Mini-Brauereien liegen im Trend

So läuft Münchens kleine Bier-Revolution

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Rund 2000 Besucher machten sich am Samstatg mit Münchens alternativer Bierszene bekannt.

München - Münchner Bier – das ist nicht nur Augustiner, Paulaner oder Hacker-Pschorr. Bei der „Langen Nacht der Brauereien“ auf dem Gelände des Giesinger Bräu haben sich am Samstag 17 alternative Bierhersteller aus München von ihrer erfrischendsten Seite gezeigt.

17 Uhr, die Sonne brennt hernieder, die Zapfhähne stehen nicht mehr still. Gut 2000 Menschen wollen ihren Durst mit den Kreationen junger, origineller Brauer löschen. Auf den Bannern an den Ständen stehen Namen wie „Hopster“, „Zombräu“ oder „Braukatz“. Am Stand von „Tilmans Biere“ hängt sogar – ganz unprätentiös – nur ein handbeschriebenes Schild aus Pappkarton. Frischer, unverbrauchter Unternehmergeist liegt in der Luft. Auch die Besucher: Jung und neugierig, von grantelnden Bierdimpfeln keine Spur. Bier geht eben auch anders, wie die Lange Nacht der Brauereien beweist. Hier trifft sich Münchens alternative Brauerszene.

„Seit einigen Jahren gibt es einen regelrechten Boom an kleineren Brauereien“, sagt Simon Rossmann von Giesinger Bräu. Dass diese immer beliebter werden, erklärt er sich vor allem durch Veränderungen im Konsumverhalten der Münchner. „Die Leute haben ein ganz neues Bewusstsein für diese Dinge entwickelt“, so Rossmann. „Sie haben das Bedürfnis, sich mit den Produkten identifizieren zu können.“ Die Menschen wollten wieder wissen, wer hinter dem Bier stecke, das sie trinken. „Wer braut es, wer ist verantwortlich?“ Ein bisschen sei das wie früher, als die Großeltern den Metzger um die Ecke noch persönlich kannten. Direkter eben. Menschlicher. Eine Erfahrung, die einem bei den industriellen Bierherstellern verwehrt bleibt. „Man möchte sich mit den Machern unterhalten können“, sagt Rossmann. Auf der Langen Nacht der Brauereien gibt es dazu jede Menge Gelegenheit.

Denn gerade für Jungbrauer wie Simon Klur ist es wichtig, dass die Kunden mit dem Bier auch ein Gesicht verbinden können. Mit dem „Isarkindl“ ist der 26-Jährige seit gerade mal zweieinhalb Monaten auf dem Markt.

Die jungen Wilden: Munich Brew Mafia (links) und Isarkindl (rechts) sind ganz neu auf dem Markt.

„Wir sind nur vier Leute“, verrät Klur. „Zwei Brauer, ein Wirtschaftswissenschaftler und eine Designerin.“ Begonnen habe alles mit einem Innovationswettbewerb für Getränke und Lebensmittel an der TU vor eineinhalb Jahren. Klur und seine Mitstreiter nahmen in der Bier-Kategorie teil, kamen sogar ins Finale. „Als wir gemerkt haben, dass unser Name und das Design gut ankommen, haben wir beschlossen weiterzumachen – egal wie der Wettbewerb ausgeht.“

Als nächstes stellte das Isarkindl-Team sein Bier verschiedenen Getränkemärkten umsonst zur Verfügung. Mit Fragebögen dazu, um herauszufinden, wie die Eigenkreation den Leuten mundet. „Wir haben nur gute Resonanzen bekommen. Das war auch der Grund, warum wir gesagt haben: Jetzt probieren wir’s mal.“

Jetzt gibt es von Isarkindl nicht nur ein Helles, sondern auch das „Schmankerl“, eine Art Märzenbier. „Daran haben wir richtig lange gearbeitet – bis es genau so war, wie wir es haben wollten.“ Für Münchens Jungbrauer ist Bier eben eine Herzensangelegenheit.

Das betont auch Simon Rossmann von Giesinger Bräu: „Hier gibt es keine Konkurrenzgedanken oder Geldgier.“ Wichtig sei nur, dass man gemeinam ein gutes Bier mache. So könne man sich zum Beispiel problemlos an andere Kollegen wenden, wenn einem mal der Hopfen ausgehe. In der Brauerszene herrsche ein familiäres Klima.

Prosit! Für Simon Rossmann von Giesinger Bräu ist das Brauen eine Herzensangelegenheit.

Auch mit den großen Brauereien will Rossmann sich nicht anlegen. Er glaubt an friedliche Koexistenz. „Wir sehen uns nicht als Konkurrenten, sondern als Bereicherung.“ Aktuell habe Giesinger Bräu einen Marktanteil von 0,7 Prozent in München. „Das große Ziel sind 1,1 Prozent. Mehr wollen wir gar nicht.“ Trotzdem: Beachtlich für ein Unternehmen, das seinen Anfang in einer Doppelgarage in Untergiesing genommen hat. „Damals operierten wir noch im 30-Liter-Maßstab.“ Von 2006 bis Ende 2014 brauten die Giesinger in ihrer Garage, danach kam der Umzug auf das Gelände an der Martin-Luther-Straße, wo die Biermanufaktur nun ihren Sitz hat. Dabei haben Rossmann und seine Mitstreiter natürlich auch ihre Produktivität gesteigert. „Mittlerweile können wir innerhalb von einem Jahr gute 10 000 Hektoliter herstellen.“ An die industriellen Großbrauer reiche das allerdings noch immer nicht ran. „„Nur als Beispiel: Was wir im Jahr machen, macht Paulaner in 13 Stunden.“

Was Münchens alternative Brauerszene betrifft, ist er sich sicher: „Da wird in Zukunft noch viel kommen.“

Marian Meidel

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