Petition gestartet

Umzug auf Eis: "Backstage"-Zukunft wieder auf der Kippe

Hat vor 25 Jahren das Backstage gegründet – und hat seitdem immer wieder Zukunftssorgen: Hans-Georg Stocker. Foto: Schlaf

München - Der Fortbestand des „Backstage“ steht in den Sternen – mal wieder: Die zeitlich befristete Baugenehmigung für Betreiber Hans-Georg Stocker läuft Ende des Jahres aus. Die Schuld schieben sich  Stocker und Stadt gegenseitig zu. Unterstützer starten derweil eine Petition.

„Das ist seit Jahrzehnten ein Gschiss“, sagt Hans-Georg Stocker. Vor 25 Jahren hat er das Backstage gegründet, als Zentrum für alternative Konzerte und Partys. Die Fantastischen Vier und die Sportfreunde Stiller spielten hier ihre ersten Konzerte. Doch die Historie des Backstage ist eine unendliche Geschichte von Zwischennutzungen und Umzügen, immer unter dem drohenden Damoklesschwert auslaufender Genehmigungen.

Und schon wieder ist seine Zukunft ungewiss. Die Genehmigung für das bestehende Backstage läuft Ende des Jahres aus. Das Gelände an der Reitknechtstraße, seit zehn Jahren Standort des Backstages, gehört Stocker nur zur Hälfte. Auf der anderen Hälfte soll bald eine Grünfläche entstehen.

Eigentlich hatte der Backstage-Chef vorgesorgt

Deswegen hatte Stocker vor drei Jahren gemeinsam mit der Post das sogenannte Deutschmann-Gelände in direkter Nachbarschaft gekauft. Das galt als die Rettung des Backstage. Neben einem Logistik-Zentrum der Post sollte dort auch der Backstage-Neubau entstehen. Die Hoffnung war, dass die Konzerthallen und Clubräume endlich eine dauerhafte Bleibe finden. Außerdem könnten dort Bands proben, eine dauerhafte Indoor-Soccerhalle entstehen. Stocker hat viele Pläne. Doch die befristete Baugenehmigung läuft aus – auch im Dezember 2016. „Wenn nicht verlängert wird, war’s das mit dem Backstage“, sagt Stocker.

Laut Bebauungsplan soll das Gelände für Logistikeinrichtungen genutzt werden. Dass das Backstage den Standort für Kulturveranstaltungen nutzen will, war schon beim Kauf klar. Dafür bräuchte es eine Änderung des Baurechts und viele Ausnahmen. Baulinien und -höhen müssten verschoben werden. „Ich habe auf die Stadt vertraut, dass wir eine Lösung finden“, sagt Stocker.

Die Stadt sagt, der Bauherr ist am Zug

Der Antrag auf eine unbefristete Baugenehmigung werde geprüft, sagt Ingo Trömer vom Referat für Stadtplanung. „Wir sind natürlich immer gewillt, dass solche Projekte zu einem Erfolg gebracht werden“, sagt er. Doch es fehlten Nachweise zur konkreten Umsetzung des Neubaus. Daher liege die Prüfung derzeit auf Eis. Trömer sagt, der Bauherr sei jetzt am Zug – also Stocker.

Der wiederum sieht die Schuld bei der Stadt. Das größte Problem sei der Lärmschutz. „Die Schallschutzwerte im Bebauungsplan waren nie ausreichend für uns“, sagt Stocker zwar. Doch die Situation habe sich durch den angrenzenden Wohnungsbau verschärft. Mit der Genehmigung der Luxuswohnanlagen „Friends“ und „Pandion“ sei es noch schwieriger, einen ausreichenden Lärmschutz zu gewährleisten. „Wir sind immer mehr in der Zange“, sagt Stocker.

Stockers Pläne sind unendlich

Deswegen wolle er die neuen Konzerträume teilweise unterirdisch anlegen und einen Gebäuderiegel quer bauen, der den Lärm schluckt. Stockers Ideen sind unendlich. Vor allem aber brauche er jetzt eine klare Aussage der Stadt, was er bauen dürfe: „Die Stadt muss jetzt mal die Hosen runterlassen“, sagt Stocker. Die Zeit drängt. Backstage-Unterstützer haben inzwischen eine Online-Petition gestartet, die sich an die Bürgermeister richtet. Mehrere Tausend haben sich bereits eingetragen.

Auch der Bezirksausschuss Neuhausen-Nymphenburg hatte das Problem des Backstage bei seiner jüngsten Sitzung auf der Tagesordnung. Viele Stimmen sprachen sich dafür aus, das Backstage zu unterstützen. Trotzdem: einen entsprechend deutlichen Hinweis an die Stadtverwaltung hat das Stadtteil-Gremium zunächst vertagt. Dass die Zukunft des Backstage vertagt wird, das kennt Stocker. Die Bands für das kommende Jahr bucht er trotzdem schon.

Judith Issig

 

 

Wir suchen Münchens wahren Mietspiegel

Mit Ihrer Hilfe wollen tz.de und Merkur.de herausfinden, wie teuer Wohnen in München wirklich ist. Alles, was es dazu braucht, sind ein paar anonyme Angaben. Helfen Sie hier mit, Münchens wahren Mietspiegel zu entwickeln.

Mehr zum Thema:

auch interessant

Kommentare