Täglich 15 Kilometer Stillstand

Nadelöhr Isarring: So schlimm ist der Gigantenstau wirklich

München - Nein, eilig sollte man es nicht haben, wenn man über den Isarring muss. Denn dort staut es sich seit Montag gewaltig! Wir haben den Test gemacht: Wie schlimm ist die Stau-Situation wirklich?

Wegen Bauarbeiten (es wird eine zusätzliche Fahrspur angelegt) ist auf dem Isarring der Abschnitt Richtung Schwabing für voraussichtlich drei Monate nur einspurig befahrbar. Die Zahlen zeigen, was das bedeutet: 95.000 Autos rollen hier täglich über den Asphalt. Stillstand am Nadelöhr...!

Wie schlimm die Situation ist, zeigt ein Blick in die Daten der Navigations-Experten von TomTom. Schon am Montag um 8.59 Uhr staute sich der Verkehr beispielsweise am Georg-Brauchle-Ring/Effnerstraße satte 6,4 Kilometer lang. Schneckentempo war angesagt. Gut 17 Minuten brauchte man als Autofahrer länger für das kurze Stück. Dienstag war die Situation zur genau gleichen Zeit dann sogar noch schlimmer, wie unsere Grafik oben zeigt: Wo es ganz eng (rote Linien) wurde, mussten Autofahrer teils über 20 Minuten mehr Zeit in Kauf nehmen. Blechlawinen am Isarring und auf den Ausweichrouten, München sieht rot!

Auch die Prinzregentenbrücke ist derzeit durch die Baustelle ein absoluter Problemfall. Hier müssen Autofahrer fast 20 Minuten ausharren, um endlich durch das Nadelöhr zu kommen. An der Max-Joseph-Brücke waren es zum Vergleich „nur“ 15 Minuten. Übrigens: Die Daten zeigen auch, dass die Lage am schlimmsten zwischen 9 und 10 Uhr vormittags ist. Hier pendelt die Gesamt-Staulänge für alle roten Problemzonen zwischen 14,4 und 15 Kilometern. Wer also irgendwie die Möglichkeit hat, auch etwas später in die Arbeit zu starten, sollte dies unbedingt tun. Oder gleich mit der U-Bahn fahren. Das große Verkehrschaos in unserer Stadt – die tz hat selbst getestet, wann wo gar nichts mehr geht – und wann es läuft. Hier unser Stau-Bericht.

Wir machen den Test: So lange dauert’s

Völlig entnervt: 85 Minuten hat Ines Weinzierl zur Arbeit gebraucht.

Start um 8.15 Uhr: Seit sechs Jahren fährt Ines Weinzierl (40) werktäglich mit ihrem kleinen Skoda Fabia von Trudering nach Moosach in die Arbeit. Aber so ein Chaos wie am Dienstag hat sie in all den Jahren nicht erlebt. „Weil ich gelesen habe, dass man am Effnerplatz nicht mehr auf den Isarring kommt, habe ich mir eine Ausweichroute gesucht. Am Montag hat das noch gut funktioniert. Aber am Dienstag stand ich im Megastau“, sagt Ines Weinzierl.

Weil sie befürchtet, dass es wegen der Baustelle auf dem Ring etwas länger dauern könnte, fährt sie am Dienstag früher, gegen 8.15 Uhr, daheim in Trudering los. Schon in der Freischützstraße geht einen Kilometer vor der Johanneskirchner Straße der Stau los. In der Johanniskirchner Straße geht erstmal gar nichts mehr – nicht einmal Schritttempo. „Die Autofahrer waren nervös, haben gehupt, standen Stoßstange an Stoßstange“, sagt Weinzierl.

Meter für Meter geht‘s für die Redakteurin vorwärts. In der Effnerstraße stadtauswärts steht sie wieder minutenlang. Am Föhringer Ring bis zur Ungererstraße dasselbe. Ab dem Frankfurter Ring löst sich das Chaos endlich auf – Ines Weinzierl ist wenig später in der Arbeit. Um 9.40 Uhr sitzt sie dann an ihrem Schreibtisch. Sie ist total genervt, weil sie 85 Minuten in die Arbeit gebraucht hat. Ohne Baustelle braucht sie 40 Minuten.

Am Montag hat sie für dieselbe Strecke schon 50 Minuten gebraucht. So lange dauert es auch von Haustür zu Haustür, wenn sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt. Ab morgen will Ines Weinzierl bis zum Ende der Baustelle im Oktober mit der U-Bahn zur Arbeit fahren.

Jasmin Mendrad, die rasende Reporterin.

Start um 11.15 Uhr: Während die Münchner an ihren Schreibtischen sitzen oder sich im Urlaub die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, fährt tz-Reporterin Jasmin Menrad in rasanten sechs Minuten und dreißig Sekunden vom Petueltunnel zum Effnerplatz – und in derselben Zeit wieder zurück. Megaustau? Stau? Stäuchen? Fehlanzeige!
Weil vor dem Redaktionsauto kein anderes Auto fährt, muss die rasende Reporterin achtgeben, dass sie sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h hält. Während rechts die Arbeiter mit schwerem Gerät die Vorbereitungen zum Bau einer dritten Fahrspur treffen, sucht die tz-Reporterin vergeblich nach einem Stau – dafür hätte sie wohl früher aufstehen müssen. Sie hat alles richtig gemacht, ist zur besten Zeit auf dem Ring unterwegs – freie Fahrt!

men/Foto: Westermann

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Armin Geier

Armin Geier

E-Mail:Armin.Geier@tz.de

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