Petry und Partei distanzieren sich

Neonazi als "Pressevertreter" bei AfD im Hofbräukeller

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AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry am Freitag im Hofbräukeller in München.

München - Beim Vortrag von AfD-Chefin Frauke Petry in München saß ein Rechtsterrorist im Publikum. Petry und ihre Partei distanzieren sich entschieden. Offenbar war er als "Pressevertreter" anwesend.

Update vom 18. Mai 2016: Neonazi Thomas Schatt hat den AfD-Vortrag im Münchner Hofbräukeller offenbar nicht als Gast besucht, sondern als (vorgeblicher) Journalist. Das geht aus einer E-Mail hervor, die Schatt an das Büro von Frauke Petry schickte und die unserer Online-Redaktion vorliegt. Darin heißt es: "Ich war nicht als Gast angemeldet, sondern als Pressevetreter vor Ort. Dies hätte auch jedem halbwegs kompetenten Journalisten anhand des gelben Pressearmbändchens, welches sogar auf dem Foto zu sehen war, auffallen müssen."

Wie Schatt weiter betont, stehe er der AfD nicht nahe: "Ich besuchte und besuche unzählige politische Veranstaltungen. Dazu gehören Veranstaltungen Ihrer Partei genauso, wie sämtliche anderen Parteien." Nach eigenem Bekunden habe er auch schon eine SPD-Veranstaltung besucht. "Daraus zwingend eine Nähe schließen zu wollen, ist daher absurd."

Noch ist unklar, für welches Medium Thomas Schatt bei der AfD-Veranstaltung im Hofbräukeller akkreditiert war

Knapp 500 Besucher bei AfD im Hofbräukeller

Knapp 500 Besucher waren am Freitagabend in den Münchner Hofbräukeller gekommen, um einen Vortrag von AfD-Chefin Frauke Petry zu hören. Die Bundessprecherin zeigte sich begeistert vom Abend. Doch ein Gast sorgte nach der Veranstaltung noch für Schlagzeilen. Wie mehrere Medien berichten, saß an diesem Abend auch der Rechtsterrorist Thomas Schatt im Publikum. Er war im Zuge des geplanten Bombenattentats auf das Jüdische Gemeindezentrum 2003 zu einer Haftstrafe verurteilt worden. "AfD-Petry spricht vor Terror-Nazi", vermeldete die "Bild"-Zeitung.

Was sagt die Bundessprecherin dazu? Für Petry ist der Neonazi ein unerwünschter Gast: "Menschen, die solche Inhalte vertreten, haben bei uns keine politische Heimat", erklärt sie auf Anfrage unserer Online-Redaktion.

AfD: "Ein ganz falsches Bild der Veranstaltung" 

Auch die Veranstalter distanzieren sich unmissverständlich von dem braunen Gast. Wilfried Biedermann, Vorsitzender des AfD-Kreisverbands München-Ost (der Gastgeber des Abends) will mit Rechtsradikalen wie Thomas Schatt nichts zu tun haben. "Auf diese Extremisten können wir als Veranstalter gerne verzichten. Das gibt ein ganz falsches Bild von der Veranstaltung." Und warum hat man die Teilnahme des verurteilten Rechtsterroristen nicht im Vorfeld unterbunden? Immerhin mussten sich die Gäste der Petry-Veranstaltung im Hofbräukeller per E-Mail vorab anmelden und 18 Euro für den Abend bezahlen. Gegenüber unserer Online-Redaktion betonten AfD-Kreischef Biedermann und Bayerns AfD-Landeschef, Petr Bystron übereinstimmend, dass ihnen Name und Hintergrund von Thomas Schatt unbekannt gewesen seien. "Wir haben doch keine Verbindungen zu irgendwelchen Neonazis", sagt Bystron, der vor seiner AfD-Mitgliedschaft sieben Jahre bei der FDP aktiv war. "Woher sollen wir denn solche Leute kennen? Mir sagte der Name bislang nichts."

Der AfD-Landeschef wittert eine Kampagne

Zudem seien bei AfD-Veranstaltungen des Öfteren auch Antifa-Aktivisten und Linksextreme im Publikum gesessen, so Bystron. "Das haben wir in der Regel auch erst hinterher erfahren", so Bystron. Der Landeschef wertet die Berichte über die Anwesenheit des Rechtsterroristen bei der AfD-Veranstaltung als Kampagne, um die Partei in die Nähe von Nazis zu rücken. Solche "Tatsachenverdrehungen" würden letztlich nur der Glaubwürdigkeit der Berichterstatter schaden.

Der Wirt des Hofbräukellers hatte die AfD-Versammlung mit der Parteivorsitzenden Frauke Petry zunächst wegen Sicherheitsbedenken abgesagt, musste aufgrund eines bereits geschlossenen Vertrags aber dennoch an die Partei vermieten. Trotz der gerichtlichen Auseinandersetzung und der Schlagzeilen, die der unerwünschte Gast der AfD hinterher bescherte, wertet Frauke Petry den Abend als Erfolg. "Ich komme gern wieder", erklärte sie nach der Veranstaltung im Hofbräukeller.

Der Abend im Live-Ticker zum Nachlesen.

Franz Rohleder

Franz Rohleder

E-Mail:franz.rohleder@merkur.de

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