Warten auf den Titanen

Sensation im Botanischen Garten: Stinkende Riesen-Schönheit blüht bald

+
Stinkende Schönheit: Eine Titanenwurz-Blüte, hier in Bayreuth.

München - Im Botanischen Garten kommt die größte Blume der Welt zur Blüte. Viele Jahre hielt sich die Riesenpflanze eher bedeckt. Bald schon können Besucher in Nymphenburg ein echtes Naturspektakel erleben.

„Es ist das erste mal seit Jahrzehnten und ich bin etwas aufgeregt“, sagt Ehrentraud Bayer, leitende Sammlungsdirektorin des Botanischen Gartens. Dort wartet man auf ein kleines Wunder der Natur: Innerhalb der nächsten Wochen packt die größte Blume auf dem Globus im Victoriahaus ihr Festtagsgewand aus und hüllt sich in ein gewaltiges lila Kleid. Eine botanische Seltenheit. Denn: Nur etwa alle zehn Jahre zeigt sich die Riesenpflanze Amorphophallus titanum von ihrer festlichen Seite.

Drei Meter hoch, bis zu 100 Kilo schwer

Die Blume, die auf Deutsch Titanenwurz heißt, wächst und wächst stetig – bis sie blüht. Sie kann bis zu drei Metern hoch und über 100 Kilogramm schwer werden. Sie entfaltet, wenn sie denn mal blüht, den größten Blumenstand der Welt. Die Knolle des Münchner Titanenwurz hat zurzeit ein Gewicht von etwa 30 Kilogramm und ist einen Meter hoch. Im Botanischen Garten in Bonn wog die Knolle 2006 sogar 117 Kilogramm und brachte drei Blütenstände hervor.

Ihr Duft: Verwesung und Ammoniak

Der Titanenwurz überwältigt nicht nur mit Gewicht und Größe, sondern auch mit seinem Gestank. Der Geruch nach verwesendem Fleisch und Ammoniak beleidigt die menschliche Nase. Insekten lockt der intensive Aasgeruch aber an. So sichert die kuriose Blume ihre Bestäubung. Odoardo Beccari, ein florentinischer Botaniker, entdeckte die Pflanze als Erster 1878 auf der Insel Sumatra in Indonesien. Ihm gelang es sogar Samen nach Europa zu senden – wo diese tatsächlich auskeimten.

Wann sich die Blüte öffnet, wird mit Spannung erwartet

Heute besitzen einige deutsche Gärten einen Titanenwurz. Basel, Bayreuth, Bonn und Frankfurt sind etwa Städte, die die kuriose Pflanze zu ihrer Sammlung zählen. In diesem Monat ist der

Noch unscheinbar: So zeigte sich die Pflanze im Botanischen Garten in Nymphenburg am 13. Mai.

Münchner Garten mit Atem anhalten an der Reihe. Denn: Wann genau die Pflanze ihren großen Auftritt hat, ist ungewiss. „Bei trübem Wetter, wie wir es seit einigen Tagen haben, stagniert das Wachstum“, sagt Ehrentraud Bayer. Deshalb lässt sich schwer abschätzen, wann sich die Blüte öffnen wird. Bayer empfiehlt Pflanzenliebhabern, die das Gewächs aus nächster Nähe bestaunen möchten, sich über das soziale Netzwerk twitter zu informieren. Der botanische Garten zwitschert beinahe täglich Neuigkeiten über seine Pflanze. Schnell muss der Besucher sein. Denn: Nur etwa drei Tage blüht die lila Trompete – danach legt sie ihr Kleid ab und ähnelt einem vertrockneten Salatkopf. Der Titanenwurz ist nicht die einzige kuriose Pflanze, die die Natur hervorgebracht hat.

Die Seychellen-Palme etwa trägt die größten Samen der Welt. Einer kann bis zu 25 Kilogramm wiegen. Das macht diesen bei Seychellen-Reisenden zu einem beliebten Urlaubs-Souvenir. Ein großes Tempo legt der asiatische Riesenbambus vor. Dieser kann buchstäblich beim Wachsen beobachtet werden. Denn: die Pflanze wächst 90 Zentimeter an einem Tag. Ein langes Leben ist der westlichen Grannen-Kiefer in Kalifornien sicher. Diese ist mit mindestens 4 500 Jahren die älteste Einzelpflanze weltweit.

Hannah Kittel

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Pornos im Apotheken-Schaufenster: Das sagt die Besitzerin
Pornos im Apotheken-Schaufenster: Das sagt die Besitzerin
Darum lässt Sport Schuster zwei Gebäude niederreißen
Darum lässt Sport Schuster zwei Gebäude niederreißen
Geheimplan gegen Bettler: Kameras in der Innenstadt
Geheimplan gegen Bettler: Kameras in der Innenstadt

Kommentare