Der Traum von fester Bleibe

Backstage feiert 25. Geburtstag - Heimat der Unangepassten

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Hans-Georg Stocker im Backstage.

München - Alternative Schuppen in München? Da muss man nicht lang überlegen: Das Backstage! Der Laden am Hirschgarten musste viele Hürden nehmen, feiert nun aber schon seinen 25. Geburtstag.

Wenn sich ein Alt-Achtundsechziger darüber beschwert, die heutige Jugend bestünde nur aus stromlinienförmigen Karrieretypen, dann schickt man ihn gerne ins Backstage. Dort finden seit 25 Jahren die eher Unangepassten ihre Heimat bei Konzerten, im Biergarten und sogar beim gemeinsamen Fußballschauen. Am heutigen Montag wird das Vierteljahrhundert voll, gefeiert wird das Jubiläum ab Donnerstag mit Partys und Künstlern wie Danko Jones und den beNUTS.

„Auf jeden Fall freue ich mich, dass es uns so lange gibt“, erklärt Backstage-Chef Hans-Georg Stocker. „Es läuft gut, unser Konzept funktioniert nach wie vor.“ Angefangen hat alles 1991 mit einer Jugendkultur-Initiative, die sich x-ray nannte. Der Plan von Hans-Georg Stocker schon damals: alternative Kultur für Jugendliche zu reellen Preisen.

Jugendprojekt mit vielen Hürden

Dass dies klappt, ist dem Engagement von Stocker und seiner Crew zu verdanken. Gefördert wurde das Jugendprojekt nämlich nie. Eher wurden Steine in den Weg gelegt. Stets wurde man mit kurzfristigen Mietverträgen hingehalten, die eine dauerhafte Planung unmöglich machten. So mancher andere hätte schon längst das Handtuch geworfen.

Wer aber Hans-Georg Stocker kennt, weiß, dass er nicht nur eigenwillig, sondern auch extrem zäh ist. Die ersten Konzerte wurden 1991 in einem Saal an der Graubündener Straße veranstaltet. Zwei Jahre später begann das Umzugskarussell. Acht Jahre blieb man an der Helmholtzstraße mit den legendären Bauwagen-Toiletten, sechs Jahre nur an der Friedenheimer Brücke. Seit 2007 hat das Backstage seine Heimat an der Wilhelm-Hale- beziehungsweise Reitknechtstraße.

Von der mit 45 Quadratmetern kleinsten Backyard Lounge bis zum 800 Quadratmeter großen Werk stehen insgesamt sechs Veranstaltungsräume zur Verfügung. Hinzu kommen Nebenräume und mehrere Freiflächen. Weichspülermusik hört man hier selten. Rock, Metal, Punk und Alternative sind angesagt.

Backstage eine Institution

Das Backstage ist in München eine Institution, die schon längst einen festen Standort verdient hätte. Vor zehn Jahren hatte Stocker angekündigt, das 25. Jubiläum werde auf dem endgültigen Backstage-Gelände gefeiert. Dazu wurde von der Stadt ein Grundstück gekauft.

Ist es nun so weit? Der Backstage-Chef winkt mit einem bitteren Lächeln ab: „Es ist ein ganz typischer Backstage-Geburtstag, nämlich einmal wieder der letzte wirklich gesicherte.“ Es gibt Ungereimtheiten, die das Bauvorhaben bremsen, gleichzeitig aber muss ein Teil des Geländes bis Mitte 2016 geräumt werden. „Wir feiern also mal wieder mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Stocker.

A. Seidemann

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