Kleinod in Neuhausen

Traditionskino Maxim wird doch gerettet

Zelluloid ist Geschichte: In dem Raum hinter den künftig verglasten Mauerbögen entsteht ein neuer, dann digitalisierter Kinosaal. Foto: Marcus Schlaf

München - Vier Münchner übernehmen Betrieb, das mittlerweile entkernte Lichtspielhaus wird sogar vergrößert. Am heutigen Mittwoch wird außerdem ein Förderverein gegründet.

Das Drehbuch ist nicht schlecht: Nach 40 Jahren kann ein Kinobetreiber sich die satte Mieterhöhung für das Gebäude nicht mehr leisten, er muss sein kleines Lichtspielhaus schließen. Doch plötzlich fallen ein paar jüngere Filmliebhaber quasi vom Himmel und retten das über hundert Jahre alte Traditionshaus – ein Happy End. Die Geschichte ist Realität, sie spielt in Neuhausen, an der Landshuter Allee 33. Das Kino ist das „Maxim“, mit seinen 104 Jahren das drittälteste Kino Münchens. „Ein Kino mit Seele“, wie Beate Muschler sagt. Zusammen mit ihrem Mann und zwei Freundinnen hat sie den Mini-Filmpalast übernommen.

Seit ein paar Tagen sind nun alle Verträge unterschrieben, und das „Neue Maxim“ wird sogar größer als das alte, erzählt Muschler. „Im Keller werden wir einen zweiten, kleinen Kinosaal einbauen mit 30 Plätzen.“ Dort sollen zum Beispiel Filmreihen und Kinderfilme gezeigt sowie Themenschwerpunkte gesetzt werden: „Wir wollen dem Dokumentarfilm mehr Platz einräumen“, erklärt Muschler. Hollywood-Blockbuster werden im Neuen Maxim eher nicht zu sehen sein. Ein Arthaus-Kino soll es werden, mit anspruchsvollen Filmen, die aber den Geschmack einer breiten Kinogängerschaft treffen sollen.

Bislang hatte das Maxim lediglich einen Saal für bis zu 80 Besucher. Dieser wurde in den vergangenen Tagen komplett herrausgerissen und wird nun mit neuer Bestuhlung und Technik ausgestattet. 80 neue Kinosessel und eine neue Leinwand sind bestellt. Der Vorführtechnik wird in beiden Sälen digitalisiert – die Zeit des Zelluloid ist dann auch im Maxim Geschichte.

Derzeit können Passanten durch Bauzäune und die hohe Mauerbögen in den Rohbau hineinschauen. Das soll auch nach der Grundsanierung der Fall sein. „Die Bögen werden verglast, so dass man von der Straße in den Kinosaal blicken kann“, erklärt Muschler. „Wenn Vorführungen sind, werden die Glasfronten verdunkelt.“ Durch das Tageslicht könne der Raum aber untertags auch für andere Veranstaltungen genutzt werden, zum Beispiel für Lesungen. Im leicht vergrößerten Foyer wird es zudem eine kleine Bistro-Ecke geben – das Neue Maxim soll auch ein Treffpunkt im Stadtteil werden.

Läuft alles nach Plan, wird sich der erste Vorhang am 6. Oktober heben. Bis dahin wartet auf das Quartett aber noch jede Menge Arbeit: „Uns alle vereint die Kinoleidenschaft“, sagt Muschler, ihre Erfahrungen im Kinobetrieb sind aber eher überschaubar. Aus der Branche kommt lediglich die Kino- und Eventmanagerin Anne Harder. Sie ist mit Anfang 30 die jüngste im Quartett und wird auch die Geschäftsführung des Kinos übernehmen. Muschlers Mann Bernd Krause war immerhin vor etlichen Jahren als Student mal in einem Programmkino engagiert. Dazu kommt mit Regine Stoiber eine Architektin.

Am heutigen Mittwoch soll ein Förderverein für Neuhausens einziges Kino gegründet werden. Treffpunkt ist um 19 Uhr direkt auf der Baustelle an der Landshuter Allee 33. Der Verein soll die vier Gesellschafter, die das Projekt privat finanzieren, bei der Sanierung unterstützen, und später helfen – zum Beispiel bei Festivals. Wer heute nicht teilnehmen kann, der kann sich später unter www.neues-maxim.de informieren und Kontakt zu den neuen Hausherren aufnehmen.

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