Da, da, da braut sich was zusammen

Nockherberg-Ensemble bereit für das Singspiel

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Salvator-Anstich am Nockherberg: Das Singspiel ist immer ein Highlight.

München - Es ist neben der Rede von Luise Kinseher als Bavaria DAS Highlight: das Singspiel am Nockherberg. Das Ensemble steht bereits in den Startlöchern. Das erwartet Sie.

Singspiel.

Um Angela Merkel herum wütet seit Monaten ein Sturm. Sie wird kritisiert, beschimpft, verachtet. Von (ehemaligen) Wählern und von „besorgten Bürgern“. Manche sehen in ihr die Totengräberin Deutschlands und fordern ihren Rücktritt. Auch Politiker liegen mit der Kanzlerin über Kreuz, einige fordern eine Kehrtwende in der Flüchtlingspolitik. Aus der eigenen Partei pfeift Merkel ein eisiger Wind entgegen. Seit ihrem warmen „Wir schaffen das“ steht Merkel inmitten eines heulenden „Shit-Storm“ (So nennt man wüste Beschimpfungen im Internet). Und Horst Seehofer steht mit dem Laubbläser daneben...

Das Verhältnis zwischen Seehofer und Merkel – auch auf dem Nockherberg am Mittwoch (ab 18.30 Uhr im BR) wird das ein großes Thema sein. Antonia von Romatowski, auch heuer wieder Merkel-Double, wird ein eigenes Lied trällern. Eye of the tiger vielleicht – die Hymne aller einsamen Kämpfer? Nein, die wenigen Töne, die aus den Proben zu hören waren, deuten eher auf einen Deutschen Klassiker hin. Einen aus der Neue Deutschen Welle: Da, da, da, du liebst mich nicht, ich lieb dich nicht...

Am Mittwoch wird auf dem Nockherberg wieder derbleckt

Zuneigung, Abneigung, Freunde, Feinde, Parteifreunde – bei aller Professionalität dreht sich Politik seit jeher auch um die menschlichen Themen und Tragödien. Der Nockherberg bietet dafür die perfekte Bühne: Tätschelt Seehofer (Christoph Zrenner) seinem vermeintlichen Kronprinzen Markus Söder (Stephan Zinner) heuer versöhnlich die Schulter? Oder setzt es eine saubere Bockfotzn? Wie steht es eigentlich um die Nachfolge Seehofers? Wer macht das Rennen: Söder – oder Ilse Aigner (Angela Ascher)? Oder gar Joachim Hermann (Michael Vogtmann)? Wie steht die SPD um Sigmar Gabriel (Thomas Wenke) zu Merkel? Redet überhaupt noch jemand mit der Kanzlerin? Und was hat OB Dieter Reiter (Gerhard Wittmann) mit all dem zu tun?

All diese Fragen werden bis zum Mittwoch ein Geheimnis bleiben. Erst wenn der Starkbierprobe um 19 Uhr mit der Rede von der Bavaria (Luise Kinseher) Uhr beginnt, wird sich zeigen, wer in diesem Jahr sauber abgewatscht und wer mit Samthandschuhen angefasst wird. Die Kunst dabei ist es, den dass die Verantwortlichen den richtigen Ton in einer doch sehr aufgeheizten Stimmungslage treffen. Gerd Baumann jedenfalls, der wieder für die Musik und Texte im Singspiel mitverantwortlich ist, sagt: „In der heutigen Zeit ist es besonders schwer!“

Das ganze Singspiel sei immer sehr humoristisch gewesen, sagt der Musiker. „Außenrum aber ist die Welt doch recht unhumoristisch.“ Regisseur Marcus H. Rosenmüller hat versprochen, dass sein Singspiel dieses Jahr vor Kontroversen sorgen wird. Für den einen oder anderen könnte es also ungemütlich werden. Da, da, da sind wir mal sehr gespannt.

Süßmeier derbleckt im Augustiner

Genau 163 Zentimeter misst Richard Süßmeier (85). Nein, hochgewachsen kann man das nicht nennen. Dafür hat der Wirte-Napoleon aber zur Entschädigung ein großes Mundwerk, wie er selber sagt. Gestern Abend konnte er das wieder beweisen – beim Starkbieranstich im Augustiner Keller.

Richard Süssmeier als Bedienumg Maria beim Starkbieranstich im Augustiner Keller.

Süßmeiers Auftritt als Bedienung gehört schon längst zu den Höhepunkten in der Fastenzeit. Diesmal derbleckte der 85-Jährige übrigens nicht als Maria, sondern als deren „jüngere Schwester“. „Weil die Maria schlecht drauf ist.“ Und die stark gepuderte Dame knüpfte sich in ihrer Rede gleich mal die Münchner Gastronomie vor – besonders auf dem Oktoberfest: „Überall gibt’s immer mehr Angebote für Veganer und Vegetarier – der Wahnsinn“, frotzelte Süßmeier. „In ein paar Jahren wird die Mutter im Wiesnzelt sitzen, auf den Nachbartisch zeigen und zu ihren Kindern sagen: ‚Schaut’s, wie die da ihre Gesundheit ruinieren: Die essen Schweinswürschte!“ Auch der ganze Bio-Irrsinn schieße schon längst übers Ziel hinaus. „Den Ochs am Spieß kannst du auf der Wiesn auch bald nur noch verkaufen, wenn das Viech sein Leben lang vierblättrige Bio-Kleeblätter zum Fressen bekommen hat.“

Auch einen Seitenhieb auf den Oberbürgermeister und seinen Vorgänger konnte sich die Bedienung beim Thema Wiesn nicht verkneifen: „Früher gab es noch so Stadt-Chefs wie den Wimmer Thomas. Der Dammerl hat noch beim Anstich Geschichten und Witze erzählt, alle Anwesenden unterhalten und auch noch Gstanzl gesungen“, schwärmte die Bedienung. Heute würden die Nachfolger nur noch warten, bis sie dran sind. Dann ihre Anzapf-Arbeit erledigen und das war’s. Das sei doch einfach „fad“.

Der Starkbieranstich im Augustiner Keller – er hat schon immer etwas Heimeliges. Hier wird keine Politprominenz eingeladen – sondern im Vordergrund stehen die Stammgäste. Man ist sozusagen unter sich. Und im Publikum sitzen eben auch viele Gastronomen. Denen teilte Marias jüngere Schwester noch mit, wie sie sich oft über die Suche nach neuen, „ganz orginellen“ Namen für Lokale amüsiere: „Da gibt’s ja jetzt sogar den Hans im Glück – stellt sich die Frage: Ist der Glückliche jetzt der Wirt oder der Gast“, so Süßmeier über die Burger-Kette. Und zu den Burgern, die es dort zu Essen gebe, meinte die freche Bedienung nur: „Da dazu ham wir früher halt einfach Fleischpflanzerl-Semmeln gesagt.“

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Tobias Scharnagl

Tobias Scharnagl

E-Mail:Tobias.Scharnagl@tz.de

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