Der Mann, der Söder sympathisch macht

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Der Kabarettist Stephan Zinner (r.) doubelt den CSU-Politiker Markus Söder beim Singspiel auf dem Nockherberg.

München - Stephan Zinner ist recht schmerzfrei. Nicht nur, weil er auf dem Nockherberg einen der unbeliebtesten Politiker doubelt – und das so herrlich, dass es für viele der Höhepunkt des Singspiels war.

Sondern auch, weil der „falsche Söder“ am Tag nach dem Starkbieranstich bereits um halb sieben aufgestanden ist. Wa­rum, erzählt der 36-jährige Schauspieler, Kabarettist und Sänger im tz-Interview.

Bilder: Derblecken und Singspiel am Nockherberg

Die Bavaria derbleckt und Doubles parodieren die Polit-Prominenz

Herr Zinner, Glückwunsch zum Nockherberg-Auftritt! Wann kamen Sie ins Bett?

Stephan Zinner: Um zwei Uhr. Das ging eigentlich ganz sachlich zu. Allerdings wurde um halb sieben die Kleine wach. Sie ist knapp zwei Jahre alt …

Lässt Ihre Frau Sie nach so einem Auftritt etwa nicht ausschlafen?

Zinner: Es ging nicht. Sie ist Ärztin und musste raus. Aber das passt schon. Ein bisserl Schädelweh, das ist alles.

Waren Sie mit Söder mal ein Bier trinken?

Zinner: Mei, nur durch den kleinen persönlichen Smalltalk nach dem Singspiel. Privat getroffen habe ich ihn noch nie. Das macht aber nix. Ich bin sowieso ganz anders als er, was die politische Ausrichtung angeht.

Wenn Sie ihn treffen würden, was würden Sie an ihm kritisieren?

Zinner: Ich bin da auch nicht anders als die meisten Bürger: Was uns auf den Senkel geht, ist diese Rumschusterei. Entscheidet euch endlich und setzt was durch!

Wie wichtig ist Politik für Sie?

Zinner: Schon sehr. Als Vater betrifft einen das ja nochmals mehr. Wenn kein Lehrer da ist, ist das ein politisches Thema. Wenn es um die Gesundheit und Umwelt geht, ist das ein politisches Thema. Und Hunderte andere auch.

Was ist das Geheimnis Ihres Söder-Erfolgs?

Zinner: Ich versuche halt nicht, ihn zu kopieren. Ich nehme die Anlässe, die er ­bietet und wie ich sie sehe, und dann überhöht man das. Setzt einfach noch einen drauf, wie halt ein Kabarettist das macht. Und da gibt’s bei Söder viel zu tun. Direkt, wie er ist.

Prominenz beim Derblecken

Prominenz beim Derblecken

Haben Sie Angst, dass Sie nur noch als Söder-Double wahrgenommen werden?

Zinner: Nein. Der Nockherberg ist eine gute Tradition, aber nur ein Mal im Jahr. Da wird im Vorfeld und unmittelbar danach natürlich ein Mords-Ballihoo gemacht, aber das war’s auch. Wenn ich das Gefühl hätte, als „Söder 2“ durch die Gegend zu laufen, dann würde ich die Rolle sein ­lassen. Aber ein Ende ist nicht in Sicht.

Zumal Sie ja nicht immer erkannt werden, wenn Sie Ihr „Naturhaar“ tragen …

Zinner: Stimmt, wenn ich ­also glatzköpfig bin und keine Perücke aufhabe. Als ich bei der technischen Probe zwei Tage vor der Aufführung auf die Toilette musste – ohne Kostüm und Perücke, wollte mich der Ordner nachher nicht mehr auf die Bühne lassen.

Und dann?

Zinner: Ich sagte ihm: „Ich bin der Söder-Darsteller.“ Und er: „Ja, ja, klar. Aber der hat Haare.“ Ein Paulaner-Mitarbeiter erkannte mich und ließ mich rein. Das war allerdings alles sehr humorvoll.

Sie sehen allerdings auch ohne Perücke ganz anders aus. Mit Söder-Perücke wirken Sie wie ein kleiner, trotziger Bub.

Zinner: So was Ähnliches hat unsere Schlagzeugerin auch gesagt. Mit Glatze bin ich ganz okay, aber mit Haaren würd’ sie mich nicht anschauen.

Wie schätzen Sie Söder eigentlich charakterlich ein?

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Zinner: Das weiß ich nicht, weil vieles Show ist. Sobald die Kameras auf ihn gerichtet sind, legt er den Schalter um. Wie ich als Schauspieler auch. Show ist heute in der Politik entscheidend, siehe Guttenberg. Ich glaube, die Leute bekommen das, was sie sich selbst erschaffen, was sie sich selbst wünschen. Irgendwann kommt dann einer, nach dem sie gelechzt haben, der den richtigen Ton trifft. Adenauer hatte das nicht nötig.

Apropos richtiger Ton: Ihr „Sole mio“ haben Sie ganz anständig geschmettert. Woher singen Sie so gut?

Zinner: Mit „geschmettert“ geht es ja schon los: Ich kann nicht leise singen, da merkt man die fehlende Ausbildung, obwohl ich auf der Schauspielschule schon viel gelernt habe, auch sängerisch. Ich bin sowieso ein typischer Bariton: Ich komm nicht g’scheit in die ­Höhe, und ich komm nicht g’scheit runter.

Interview: Matthias Bieber

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