Am Bahnhof immer dreister

Das ist die neue Masche der Taschendiebe

+
Geldbeutel raus, Scheine raus und wieder zurück: So lautet die neue Masche.

München - Münchner aufgepasst! Anscheinend haben sich Taschendiebe eine neue Masche einfallen lassen, die einen Diebstahl kaum nachweisbar machen lassen. In Berlin ist der Trick schon Standard.

Manche Taschendiebe nötigen einem fast Respekt ab. Mal wird das ahnungslose Opfer angequatscht und ausgeraubt, mal schneiden die Diebe einem unbemerkt die Geldbörse aus der Tasche. Solche Geschichten hört man immer wieder. Was man dagegen seltener hört: Diebe stehlen Geldbörse, plündern sie – und stecken sie dann wieder zurück! Ist das die neueste Masche?

Benjamin Marx.

Benjamin Marx (37) jedenfalls traute einen Augen nicht, als er am Samstagvormittag seine Brieftasche öffnete. Der Geschäftsführer des Softwareunternehmens Ippen Digital muss geschäftlich nach Frankfurt – im ICE bestellt er eine Tasse Tee. Er zieht die Geldbörse, greift ins Geldfach – und ins Leere. „Ich dachte, ich spinne. Gerade eben hatte ich doch 150 Euro abgehoben!“, sagt Marx. Das Geld ist weg. Auch die alten Quittungen fehlen, ebenso die ausländischen Scheine, die von der letzten Reise übrig gelblieben sind. Ausweis, Führerschein, Kredit- und ec-Karte? Alles noch da. Marx: „Ich stand da wie ein Volldepp!“

In der Haupthalle des Münchner Bahnhofes wurde Marx beklaut.

Er ruft sofort bei der Polizei an, schildert den Beamten die merkwürdige Geschichte: Etwa um 9.30 Uhr hob er das Geld im Zwischengeschoss des Münchner Hauptbahnhofs ab. Bei einem öffentlichen Automaten, am Aufgang zur Arnulfstraße. Marx zog das Geld, zog die Karte, verstaute alles in der Brieftasche. Die steckte er in die Innentasche seines Mantels. „Den Mantel hatte ich offen“, erinnert er sich. „Das war der Fehler.“ Fünf Minuten brauchte Marx zum Gleis 23. Dort wartet schon der ICE, Marx steigt gleich ein. Dann bestellt er Tee.

Dass er das Geld gar nicht eingesteckt hat? „Ausgeschlossen“, sagt Marx. „Ich wurde bestohlen.“ Ist ihm etwas Merkwürdiges aufgefallen? Stand jemand hinter ihm am Automaten? „Nein, nichts“, betont das Opfer. „Ich wurde nicht angerempelt, niemand hat mich angesprochen.“ Auch die Polizei geht von einem Diebstahl aus, Marx hat Anzeige erstattet. Gegen Unbekannt.

Einen Tag nach der irren Geschichte nimmt Marx die Sache schon wieder mit Humor. „Klar, das ist ärgerlich! Aber es war ja noch eine kundenfreundliche Art des Diebstahls.“ Bitte? „Karten und Papiere haben sie mir ja gelassen. Das erspart endlose Telefonate und nervige Behördengänge!“

In Berlin ist Trick schon „Standard“

Die neue Masche hat noch keinen eigenen Namen – wenn sich die Fälle häufen, wird sich die Polizei etwas einfallen lassen müssen. Wolfgang Hauner, Sprecher der Bundespolizei, sagt: „Wir kennen diese Masche. Meist schlagen die Diebe in fahrenden Zügen zu.“ Noch seien das eher Einzelfälle, sagt Hauner. Auch die Münchner Polizei spricht von Einzelfällen. Dennoch: Auch in Berlin operieren Diebe so, laut einem Zeitungsbericht bezeichnet die Polizei das Zurückstecken der Geldbörse dort als „Standard“.

Warum aber stecken die Diebe die Geldbörse wieder zurück? Wolfgang Hauner von der Bundespolizei: „So müssen die Diebe die überflüssige Ware nicht wieder loswerden.“ Er meint die Dinge, die jeder in der Brieftasche hat: Quittungen, Fotos, Visitenkarten – all das, was Diebe im Normalfall nicht interessiert. „Würde der Dieb gefasst, könnte er anhand dieser Dinge überführt werden“, so Hauner. Außerdem sei die Tat so schwer nachzuvollziehen. Die Opfer könnten sich nur schwer an den Diebstahl erinnern, oder an den Zeitpunkt, ab dem plötzlich der Geldbeutel weg war. Der Diebstahl von Geldscheinen ist kaum zu beweisen – wer merkt sich schon die Seriennummer seiner Banknoten?

auch interessant

Meistgelesen

Kleiner Geldbeutel? Hier können Sie in München sparen
Kleiner Geldbeutel? Hier können Sie in München sparen
Stau bei der Stadt: Das Wohnungsamt sperrt montags zu!
Stau bei der Stadt: Das Wohnungsamt sperrt montags zu!
Technische Störung: Verzögerungen auf der Stammstrecke
Technische Störung: Verzögerungen auf der Stammstrecke

Kommentare