Fastenprediger in Hochform

Glänzende Stimmung bei Löwenbräu: Springer legt die Messlatte hoch

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Kabarettist Christian Springer eröffnete gestern die Münchner Starkbierzeit.

München - Sechs Tage vor dem Starkbier-Anstich am Nockherberg war es am Donnerstag im Löwenbräukeller so weit. Kabarettist Christian Springer lief zu Hochform auf.

Der Löwenbräukeller ist seine Bühne - und auf der lief Fastenprediger Christian Springer gestern wieder zur Hochform auf: Zum Triumphator-Anstich legte der 51-jährige Kabarettist den Finger in die Wunden der Politiker und auch in die der Gesellschaft. Er tat es mit scharfer Zunge, aber ohne Schaum vorm Mund. Eine Fastenrede ganz auf den springernden Punkt gebracht!

Natürlich braucht es bei einem Starkbierfest ein paar echte gute Lacher. Sprüche, die dem Stammtisch gefallen. Die liefert Springer auch. Er macht sich lustig über die Veganer, die 1516, dem Geburtsjahr des Bayerischen Reinheitsgebots, noch auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden wären. Über den Verkehrs-Irrsinn der Grünen, die für die Radler sogar Fußgänger aus der Innenstadt verbannen wollen.

Doch schnell wird Springer, einer der hellsten Köpfe unter den bayerischen Kabarettisten, bierernst. Er hält den Politikern egal, welcher Couleur, egal ob in Rathaus oder Landtag, den Spiegel vor. Und die Wahrheit ist in aufgeregten Zeiten wie diesen manchmal ziemlich bitter.

Springer: Seehofer ist nur aus Mitleid zu Putin gefahren

Bernhard Klier (Löwenbräu, v.l.), US-Generalkonsulin Jennifer  Gavito und Löwenbräukeller-Wirt Christian Schottenhamel - Starkbieranstich.

Dem Münchner OB Dieter Reiter (SPD) und Bürgermeister Josef Schmid (CSU) schmettert er entgegen, dass sie – anstatt sich um die wirklich wichtigen Dinge zu kümmern – zu ihrer Hauptaufgabe ausgerufen haben: „Wer kriegt welchen Referentenposten?“ Die Meier geschasst wegen einer Million Euro? „Wenn in der Staatsregierung immer dann jemand gehen müsste, wenn er sich um ein Tausendstel verrechnet hätte? Da wär die Staatskanzlei leer!“ Staatskanzlei. Seehofer. Putin. „Wahrscheinlich ist er zu dem rüber gefahren aus Mitleid“, grummelt Springer. Weil es einsam geworden ist um den Russen. „Bei Putins Bomben auf Aleppo, da fordert der Seehofer allerdings keine Obergrenzen!“ Springer, engagierter Flüchtlingshelfer in Syrien, ist bei seinem Herzensthema angekommen. „Ehe man fordert, auf Flüchtlinge zu schießen, da würden mir davor einige andere einfallen“, poltert er böse.

Er erinnert die Bayern an ihre eigene Geschichte, ein Vielvölkervolk. Sogar der Valentin müsste dann ein Ausländer sein. Vater Hesse, Mutter Sächsin. „Fremd ist der Fremde nur in der Fremde“, schließt Springer mit einem Valentin-Zitat. Die Messlatte liegt hoch für die Bavaria (Luise Kinseher) am kommenden Mittwoch am Nockherberg.

Stefan Dorner, Sebastian Arbinger

Stefan Dorner

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Sebastian Arbinger

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