"Wenn mir etwas passiert, dann sucht nach ..."

Mordopfer Jeannie L. verteilte vor dem Tod noch Zettel

München - Die 45-jährige Jeannie L. ist in Obergiesing erstochen worden. Die Fahndung nach dem Täter lief bis in die Nacht. Das Opfer hatte eine schlimme Befürchtung.

+++ Update vom Mittwoch: Die Polizei hat am Tag nach der Bluttat in Giesing in einer Pressekonferenz weitere Details zum mutmaßlichen Täter bekanntgegeben

In den Tagen vor ihrem Tod verteilte Jeannie L. (45) in der Nachbarschaft noch Zettel. Darauf stand sinngemäß: „Wenn mir etwas passiert, dann sucht nach ...“. Es folgte der Name ihres Ex-Freundes. Eines Mannes, vor dem die zierliche Asiatin zuletzt offensichtlich Todesangst hatte. Am Dienstag um 15.35 Uhr wurden Jeannies schlimmste Albträume Wahrheit. Um diese Zeit hörten die Anwohner der Bayrischzeller Straße in Obergiesing gellende Schreie einer Frau. Alle stürzten aus ihren Wohnungen. Im Flur des Hauses 5 fanden sie Jeannie: Blutüberströmt lag sie auf dem Boden, schwerst verletzt von tiefen Messerstichen. Jemand rief den Notarzt. Ein Nachbar begann sofort mit der Reanimation, rief verzweifelt: „Bleib wach! Bleib wach!“ Doch die Verletzungen waren zu schwer. Auch der Notarzt konnte Jeannie L. nicht mehr retten. Sie starb noch am Tatort.

Ein Polizeihund verfolgt die Spur des Mörders.

Jeder in der Nachbarschaft kannte und mochte die immer freundliche Büroangestellte Jeannie mit den rotbraunen kurzen Haaren und der Brille. Und viele wussten, dass die aus dem Norden Deutschlands stammende Frau mit thailändischen Wurzeln große Sorgen hatte. Und Angst. Ihr deutscher Ex-Freund akzeptierte offenbar die Trennung nicht. Er lauerte ihr ständig auf, betrieb Telefonterror, zerstach die Fahrradreifen, schickte ihr unheimliche Pakete und verklebte ihr Türschloss im ersten Stock mit Sekundenkleber. Zuletzt wehrte sich die 45-Jährige gerichtlich. In Kürze sollte eine Verhandlung stattfinden. Alle Nachbarn hatte Jeannie L. gebeten, sie zu warnen, falls der Mann auftauchen sollte. Am Dienstag jedoch war keiner da, als der Mörder vorm Haus lauerte. Im Flur holte er sie ein – und stach sie erbarmungslos nieder.

Die Fahndung nach dem Mörder lief bis spät in die Nacht. Ein Polizeihund verfolgte eine Spur bis zum U-Bahnhof Untersbergstraße. Überwachungs-Kameras in der U-Bahn und Handydaten wurden ausgewertet. Heute wird die Mordkommission weitere Details bekannt geben.

Florian Fussek, Dorita Plange

Rubriklistenbild: © Fussek

Dorita Plange

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E-Mail:Dorita.Plange@tz.de

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