Nail S. vor Gericht

Er verprügelte den Chef der Mordkommission!

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Nail S. muss sich wegen Körperverletzung verantworten.

München - Markus Kraus hat in sieben Jahren als Chef der Münchner Mordkommission vieles erlebt. Doch angegriffen wurde er nie – bis zum 26. März 2015. .

Bei einem SEK-Einsatz in Neuperlach kassierte der 43-Jährige einen Faustschlag von Nail S., der im Zusammenhang mit dem Isar-Mord an Domenico L. (†31) ins Visier der Ermittler geraten war. Wegen Körperverletzung steht der arbeitslose Informatiker nun vor Gericht.

„Es war kein Faustschlag, eher eine rechte Gerade“, erklärt Nail S. gegenüber Richter Gilbert Wolf. Der Schlag sei also nicht so stark gewesen. Immerhin war er so heftig, dass Kraus eine Gesichtsprellung mit Schwellungen davontrug. „Es war wie aus dem Nichts“, erinnert sich Kraus. „Zwar verweigerte der Zeuge die Speichelprobe, bei der Blutentnahme verhielt er sich aber ruhig.“ Erst als S. bemerkte, dass seine Wohnungstür durch das Eindringen der Polizei beschädigt war, brannten dem an einer paranoiden Schizophrenie leidenden Angeklagten die Sicherungen durch.

Mordkommissions-Chef Markus Kraus.

Nail S. bezeichnet sich als „Esotheriker, der nicht einmal im Traum eine Straftat begehen darf“. Der 38-Jährige redet viel, schweift ab und zitiert aus der Bibel. „Ich bin ein spiritueller Aktivist.“ Doch warum hat S. zugeschlagen? „Als Schachspieler weiß ich, welche Konsequenzen ein Spielzug hat. Aber da waren mir die Folgen nicht bewusst.“ Ob er denn seine Tat bereue, wollte Richter Wolf wissen. „Nein“, sagt S. „Ich hasse die Justiz nicht zu 100 Prozent, aber auch nicht zu Null Prozent.“ Laut Anklage soll S. den Beamten mit Mord gedroht haben. Auch üble Beleidigungen hagelte es. Einem Polizisten spuckte er später im Polizeipräsidium an der Ettstraße ins Gesicht. Er trage stets ein Messer bei sich und dürfe sich damit verteidigen, seien seine Worte gewesen. Nail S.: „Mord? Daran habe ich nicht einmal gedacht.“

Die Staatsanwaltschaft geht von einer erheblich verminderten Schuldfähigkeit aus. Nail S. ist im Isar-Amper-Klinikum in Haar untergebracht. Ein Urteil soll am Mittwoch ergehen. 

Johannes Heininger

Johannes Heininger

E-Mail:Johannes.Heininger@tz.de

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