen kann, dass die am bequemsten zur Schau gestellten nackten Körper den Deutschen gehören." Allerdings weist "Forbes" seine Leser auch darauf hin, dass die Nackt-Zonen definitionsgemäß begrenzt sind: "Das bedeutet nicht, dass künftig jeder seine Kleider da ausziehen kann, wo er will." Merkt es Euch, werte Amis! Nicht dass einer nach dem nächsten Besuch im Hofbräuhaus nackert am Platzl herumläuft. Das wird teuer!

Nackt-Zonen: "München erreicht beispielloses Niveau"

  • Die "Huffington Post" (USA) titelt: "München schafft Nackt-Zonen in der Stadt, weil Nacktsein toll ist". Für die US-Online-Zeitung ist dies unerhört: "FKK-Strände sind sicher toll - aber München erreicht in Sachen Nacktheit ein bislang beispielloses Niveau". Das Online-Magazin fragt US-Touristen: "Werden Sie in München alles zeigen?"

  • Nicht nur die Zeitungen und Nachrichtenportale drehen am Rad. Auch das Versicherungs-Fachblatt "Business Insurance" thematisiert die Nackt-Zonen. "Sonnenbadende können grinsen und sich im Schatten von Versicherungs-Giganten nackig machen", schreibt das Magazin. Und vermerkt, dass die Nackt-Zonen gar nicht weit von den großen Versicherungs-Konzernen Allianz und Münchener Rück entfernt seien. Liebe US-Versicherungs-Leute: Jetzt wisst Ihr auch, wo ihr bei Eurer nächsten Geschäftsreise während einer Pause kurz blank ziehen könnt.

Münchner Nackt-Zonen: Ausziehen ohne Verhaftung

  • Das britische Boulevardblatt "Daily Mirror" schreibt: "Städtische Nackt-Zonen erlauben es Menschen in München, sich auszuziehen, ohne eine Verhaftung zu riskieren." Ach, wirklich? Zur Erinnerung: Dieses Revolverblatt kloppt gern mal auf den Busch. Kürzlich titelte es nach Bastian Schweinsteigers Gelb-Roter gegen ManU: "You dirty Schwein!" Ein Entzug der Akkreditierung für das CL-Rückspiel durch den FC Bayern folgte auf dem Fuß.

  • Wer meint, dass die konservative englische Zeitung "The Daily Telegraph" mehr Niveau an den Tag legt, sieht sich getäuscht. Der Bericht beginnt schon mal ganz klasse: "Nacktheit ist in München nicht mehr unanständig. Eine der größten Städte in Deutschland hat Nacktheit in der Öffentlichkeit legalisiert."

Fazit der aufgeheizten Debatte: Offenbar sind die Nackerten an der Isar den Briten und Amis in den vergangenen Jahrzehnten bislang gar nicht aufgefallen. Aber was soll's? Dann haben wir neben dem Hofbräuhaus und der Wiesn jetzt halt eine weitere Touristen-Attraktion, die die Leute nach München zieht. Solange sie künftig nicht in jedem Biergarten die Hüllen fallen lassen. Denn dort sind die Nackerten weiterhin verboten, liebe Touris! Im Hofbräuhaus ist es im Prinzip wurscht. Denn da sind eh keine echten Bayern mehr.

fro

Franz Rohleder

Franz Rohleder

E-Mail:franz.rohleder@merkur.de

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