Model wurde genötigt

Nina Brandhoff: Ihr Leben nach dem Missbrauch

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Nina Brandhoff, mit Fotos vom Anfang ihrer Karriere: Bei solch einem Model-Shooting wurde sie missbraucht.

München - Vor 20 Jahren wurde das Model Nina Brandhoff sexuell genötigt – sie leidet bis heute darunter. In der tz spricht sie über ihr Leben nach dem Missbrauch.

Nein heißt Nein! Künftig sollen Frauen in Deutschland besser vor Sexualstraftätern geschützt werden. Grapschen sowie Antanzen sind strafbar. Und als Vergewaltigung gilt bereits, wenn sich das Opfer mit Worten oder Gesten wehrt. Das alles steht jetzt Schwarz auf Weiß in dem neuen Gesetz, das der Bundestag am Donnerstag verabschiedet hat. Paragraphen auf Papier. Was aber bedeutet das neue Gesetz ganz konkret? Das kann der Fall der Münchner Schauspielerin und Autorin Nina Brandhoff (41) zeigen. Vor 20 Jahren wurde sie sexuell missbraucht. Von einem Fotografen, gegen den nach tz-Informationen bereits einschlägig ermittelt wurde. In der tz erzählt sie ihre bewegende Geschichte. Um anderen Opfern Mut zu machen, laut und deutlich ,Nein!‘ zu sagen.

Die Geschichte von Nina Brandhoff

Es ist das München Ende der 90er-Jahre. Ich besuche die Schauspielschule und werde auf dem Filmfest von einem Fotografen angesprochen, etwa zehn Jahre älter als ich. Ob ich nicht Lust habe, Fotos zu machen, fragt er. Ich vertraue ihm. Modefotos – toll!, denke ich und gehe in sein Studio. Dort wartet aber bereits ein zweites Mädchen, das sich ,oben ohne‘ fotografieren lässt. Der Fotograf überredet auch mich, Bluse und BH auszuziehen. Doch als er uns auffordert, uns zu küssen und er sich selbst befriedigt, renne ich hinaus und fahre heim. Ich versuche, die Sache zu vergessen.

Doch ein Jahr später plagt mich die Vergangenheit. Ich habe meine Schauspielausbildung abgeschlossen und meine erste Rolle in der TV-Serie Tierarzt Dr. Engel ergattert. Jetzt fallen mir die Oben-ohne-Fotos wieder ein. Ich bekomme Angst, dass die Bilder – aus heutiger Sicht sehr harmlos – meiner Karriere schaden könnten. Deshalb rufe ich den Fotografen an und bitte ihn, mir die Negative zu überlassen, Dafür will er einen Haufen Geld, das ich nicht habe. Und ich schäme mich viel zu sehr, als dass ich meine Eltern um Hilfe bitte.

Nina Brandhoff: Fotograf nötigte das Model sexuell

Ich biete ihm schließlich 1000 D-Mark an. Er willigt ein.

Als ich ins Studio komme, will er die Negative nicht mehr rausrücken. Er verlangt, dass wir uns beide nackt ausziehen, ich muss ihn am ganzen Körper mit Creme einreiben und seinen Intimbereich massieren. Aus lauter Angst mache ich, was er will. Angewidert, mit Tränen in den Augen. Ich fühle mich wie eine Nutte, die keine Nutte sein möchte.

Anschließend gibt er mir die Negative. Und ich gehe.

Ich habe mich für die Sache so geschämt, dass ich es nicht geschafft habe, mich zu wehren. Und danach traute ich mich erst recht nicht, jemandem davon zu erzählen. Ich wurde erpresst, sexuell genötigt. Zur Polizei bin ich nicht gegangen. Ich hatte Angst, dass ich für ein Flittchen gehalten werde, für naiv und billig. Denn naiv war ich nun mal. Jahre später habe ich geheiratet und mich nicht mal getraut, es meinem Mann zu sagen – aus lauter Scham.

Erst jetzt, 20 Jahre später, kann ich über den Fall sprechen. Ich habe versucht, den Fotografen zu erreichen. Habe ihm am Telefon gesagt, was er mir angetan hat und dass ich mein Geld wiederhaben möchte. Seine Reaktion: Er könne sich an nichts erinnern. An gar nichts.

Mein Fall ist mittlerweile verjährt. Ich kann strafrechtlich nichts mehr gegen den Mann tun. Was ich aber kann und will: Die Mädchen und Frauen, denen ähnliches passiert ist, zu bitten: Schämt euch nicht! Geht zur Polizei! Denn sonst dürfen solche Typen ungestraft immer weitermachen. Ab sofort ist ein Nein ein Nein – gesprochen, als Geste oder als Träne.

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