Es geht um die Tatwaffe

NSU-Prozess: Zwei Angeklagte geraten erneut aneinander

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Im Oberlandesgericht München findet der NSU-Prozess statt.

München - Stundenlang vernimmt im NSU-Prozess Ralf Wohllebens Verteidiger einen Zeugen - mit dem Ziel, Aussagen des mitangeklagten Carsten S. infrage zu stellen. Denn der hat Wohlleben schwer belastet.

Ein früheres Mitglied der rechtsradikalen Szene Jenas vom Ende der 1990er Jahre hat am Donnerstag als Zeuge im NSU-Prozess ausgesagt. Persönlich gekannt habe er die beiden mitangeklagten mutmaßlichen Waffenbeschaffer Ralf Wohlleben und Carsten S., sagte er. Die späteren mutmaßlichen Terroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“, Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe, habe er dagegen nicht kennengelernt.

Wohlleben und Carsten S. sind beide wegen Beihilfe zum Mord angeklagt, weil sie die Pistole vom Typ „Ceska“ beschafft haben sollen. S. hatte ausgesagt, er habe den Auftrag und das Geld für den Kauf der Waffe von Wohlleben erhalten. Wohlleben bestreitet das.

Zeuge will sich an nichts erinnern

Fragen an den Zeugen hatte vor allem Wohlleben-Verteidiger Olaf Klemke. Dabei zitierte Klemke wiederholt aus Protokollen zweier Polizeivernehmungen mit dem Zeugen, in denen es etwa um Wohllebens Beteiligung an einer Schlägerei ging. Der Zeuge beteuerte mehrfach, sich daran nicht zu erinnern. Er wisse nicht einmal mehr, ob die Polizei ihn ein- oder zweimal vernommen habe.

Auch Carsten S. ergriff in der Vernehmung das Wort und begrüßte den Zeugen mit „Hallo“. „Kannst Du Dich an eine Dorfschlägerei erinnern auf einer Kirmes?“ Auch darauf antwortete der Zeuge mit „Nein“. Gut erinnere er sich dagegen an die Zeit seines Ausstiegs aus der rechtsextremen Szene nach dem Jahr 2000. In dieser Zeit habe er auch den Kontakt zu S. intensiviert, der sich gleichzeitig von der Szene gelöst habe. Wohlleben sei er später nur noch einmal begegnet, als er mit seiner Band auf einer Veranstaltung „gegen rechts“ gespielt habe.

Zeuge: Habe "Schmiere gestanden"

Der Zeuge sagte, er wisse noch, dass das Abtauchen von Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe im Jahr 1998 Gesprächsthema in der Szene gewesen sei. Dass er kurz danach „Schmiere gestanden“ habe, als Carsten S. in Zschäpes Wohnung einbrach, um persönliche Sachen für sie zu holen, wisse er nicht mehr. Auch an eine Schlägerei an einer Straßenbahnhaltestelle, an der er wie auch Carsten S. und Wohlleben beteiligt gewesen sein sollen, erinnere er sich nicht.

Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe waren 1998 untergetaucht. In den Jahren danach sollen Mundlos und Böhnhardt aus überwiegend rassistischen Motiven zehn Menschen ermordet und zwei Sprengstoffanschläge verübt haben. Zschäpe ist als einzige Überlebende des „NSU-Trios“ für diese Verbrechen angeklagt.

dpa

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