Unfassbares beim Starkbier-Anstich am Mittwoch

tz exklusiv: Auf dem Nockherberg gibt's heuer drei Seehofer

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Der Ministerpräsident und sein Double: Horst Seehofer (rechts) und Schauspieler Christoph Zrenner.

München - Mit Spannung wird der Starkbier-Anstich am Nockherberg mit der Predigt von Bavaria und dem Singspiel erwartet. Die tz verrät exklusiv: Horst Seehofer gibt es heuer in drei Ausführungen!

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Wenn es darum geht, Horst Seehofer zu erklären, sind viele blitzgescheite Leute gescheitert. „Wendehorst“, „Drehofer“ – die Richtungswechsel des Ministerpräsidenten sind legendär. Jetzt soll’s eine andere Legende richten. Seehofer kommt auf die Couch – und zwar beim größten aller Seelenklempner: Sigmund Freud! Der hat die Psyche des Menschen in drei Teile zerlegt: Ich, Über-Ich und Es. Darum heißt es am Mittwoch auf dem Nockherberg (ab 18.30 Uhr/ BR): Horst, Über-Ich-Hofer und Es-Hofer.

Seehofer als schwarze Sonne, um die sich im Singspiel alles dreht – so viel haben die Nockherberg-Macher verraten. Christoph Zrenner doubelt wie gewohnt den Ministerpräsidenten. Diesmal aber hat er zwei Mitstreiter: Paul Kaiser als Über-Ich-Hofer und Maxi Schafroth als Es-Hofer. Ein Horst kommt eben selten allein. „Meine Figur hat sich vervielfältigt, sozusagen erweitert“, erklärt Zrenner gegenüber der tz. „Und die beiden Helferlein nehmen ihm Aufgaben ab, verkörpern aber auch Sorgen.“ Wer soll da den Überblick behalten? „Es herrscht ein angenehmes Chaos in der Gedankenwelt.“ König Horst wird zur Heiligen Dreifaltigkeit, verändert sich seine Rolle? Zrenner: „Nein, es bleibt derselbe Seehofer wie im letzten Jahr.“ Maxi Schafroth wird das „Es“, also die Emotion spielen. Wie lang es gedauert hat, Seehofers Gestus zu übernehmen? „Marcus Rosenmüller hat das abstrakt inszeniert“, so Schafroth. „Ich verkörpere zwar seine Gefühlsebene, aber ich bin kein Double.“ Und was treibt der Über-Ich-Hofer, Herr Kaiser? „Ich spiele die Vernunft!“ Er berät Seehofer: „Unbedingt die Ratio bei jeder Inbetriebnahme des Hirns anschalten!“ Übersetzt heißt das: Erst denken, dann reden!

Man muss sich Horst Seehofer also als glücklichen Mann vorstellen: Allein ist er nie. Ein Teufelchen auf der linken, ein Engelchen auf der rechten Schulter. Wer am Ende mehr Einfluss hat? „Die Ratio, also die Vernunft“, sagt Schafroth. „Schließlich ist die Figur Horst Seehofer auch auf der Bühne Politiker.“ Also Profi. Schafroth: „Wäre er Sozialpädagoge, würde ich als Emotion eine größere Rolle spielen.“ Sozialpädagogen, Psychoanalytiker, Schauspieler, Regisseure, Musiker: Um Seehofer zu erklären, reicht einer allein nicht.

Paul Kaiser.

Über-Ich: Paul Kaiser ist Schweizer und 1,80 Meter groß. Für gewöhnlich spielt er Figuren im Alter von 44 bis 54 Jahren. Horst Seehofer ist Bayer, misst 1,93 Meter – im Juli wird er 67 Jahre alt. Äußerlich passen Double und Original nicht zusammen – Kaiser spielt trotzdem den Seehofer. Einen Seehofer. Und zwar den Über-Ich-Hofer. Kaiser steht heuer zum ersten Mal auf der Nockherberg-Bühne. Er ist Theater-Schauspieler, wirkte aber auch in zahlreichen Fernsehproduktionen mit: Er war im Tatort zu sehen, im Polizeiruf oder in Kommissarin Lucas. Im vergangenen Jahr spielte er im Kinofilm Abschlussfahrt mit.

Ich: Christoph Zrenner ist ein Münchner Kindl. In zahlreichen Krimireihen wie SOKO 5113 oder Alarm für Cobra 11 spielte er Haupt- und Nebenrollen. Auch in Comedyserien wie Nikola oder Pastewka übernahm Zrenner kleinere Rollen. Wie auch im Theater. Beim traditionellen Singspiel auf dem Nockherberg übernahm er in den Jahren 2006 bis 2009 – 2008 kam Seehofer allerdings nicht vor im Singspiel – sowie 2014 und 2015 die Rolle von Horst Seehofer. Kult-Status erreichte Zrenner durch Werbespots der Sparkasse: Hier verkörpert er den kriecherischen Bankangestellten Lohmann („Kuchen!“).

Maxi Schafroth.

Es: Maxi Schafroth, 1985 im Allgäu geboren, ist ein alter Bekannter – es ist bereits sein dritter Nockherberg. 2014 war er als Regisseur am Singspiel „Faust“ beteiligt, im Vorjahr hatte er einen kurzen Auftritt als Pop-Diva Conchita Wurst. 2007 bis 2009 spielte Schafroth im Jugend-Ensemble der Münchner Kammerspiele, sein Kinodebüt gab er in der Filmkomödie Sommer der Gaukler eines weiteren alten Bekannten: Marcus H. Rosenmüller, der auch in diesem Jahr wieder als Nockherberg-Regisseur auftritt. Im Münchner Tatort war Schafroth schon als Assistent der Kommissare Batic und Leitmayr zu sehen.

T. Scharnagl, S. Dorner

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