Drei Modelle für die Zukunft

München 2040: So wird sich unsere Stadt entwickeln

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München im Blick.

München - Wie sieht die Zukunft unserer Stadt aus? Eine Studie liefert eine Prognose ab, in welche Richtung sich München bis ins Jahr 2040 entwickeln könnte. Drei Modelle.

Wie sieht München im Jahr 2040 aus? Die Verwaltung wollte das wissen und hat eine Studie in Auftrag gegeben. Das Fraunhofer-Institut in Stuttgart hat soziokulturelle, technologische, ökonomische, ökologische, politische und urbane Trends gesammelt und analysiert. So sind Schlüsseltendenzen entstanden (siehe unten). Und daraus wiederum haben die Experten drei mögliche Zukunftsszenarien entworfen. Die Studie und die Ergebnisse sollen nächste Woche dem Stadtrat vorgelegt werden. Die tz verrät hier exklusiv, wie sich München entwickeln könnte.

Szenario 1: Die Kontroll-Stadt

Vollautomatisch könnte 2040 der Nahverkehr laufen.

Das erste Szenario betiteln die Experten mit den Worten „sauber reguliert“. Unter anderem wird von einer weiterhin stärkeren Veränderung des Klimas ausgegangen. Aber auch Ressourcenkonflikte und nachhaltige globale Migrationsbewegungen beeinflussen das Stadtleben. Laut der Experten führen diese Punkte dazu, dass in München die Verwaltung deutlich stärker regulierend und steuernd eingreifen muss. Es entsteht somit eine zentralisierte Gesellschaft, die ihre Probleme und Herausforderungen im Griff hat. Wenngleich viele dieser Eingriffe gegen Widerstände in der Stadt und der Bevölkerung durchgesetzt werden, ist München im Jahr 2040 eine Stadt, die in nahezu allen Bereichen perfekt funktioniert. Energie-, Verkehrs- und Produktionsströme sind optimiert. Auch im sozialen Bereich orientiert man sich an Prinzipien der Nachhaltigkeit und des ökologischen Ausgleichs. Im Gegensatz zu anderen Städten können soziale Spannun­gen und eine tiefe soziale Spaltung weitgehend vermieden werden. Möglich ist dies nur, weil München erhebliche finanzielle Mittel in sozialpolitische Maßnahmen und Programme inves­tiert. Den dafür notwendigen finanziellen Spielraum liefern auch viele Unternehmen, die in München ihren Sitz haben.

Szenario 2: Die Kapitalisten-Stadt

Große Unternehmen können Wohlstand sichern.

Wir schreiben das Jahr 2040. München, eine Stadt, die bekannt war für ihre soziale und ökonomische Ausgeglichenheit, könnte aus dem Gleichgewicht geraten sein. Grund ist die digitale Ökonomisierung: Apps, Start-Ups, Arbeit 4.0! Im Jahr 2040 könnte München laut Experten geprägt von „sozioökonomischen Transformationsprozessen“ sein. Heißt: Die wirtschaftlichen Einflüsse auf die Gesellschaft könnten zunehmen. Mehr und mehr bestimmen Angebot und Nachfrage die Ressourcen. Das hat Folgen: Das Sozial-Modell, das auf hoher Wirtschaftskraft und hoher Lebensqualität für jeden Münchner basierte, wird mehr und mehr unterspült. Treibende Kräfte waren und sind mit der Digitalisierung und der Ökonomisierung Prozesse, die in München den optimalen Nährboden finden, um sich auch wechselseitig zu verstärken. Dabei wird nun auch die soziale Schere größer: Auf der einen Seite gibt es Menschen, die von der Digitalisierung und der stärker werdenden Wirtschaft profitieren. Auf der anderen Seite leben Menschen in einem harten und in einem zuweilen feindlichen Lebensumfeld. Experten-Fazit: München ist eine Paradestadt für den digitalen Kapitalismus des 21. Jahrhunderts. Für viele Menschen aus aller Welt verkörpert die Stadt mehr denn je die Hoffnung auf ein besseres Leben. Aber im Jahr 2040 ist klarer denn je, dass diese Hoffnung sich nicht für alle Münchner erfüllen wird. Übrigens: Laut Experten könnte eines der beschriebenen Szenarien exakt so eintreten!

Szenario 3: Die Ghetto-Stadt

Mehr Wohnblöcke, Angst vor Ghettos.

Eine Stadt voller Widersprüche und Konflikte – so präsentieren die Experten des Fraunhofer-Instituts München in diesem Szenario. Die Konflikte werden selten offen ausgetragen, sondern stehen in einer beinahe einzigartigen Weise ne­beneinander und werden von den Menschen nicht nur ausgehalten, sondern in gewisser Wei­se sogar wertgeschätzt – dabei geht es nicht nur um einen Unterschied zwischen arm und reich, sondern auch um kulturelle Widersprüche.

Prägend für die Stadt war und ist die wachsende Differenz von Wohl­stand und Armut, von Erfolg und Scheitern, von globaler Orientierung und lokaler Fixierung. Arbeits- und Wohnungsmärkte sind 2040 seit Jahren chronisch überlastet. Zunehmende Armut und einhergehende Ghettoisierung, die hohe soziale Transferleistungen der Stadt er­fordern, sind negative Begleiterscheinungen. München verkörpert heute eine neue Form der Unübersichtlichkeit und Unstrukturiertheit, die aber durchaus ihren Charme mit sich bringt. Denn die Stadt ermöglicht es jedem Menschen, auf seine eigene Art glücklich zu werden. Hierzu haben auch die umfangreichen sozialen Förderprogramme beigetragen, mit denen eine tiefgreifende Polarisierung und soziale Spaltung vermieden beziehungsweise deren Folgen dadurch abgeschwächt werden konnten. Münchner zu sein, bedeutet heute in erster Linie: Weltbürger zu sein. 

Digitalisierung & Co.: Das kommt auf uns zu

Die Experten des Fraunhofer-Instituts haben 16 Schlüsseltrends herausgefiltert – der Blick in die Glaskugel. Wir präsentieren hier einige davon:

  • Die Digitalisierung durchdringt sämtliche Lebensbereiche. Neben realen Identitäten verfügt künftig jeder Mensch über eine digitale Identität, die gepflegt und entwickelt wird.
  • Die Globalisierung führt in vielerlei Hinsicht zu einer verstärkten räumlichen Bewegung von Menschen. Neben einer gesteigerten Beweglichkeit von Arbeitsplätzen im globalen Raum kommt es zu verstärkten Migrationsbewegungen.
  • Die sozialen Milieus verändern sich gravierend. Während global betrachtet die Anzahl der Menschen, die der Mittelschicht zugerechnet werden, steigt, kann auf nationaler oder lokaler Ebene eine Erosion beobachtet werden.
  • Der wachsende Anteil alter und hochbetagter Menschen führt zu ansteigenden Pflege- und Versorgungskosten. Diese Kosten können von immer weniger Menschen privat aufge­bracht werden.
  • Mittelfristig werden vollautomatische intermodale Verkehrssysteme möglich sein, was die Grenze zwischen öffentlichem und privatem Verkehr verschwimmen lässt.
  • Im Zuge eines dauerhaften Niedrigzinsumfelds verlieren das Sparen und der Aufbau von Ka­pital an Sinn. Anleger suchen händeringend nach Investitionsmöglichkeiten.
  • Persönlicher Besitz und Eigentum verlieren zumindest auf Ebene des Individuums an Bedeu­tung. Zugänge zu Bildung, Infrastrukturen und Informationsangeboten gewinnen hingegen als Mittel sozialer Differenzierung an Relevanz.
  • Die Automatisierung der Arbeit schreitet voran. Die Digitalisierung ermöglicht künftig auch die Automatisierung vieler Dienstleistungstätigkeiten, Roboter als Barkeeper beispielsweise.
  • Ressourcenengpässe prägen immer stärker das Handeln. Energie, seltene Erden, sauberes Wasser und landwirtschaftliche Nutzflächen werden zum Ausgangspunkt für Konflikte. 
  • Die Klimaveränderung führt zu einer Zunahme von klimatisch bedingten Ereignissen und Fol­geschäden. Dies erfordert Anpassungsleistungen im urbanen Raum.

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