heuer mit noch mehr Zuschauern

Nockherberg: Prost auf die Traumquote!

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Die Ilse-­Aigner Nummer im Singspiel.

München - Das ist ein Gipfel­erlebnis für die Mannschaft vom Nockherberg: 9,8 Prozent der deutschen Fernsehzuschauer – also jeder Zehnte – sahen am Mittwochabend die Übertragung vom Salvator-Anstich. Rekord!

Innerhalb Bayerns war’s noch beeindruckender. Da verbuchte das Bayerische Fernsehen einen Marktanteil von 43,1 Prozent – mehr als etwa die gleichzeitige Fußball-Champions-League. Andreas Bönte, kommissarischer BR-Fernsehdirektor, sprach von einem Polit-Satire-Abend auf höchstem Niveau: „Zurecht haben die Zuschauer aller Altersgruppen das Spektakel wieder mit einer hervorragenden Quote honoriert.“

Paulaner-Chef Andreas Steinfatt schwärmt: „Luise Kinseher sowie das Team um Marcus H. Rosenmüller und Thomas Lienenlüke haben Großes geleistet. Ich hoffe sehr, dass wir im kommenden Jahr genau in dieser Besetzung weitermachen. Alle haben wieder genau den richtigen Ton getroffen.“

Ein Blick in Seehofers Hirn: Das Nockherberg-Singspiel in Bildern

Und da sind wir schon beim Thema: Richtigere Töne kann man gar nicht treffen als Gerd Baumann und Sebastian Horn im Singspiel. Das ist atemberaubend stimmig und griffig, da sitzt jede Klang-Nuance, das ist eine ganz eigene Kunstform. Donnerstag erreichten wir Komponist Baumann (48) am Telefon und schwärmten dem Feiergeschädigten die Ohren voll. Wie er das noch toppen will im Jahr 2017 – er und seine Mitstreiter?

„Gute Frage, nächste Frage“, grinst Baumann. „Das läuft ja nicht planmäßig, sondern entsteht im Zusammenhang mit der Thematik. Ich steuere Lieder bei, die in die Handlung eingebaut sind. Also keine Nummernrevue, wo die Schauspieler auf- und abtreten und dazwischen irgendein Lied singen, sondern Songs und Texte mit dramaturgischer Fallhöhe.“

Wie hoch dann der Musik-Anteil ist? „Egal. Es geht darum, eine Geschichte zu erzählen.“

Am Schluss kombiniert Baumann die Europahymne – Beethovens Neunte als Utopie der Verbrüderung aller Menschen – mit Bla bla bla (nach Trio) und Vorsicht vor Gemütlichkeit. Das ist herrlich, das ist zynisch, das ist treffend. „Ich hatte Bedenken, ob sich das auch erschließt oder nur eine akustische Kakophonie ergibt“, so Baumann. „Aber ich glaube, dass die Botschaft spätestens am nächsten Tag ankommt.“ Apropos nächster Tag: Um 14 Uhr musste Donnerstag die Bühne schon wieder abgebaut sein. Es ist an der Zeit, dass das Stück länger läuft. Vielleicht an den Kammerspielen? Baumann fände es gut: „Ich hab da noch nie drüber nachgedacht, aber ich wäre der Letzte, der das nicht wollte.“ Wichtig ist nur, dass das Kreativteam beisammenbleibt. „In ein paar Wochen treffen wir uns, und dann geht es weiter“, sagt Baumann. Solange Rosenmüller, Lienenlüke und Baumann das Starkbier-Triumvirat bilden, dürften die Politiker weiter schäumen. Und wir dürfen staunen.

Quoten seit dem Jahr 2000 (in Mio. Zuschauer)

Jahr

Deutschland

Bayern

2000

2,47 (8,2 %)

1,78 (41,4 %)

2001

2,72 (8,7 %)

1,86 (34,3 %)

2002

2,51 (9,7 %)

1,89 (40,2 %)

2003

Absage wegen Irakkrieg

2004

2,82 (8,4 %)

1,93 (40,6 %)

2005

3,00 (8,8 %)

1,97 (39,3 %)

2006

2,90 (8,6 %)

1,89 (39,5 %)

2007

2,93 (8,8 %)

1,91 (39,5 %)

2008

2,63 (7,9 %)

1,57 (33,0 %)

2009*

2,00 (7,4 %)

1,40 (35,5 %)

2010

2,68 (8,8 %)

1,80 (38,5 %)

2011

2,36 (7,8 %)

1,60 (36,2 %)

2012

2,78 (9,2 %)

1,48 (41,1 %)

2013

2,45 (8,4 %)

1,63 (35,6 %)

2014

2,77 (9,2 %)

1,95 (40,8 %)

2015

2,80 (9,7 %)

2,05 (43,2 %)

2016

2,82 (9,8 %)

1,95 (43,1 %)

U. Heichele. M. Bieber

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