Nach Entlassung aus Stadelheim

Ex-Häftling nach zehn Stunden Freiheit wieder in Haft

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Um 10 Uhr durfte Claudio P. aus der JVA Stadelheim, um 20.15 Uhr kam er in Handschellen zurück.

München - Wegen Beleidigung und Bedrohung musste Claudio P. einen Monat lang in Stadelheim absitzen. Doch dort scheint er nichts gelernt zu haben - denn nur zehn Stunden nach seiner Entlassung wurde er wieder festgenommen.

Was ist da eigentlich schief gelaufen am 2. Dezember 2015? Claudio P. (41) muss nicht lange überlegen. „Das war eigene Dummheit“, sagt er. An jenem Tag wurde er morgens aus der JVA Stadelheim entlassen, einen Monat lang hatte er wegen Beleidigung und Bedrohung in Untersuchungshaft gesessen. Doch kaum war er draußen, wurde er sofort wieder straffällig – und musste abends zurück nach Stadelheim. Nur zehn Stunden war er in Freiheit! Ein mieser Tag für den Giesinger…

Morgens war er gegen zehn Uhr aus dem Gefängnis entlassen worden, danach lief er die Stadelheimer Straße entlang. Durch Zufall traf er dort zwei alte Bekannte, mit denen er früher die Spiele des FC Bayern angeschaut hat. „Wir haben uns so gefreut, dass wir gleich einen trinken gehen wollten“, sagt Claudio P. Gemeinsam zogen sie durch die Stadt und landeten am frühen Abend am Sendlinger Tor. Genauer: im Burger-Restaurant Schnelle Liebe. Laut Staatsanwaltschaft kam es dort zum Streit mit anderen Gästen: Als einer von ihnen schlichten wollte, hielt Claudio P. ihm ein Messer vor die Brust und drohte: „Ich verpass dir gleich ein neues Grinsen.“ Tatsächlich verging ihm später selbst das Lachen. Denn kurz darauf klickten bei ihm die Handschellen. Um 20.15 Uhr ging es zurück ins Gefängnis.

Anwalt: "Mit FC-Bayern-Fans sollte man nicht in die Schnelle Liebe gehen"

Morgens die Entlassung, abends wieder hinter Gittern? „Da stutzen wir selbst. So ein Fall ist sehr ungewöhnlich“, sagt JVA-Leiter Michael Stumpf. Bei ihm saß Claudio P. in Stadelheim, bis sein Prozess Mitte Februar begann. Die Anklage hatte es dann in sich: Bedrohung, Beleidigung, Körperverletzung und Widerstand gegen Polizeibeamte. Amtsrichterin Simon sprach P. am Ende schuldig und brummte ihm 2400 Euro Geldstrafe auf. Immerhin: Nach dreieinhalb Monaten war Claudio P. wieder ein freier Mann – und ging diesmal direkt nach Hause.

Das Urteil wollte er aber nicht auf sich sitzen lassen und legte Berufung ein. Vor dem Landgericht sagte er gestern: „Es tut mir leid, dass ich in so eine Situation gekommen bin.“ Aber der Richter blieb hart. „Sie sind mit dem Strafmaß aus erster Instanz gut bedient.“ Von der Geldstrafe muss Claudio P. jetzt nur noch 750 Euro zahlen, den Rest hat er durch die lange U-Haft abgesessen. Sein Anwalt Lutz Libbertz sagte: „Der Fall zeigt, man sollte mit Anhängern des FC Bayern nicht in die Schnelle Liebe gehen.“

Andreas Thieme

Andreas Thieme

E-Mail:Andreas.Thieme@tz.de

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Kommentare

majestätAntwort
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Mannomann. Bei einer Beleidigung schalte ich de Kopf auf Durchzug und fertig.warum wird zu eine Beleidigung oft schwererner geahndet als ne Körperverletzung? Musste mal wegen einer 3000 euronen blechen mein nachbar hat einem mal zwei geknallt und kam mit 900 davon.

hpsatAntwort
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Wenn jeder jeden ungestraft beleidigen könnte wäre das ein Rückfall in die Barbarei und in einer Zivilisation unwürdig. Der Stärkere würde den schwächeren ungestraft beleidigen können, ohne dass der sich wehren könnte. Das kann doch ein halbwegs vernünftiger Mensch nicht wollen.

majestätAntwort
(0)(0)

doch, das ist mein voller ernst. vor allem wenn man bedenkt,was heute schon als beleidigung aufgefasst wird, wie zb vogel zeigen oder scheibenwischer. lächerlich