Wirtin der Emmeramsmühle († 46) verlor ALS-Kampf

Todkranke Nina: Jetzt ist sie erlöst

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Nina und Karl-Heinz Zacher haben zusammen vier Kinder.

München - Am Ende verlor sie den aussichtslosen Kampf gegen die unheilbare Nervenkrankheit ALS. Nina Zacher, deren Schicksal viele Leute bewegte, ist tot.

Das Foto ist schwarzweiß, Nina Zacher lächelt und zeigt ihre Zähne. Sie wirkt gelöst. Die rechte Hälfte ihres Gesichts ist nicht ganz zu sehen, trotzdem: Ein Schatten scheint über Ninas Auge zu liegen. So hat sich Nina Zacher († 46), Wirtin der Emmeramsmühle, über Monate, Jahre, ihren Followern auf Facebook gezeigt. Eine schöne, lebenslustige Frau, glücklich verheiratet mit vier wunderbaren Kindern. Zum Bild gehört aber auch der Schatten: die unheilbare Nervenkrankheit ALS.

Seit Dienstag steht auf Ninas Internet-Profil ein neues Foto. Wieder schwarzweiß, diesmal aber blickt Nina ernst in die Kamera. Links oben läuft ein Trauerflor. „Die Welt ist vergangenen Samstag ein großes Stück ärmer und kälter geworden, sie ist nicht mehr, wie sie davor noch war.“ Es sind die ersten Zeilen eines bewegenden Abschiedsbriefes. Nina Zacher ist tot.

Ihr Ehemann Karl-Heinz und die vier Kinder Lola, Luke, Lenny und Helena schreiben: „Nina hat ihren bemerkenswerten Kampf gegen die unerbittliche Krankheit ALS verloren. Nina war: ein außergewöhnlicher Mensch, eine fantastische Ehefrau, ehrlich, spontan, lustig, liebenswert, außergewöhnlich, charmant und vieles, vieles mehr. Eine wahre Bereicherung für jeden, der sie kannte.“

Dienstag Nachmittag haben bereits 17.000 Menschen auf Facebook Anteil an der bewegenden Botschaft genommen.

44.000 Follower haben Ninas Kampf, ihren Weg in den Tod verfolgt. 2012 brach die Krankheit aus. Die Münchnerin ging offensiv mit ihr um. Sie brachte ALS als Problem auf ihre Facebook-Seite - und damit in die Köpfe der Menschen. Nina beschrieb ihr Leid, ihre Hoffnungslosigkeit, ihre Schmerzen ebenso wie die raren Glücksmomente. Und die Menschen lasen mit, gefesselt, erschüttert, aber auch inspiriert von Ninas Souveränität. Eine Kämpferin, die trotz Unglück und Ungerechtigkeit weitermachte - und lebte.

Ninas Familie schreibt: „Du hast das geschafft, was sich jeder am Ende seines Weges wünscht: Spuren zu hinterlassen. Deine sind tief, so tief, dass sie auf ewig bleiben.“

Wenige Tage zuvor, am vergangenen Dienstag um 9.28 Uhr, hatte Nina ihre letzte Botschaft verfasst: „Ich lasse mir jetzt Flügel wachsen - und werde ein Engel.“

Der Kampf gegen die Ignoranz

Nina hat ihre Krankheit nie versteckt. Sie dokumentierte sie im Internet, gab TV- und Zeitungs-Interviews. Die Menschen sollten von ALS erfahren! Auch die tz hat mehrfach über Ninas Schicksal berichtet. Auch als ihr Körper schon komplett gelähmt und sie an den Rollstuhl gefesselt war, lauschte sie den Interviews mit ihrem Mann über den Lautsprecher. Wir blicken zurück:

ALS tötet nach und nach Nerven, die Muskeln steuern. Die Krankheit gilt als unheilbar

Im September 2014 veröffentlicht Nina eine Liste mit Dingen, die sie vor ihrem Tod noch gerne tun würde. Einen Monat später schreibt sie: „Ich stell ihn endgültig ein, den aussichtslosen Kampf …“ Aber sie gibt nicht auf: Im Dezember 2015 schreiben sie und ihr Mann sich bewegende Briefe: „Was ich Dir noch sagen wollte …“ Im Februar dann die unmissverständliche Botschaft: „Es ist soweit … Seit drei Wochen kann ich endgültig weder essen noch trinken.“ Nina starb am Samstag.

Tobias Scharnagl

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