Arbeiter stießen auf unbekannten Keller

Gift-Funde verzögern Justiz-Neubau am Leonrodplatz

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Auf dem Areal zwischen Dachauer Straße und Schwere-Reiter-Straße wird das Strafjustizzentrum entstehen.

München - Der Bau des Strafjustizzentrums am Leonrodplatz verzögert sich. Bei den Bauvorarbeiten sind Arbeiter auf tonnenweise kontaminiertes Erdreich und einen riesigen, unbekannten Keller gestoßen.

Der bis zu siebenstöckige Bau mit seiner gläsernen Fassade soll 2021 eröffnet werden.

Richter und Staatsanwälte müssen noch einige Zeit länger im maroden Strafjustizzentrum an der Nymphenburger Straße ausharren. Denn der Neubau des Justizzentrums am Leonrodplatz, derzeit mit Abstand das größte Hochbauvorhaben im Freistaat Bayern, verzögert sich. Arbeiter hatten dort Ende des vergangenen Jahres Schadstoffe und Pestizide im Erdreich entdeckt. Es handelt sich um Paks, DDT und Arsen – Stoffe, wie sie häufig nach dem Krieg in Böden sickerten oder vergraben wurden. Das kontaminierte Erdreich liegt in bis zu zwei Metern Tiefe. Es muss nun aufwendig im Labor analysiert und später kostspielig entsorgt werden. Nach Angaben des Staatlichen Bauamts sind derzeit Fachexperten, Schadstoffgutachter und Kampfmittelexperten auf dem Gelände im Einsatz. Die Behörden vermuten, dass die Amerikaner für die Verschmutzungen des Areals mit Öl und Schwermetallen verantwortlich sind. Recherchen des Referats für Umwelt und Gesundheit ergaben, dass amerikanische Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gelände eine Desinfektions-Einheit stationiert hatten.

Es sind aber nicht nur die Altlasten, die den Baubeginn verzögern. Trotz der im Vorfeld durchgeführten Recherchen war den Planern nicht bekannt, dass sich entlang der Dachauer Straße ein mächtiger Keller in einer Tiefe von bis zu fünf Metern befindet. Auf den vorhandenen Luftbildern waren lediglich acht erdgeschossige Gebäude erkennbar gewesen. Der bei den Erdarbeiten gefundene Keller war mit Eisenschrott gefüllt, der nun ebenfalls entsorgt werden muss.

Nachforschungen ergaben, dass der Keller bereits zur Nazi-Zeit existierte, jedoch leer stand. Erst nach 1945, mit der Quartiernahme der Amerikaner, wurde der Keller genutzt und mit Schrott gefüllt.

Kelleranlagen aus der Vorkriegszeit.

Das unterirdische Bauwerk erstreckt sich auf einer Länge von 80 Metern und einer Breite von 15 Metern, ist also 1200 Quadratmeter groß und dehnt sich bis an die Schwere-Reiter-Straße aus.

Die im Zuge der Arbeiten gewonnenen neuen Erkenntnisse verlangten überlegtes Handeln und teilweise neue Lösungen, teilt das Staatliche Bauamt mit. Der Behörde zufolge sei dies alles „mit hohem zeitlichen Aufwand verbunden“. Rund ein halbes Jahr beträgt die Verzögerung. Ob der geplante Bezugstermin des Strafjustizzentrums im Jahr 2021 zu halten ist, hängt vom weiteren Baufortschritt ab. Über die Höhe der Mehrkosten, die durch die Entsorgung des kontaminierten Erdreichs sowie den Abbruch des Kellers entstehen, gibt es noch keine Erkenntnisse.

Der Freistaat investiert in den Neubau am Leonrodplatz rund 300 Millionen Euro. Der 39.000 Quadratmeter große, bis zu siebenstöckige Gebäudekomplex wird 1300 Mitarbeitern Platz bieten. Dort werden alle sieben Münchner Strafjustizbehörden zusammengefasst. Durch die bisherige Aufsplittung von Gerichten und Staatsanwaltschaft war es häufig zu einem unnötigen Mehraufwand gekommen, sagte der Präsident des Oberlandesgerichtes, Peter Küspert, am Rande des Spatenstichs Ende November. Welchen Mehraufwand der Neubau auslösen würde, war Küspert zu diesem Zeitpunkt freilich nicht klar.

Zu einer Infoveranstaltung über den Neubau des Strafjustizzentrums lädt die CSU Neuhausen am Montag, 13. Juni, in die Augustiner-Gaststätte in der Hübnerstraße 23 ein. Beginn ist um 19 Uhr. Auf dem Podium werden unter anderem der ehemalige Justizminister Alfred Sauter (MdL) sowie Vertreter der Obersten Baubehörde sitzen. Dabei wird es auch um die Drohungen linksradikaler Gruppen gegen den Neubau gehen sowie die Entwicklung des Viertels.

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