Aus der Bürgerversammlung

Giesinger Berg: Warten auf die Brücke für Radler und Fußgänger

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München - Die Vision für eine Fuß- und Radwegbrücke am Giesinger Berg gibt es schon lange. Bürger und Verbände fordern den Steg am Isarhochufer, auch der Stadtrat ist dafür. Doch die Umsetzung lässt auf sich warten. Alles hängt von einer Priorierungsliste ab. Am Mittwoch kommt das Thema im Rathaus zur Sprache.

Nicht nur die Obergiesinger forderten bei ihrer Bürgerversammlung zum wiederholten Male: Die Brücke soll baldmöglichst kommen. Auch der Stadtrat hatte das Vorhaben schon vor einigen Jahren in eine Liste wünschenswerter Rad- und Fußgängerbrücken aufgenommen. Erste Pläne gingen von einer Kostenschätzung zwischen 1,2 und 1,4 Millionen Euro aus. Es gibt einen Entwurf des Münchner Architekturbüros Karl + Probst. Ergebnis der Studie: Die Brücke sei realisierbar, auch barrierefrei.

Der überwiegende Teil der Brücke verläuft abseits der Straßen.

Aber noch immer ist unklar, welchen Priosierungsgrad der Giesinger Berg für die Stadt hat. Im Vordergrund der Beurteilung, so das Planungsreferat, stehe die Wichtigkeit beziehungsweise Notwendigkeit von Lückenschlüssen im Fuß- und Radwegenetz. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) hält den Giesinger Berg in dieser Hinsicht für enorm wichtig. Dort sei die einzige ernsthafte Unterbrechung der sonst hervorragenden Fuß- und Radverkehrsverbindung zwischen der südlichen Stadtgrenze und dem Gasteig zu beklagen. Bei der Heilig-Kreuz-Kirche stehe man an einem Abgrund. Die derzeitige Unterführung unter der Ichostraße zur Überwindung dieses Verkehrsbrennpunkts für nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer ähnele einem Schildbürgerstreich, kritisiert der ADFC.

Mittlerweile hat der Fahrradclub zusammen mit dem Münchner-Forum, dem Initiator des Brücken-Projektes Matthias Rajmann, den Verbänden Green City und VCD sowie dem Bezirksausschuss Au-Haidhausen die „Brücken-Allianz Giesinger Berg“ gegründet. Das Bündnis kritisiert, das Projekt erhalte von der Münchner Politik und der Verwaltung nicht die Akzeptanz, die es verdiene.

Der Blick auf den Giesinger Berg hinauf.

Am morgigen Mittwoch werden sich die Rathaus-Politiker im Planungsausschuss mit dem Thema auseinandersetzen. Im Stadtrat soll im ersten Quartal 2016 ein Priorisierungsbeschluss für neue Brücken, Unterführungen und Querungshilfen im gesamten Stadtgebiet gefasst werden. Dazu zählen zum Beispiel der Klenzesteg oder Brücken im neuen Baugebiet Paul-Gerhardt-Allee in Pasing. Vom Planungsreferat heißt es, sowohl die große Anzahl an zu untersuchenden Bauwerken – etwa 120 – als auch die Komplexität des Priorisierungsverfahrens auf Basis verkehrsplanerischer Belange erfordere zeitintensive Abstimmungen mit den zuständigen Fachreferaten. Eine Herauslösung der Brücke am Giesinger Berg hätte dem Ziel eines stadtweit einheitlichen Bewertungssystems widersprochen. Daher habe die Empfehlung aus der Bürgerversammlung „leider nicht zeitnah bearbeitet werden können“, schreibt die Verwaltung.

Demzufolge ist auch nicht absehbar, wann die Brücke realisiert wird. Erstmals wurde die Idee eines Stegs am Giesinger Berg bereits im Jahr 2002 publik. Die Grünen forden den Bau schon lange, sie wollen das Projekt eigenständig, also losgelöst von der Priorierungsliste, sehen. Es sei von großer Bedeutung für den Fuß- und Radverkehr – auch in seiner Funktion als Verbindung zur kommenden Wohnbebauung am Paulaner-Gelände in der Welfenstraße. Auch aus der Rathaus-SPD war am Montag zu hören, man stehe hinter diesem Projekt. Allerdings: „Man muss schon erst mit dieser Untersuchung den Nutzen aller möglichen Brücken im Stadtgebiet nebeneinander stellen.“

Klaus Vick

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