Denkmal-Streit geht weiter

Schloss Nymphenburg: Scharfe Kritik am Museums-Neubau

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Der schmucklose Anbau am Schloss Nymphenburg, in dem das Institut für Mikrobiologie residierte, soll durch einen Neubau ersetzt werden. Doch der gefällt vielen Bürgern nicht, Denkmalschützer sind entsetzt.

München - Bürger und Denkmalschützer wollen den geplanten Neubau des Museums Mensch und Natur Schloss Nymphenburg verhindern. Sie sind entsetzt über den Entwurf des Architekturbüros.

Das Bild zeigt ein Haus ohne Fenster. Stattdessen prägen senkrecht verlaufende Betonrillen die Fassade, und mittendurch zieht sich eine riesige Öffnung zum Innenhof. Ein scheußlicher Entwurf, darin sind sich auf der Bürgerversammlung Neuhausen-Nymphenburg viele Besucher einig. Als Neven Denhauser dann noch das Dach aus ziegelroten Metallschindeln erwähnt, hat er die knapp 400 Mitbürger auf seiner Seite. 

Der Freistaat will den bestehenden Bau im Nordflügel abreißen

Das geplante Naturkundemuseum Bayern am Schloss Nymphenburg ist ein Vorzeigeprojekt des Freistaats. Ministerpräsident Horst Seehofer spricht gar von einer „bayerischen Perle“, die ursprünglich mal bis 2019 in die Tat umgesetzt werden sollte. Das bestehende Museum Mensch und Natur, ansässig im Nordflügel von Schloss Nymphenburg, sollte dafür erweitert und der bestehende Bau in der Maria-Ward-Straße abgerissen werden. 

Bürger und Denkmalschützer kritisieren den geplanten Neubau am Schloss

Eine Jury kürte nach einem Architekturwettbewerb 2014 den Entwurf des Berliner Architekturbüros Staab Architekten zum Sieger – unter großer Zustimmung, wie Museums-Leiter Michael Apel sagt. Alle hätten den Entwurf sehr gelobt. Nun, zwei Jahre später, äußern Anwohner in der Bürgerversammlung Bedenken.

Hinter der Kritik steht unter anderem das Denkmalnetz Bayern, das zum Bayerischen Landesverein für Heimatpflege gehört und sich für den Erhalt von gefährdeten Denkmälern einsetzt. Auch die Altstadtfreunde München, eine Bürgerinitiative für Denkmalschutz, zeigen sich besorgt. Umso mehr, als das Schloss Nymphenburg sich in eine Reihe von Fällen denkmalwürdiger Bauten in München einfügt, bei denen der Denkmalschutz aus Sicht der Altstadtfreunde versagt hat.

Martin Schreck: „Wir können die ganzen Brände gar nicht mehr löschen“

So soll das neue Naturkundemuseum am Schloss Nymphenburg aussehen.

Dazu gehören die Häuserzeile Sailerstraße 2 bis 6 und die Tierklinik am Englischen Garten. „Wir können die ganzen Brände gar nicht mehr löschen“, sagt Martin Schreck von der Bürgerinitiative. Dabei geht es ihnen gar nicht um das neue Museum: „Wir finden die Grundidee für ein bayerisches Naturkundemuseum im Schloss hervorragend“, sagt Neven Denhauser, „aber wir sind entsetzt über den Entwurf.“ Entsetzt, weil die „künstlerische Einheit“ des Schlosses durch den Siegerentwurf zerstört würde. 

Denhauser, selbst Bürger im Stadtteil und „leidenschaftlicher Schlossgänger“, kritisiert, dass der Entwurf für den Neubau keinerlei Bezug auf den historischen Bauplan des 18. Jahrhunderts nehme – wie es der sogenannte Bestandsbau tut. Zwar stammt dieser aus der Nachkriegszeit, aber die Fassaden und Fenster passen zu dem barocken Hauptschloss. 

Krasser Gegensatz zum Schloss Nymphenburg ist gewollt

Allerdings: Der krasse Gegensatz der Erweiterung zum Hauptschloss ist gewollt, deshalb hat er unter anderem gewonnen. So steht es auch in der Begründung der Jury: „Der Bruch mit der bis heute tradierten homogenen Fassadengestaltung der Schlossanlage wird bewusst inszeniert.“

Museumsleiter Michael Apel ist außerdem der Auffassung, dass Symmetrie und Proportion des Schlosses trotzdem sehr gut aufgegriffen würden. Die große Öffnung tue der Gesamtanlage gut und setzte den Innenhof in Szene. Apel kann daher die Kritik des Denkmalnetzes „weder zeitlich noch inhaltlich“ nachvollziehen. 

Der Entwurf sei 2014 öffentlich einsehbar gewesen und durch die Medien gegangen. „Als Bürger des Stadtteils kann ich verstehen, dass Sie sich um das Schloss sorgen“, sagt er, „aber wir wollen nichts Böses. Das Schloss ist nicht in Gefahr.“ 

Bei einem Bau mit Fenstern hätte das zukünftige Naturkundemuseum ein Problem mit dem Tageslicht. Das aktuelle Gebäude hat zudem zu niedrige Decken und zu kleine Räume. „Wir brauchen einen funktionalen Bau mit guten Klimabedingungen“, erklärt Apel. Denhauser will das nicht gelten lassen: „Das Schloss steht über allem“, sagt er. 

Auch Lokalpolitiker kritisieren den Entwurf

Michael Schreck von den Altstadtfreunden sagt: „Man sollte sich bei Schlössern keine Brüche erlauben.“ Deshalb wollen die Initiativen weiter für den Erhalt des Nordflügels im Schloss Nymphenburg kämpfen. Der BA will prüfen, ob er sich ihnen anschließt. Die Lokalpolitiker machten schon einmal deutlich, dass ihnen der Entwurf ebenfalls nicht gefällt. Oliver Belik von der SPD sagte, dass er als Teil der Jury von Anfang an gegen den Siegerentwurf gewesen sei: „Ich wäre sehr froh, wenn wir das wieder zurückholen könnten.“ Stadträtin Kristina Frank (CSU) empfahl, die Sache „mit gebotener Ruhe anzuschauen“. Museumschef Apel lässt sich von dem neuen Gegenwind nicht aus der Ruhe bringen. Man werde wie geplant demnächst mit dem Abriss beginnen, sagt er. Vor 2023 sei mit der Eröffnung des neuen Naturkundemuseums aber nicht zu rechnen.

Caspar von Au

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