Auch LMU möchte die Räume

Bangen ums Maxim-Kino: Kommt jetzt ein Theater?

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Kampf ums Maxim: Jan Jäger möchte das Kino fortführen – aber auch die Studiobühne der Uni sucht hier Platz.

München - Die Zukunft des Maxim ist weiter ungewiss. Das alte Kino konkurriert jetzt mit dem Studenten-Theater der LMU um einen Mietvertrag für die sanierungsbedürftigen Räume in Neuhausen.

Für die Fans des Maxim geht das Bangen um die Zukunft des mehr 100 Jahre alten Kinos in die nächste Runde: Mit der Studiobühne der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) ist ein neuer Interessent für die Räume an der Landshuter Allee ins Spiel gekommen. Ob das alternative Programmkino weiter bestehen kann, ist damit fraglicher denn je. Ende März läuft der Vertrag von Siegfried Daiber, dem bisherigen Betreiber des Kinos, aus. Jan Jäger und Miriam Tretter wollen das renovierungsbedürftige Kino mit einem modernisierten Konzept weiterführen (wir berichteten). Doch die Mietforderungen sind zu hoch, wie sie sagen.

Mit einigen „Freunden des Hauses“ kam Siegfried Daiber zur jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses (BA) Neuhausen-Nymphenburg, um für weitere Unterstützung zu werben. „4000 Menschen können nicht irren“, lautet das Argument der Kino-Fans. So viele Unterschriften haben sie bei einer Online-Petition für den Erhalt des Kinos gesammelt. Doch die BA-Mitglieder erklärten, sie seien am Ende ihrer Möglichkeiten. Anna Hanusch (Grüne) und Kristina Frank (CSU) hatten bereits versucht, zwischen den Unterstützern des Kinos und dem Vermieter zu verhandeln. Aber: „Wir als Bezirksausschuss können nur als Vermittler zwischen privaten Parteien auftreten“, sagte Frank. Nun sei es an dem jungen Team, ein finanzierbares Konzept auszuarbeiten.

Die Kino-Freunde hoffen auf dauerhafte finanzielle Unterstützung von der Stadt. Auch Theater, Ballett und Opern würden mit öffentlichen Mitteln gefördert, sagte Daiber: „Filmkultur hat immer noch nicht den gleichen Stellenwert.“ Mit 1000 Euro monatlich aus öffentlichen Kassen könnten sie die vom Vermieter geforderte Miete von 3000 Euro plus 400 Euro Nebenkosten bezahlen. Mehr als 2500 Euro für die Miete seien mit einem Kino-Betrieb wie im Maxim nicht zu erwirtschaften.

Jan Jäger und Miriam Tretter sehen ihre Chancen mittlerweile schwinden. „Klar haben wir noch Interesse“, sagt Jäger, „aber wir haben nicht die Möglichkeiten, so viel Geld aufzubringen“. Jäger will nun einen Förderverein gründen, um darüber möglicherweise die fehlenden 1000 Euro monatlich aufzubringen.

Erschwert wird die Situation für die Kino-Freunde dadurch, dass inzwischen ein Mitbewerber Interesse an dem Gebäude bekundet: die Studiobühne, eine Einrichtung des Instituts für Theaterwissenschaften der LMU. Studierende können selbst Stücke inszenieren und spielen, sich also praktisch ausprobieren.

Katrin Kazubko, die Leiterin des Studententheaters, ist auf die Räume des Maxim durch eine Anzeige im Internet aufmerksam geworden. Der Vermieter hatte die Immobilie als Ladenfläche angeboten. „Es ist nicht so leicht, in urbaner Lage Räumlichkeiten zu finden, in denen man öffentliche Theatervorstellungen zeigen kann“, sagt Kazubka. „Es tut mir zwar leid für das Kino, aber ich fände es super, wenn wir dort einziehen könnten.“

Derzeit hat die Studiobühne keine feste Bleibe. Seit Oktober 2015 tingeln die Studenten mit ihren Stücken von Theater zu Theater: Alle vierzehn Tage hat eine neue Inszenierung Premiere, außerdem organisiert die Studiobühne regelmäßig andere Veranstaltungen wie Liederabende, Tanzperformances und Live-Musik.

Es sei schwierig, zwischen den beiden Interessenten abzuwägen, sagte Anna Hanusch (Grüne), die BA-Vorsitzende in Neuhausen-Nymphenburg: „Das Kino zu erhalten hat Vorrang, aber auch ein Theater ist eine kulturelle Einrichtung, gegen die wir als BA nichts haben.“ Katrin Kazubko möchte die Möglichkeit nicht ausschließen, dass womöglich auch eine Kooperation mit dem Kino zustande kommen könnte.

Aber auch bei der Studiobühne ist noch nichts entschieden. Denn das Theater ist auf der Suche nach einer dauerhaften Bleibe. Bevor die LMU langfristig Räume anmietet, muss die Finanzierung genehmigt werden, und vor allem muss es eine öffentliche Ausschreibung geben, damit auch andere Anbieter berücksichtigt werden. Diese Ausschreibung werde in den nächsten Wochen veröffentlicht, sagt Matthias Fahrmeir vom Dezernat für Liegenschaften der LMU. Außerdem hätten die Verhandlungen zwischen dem Vermieter und der Universität gerade erst begonnen. „Wir werden das Kino nicht eins zu eins übernehmen“, sagt Fahrmeir.

Denn neben einigen Neuerungen, die ein Theater brauche, zum Beispiel die Beleuchtung auf der Bühne, müsse das Gebäude dringend renoviert werden. „Die Toiletten, der Fußboden, die Heizung, die Isolierung“, zählt Katrin Kazubko auf. Wer die Kosten für die Renovierung übernehme, sei noch nicht geklärt, sagt Fahrmeir: „Es war ein eher schwieriges Gespräch mit dem Vermieter.“ Er hoffe auf eine gute Lösung für die Studiobühne. Aber: „Noch ist alles offen.“ Das Drama um Münchens drittältestes Kino ist also noch lange nicht zu Ende.

Judith Issig

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