"Er war sehr manipulativ"

Nach Sex-Urteil gegen Knast-Psychologin: Jetzt redet sie

Die Knast-Psychologin Maren N. vor dem Strafjustizzentrum in der Nymphenburgerstraße.

München - In der JVA Stadelheim war die Psychologin Maren N. acht Jahre angestellt. In ihrem Büro soll sie Sex mit einem Insassen gehabt haben Jetzt erzählt Sie ihre Geschichte.

Mit ­Ex-Häftling Serdar P. (41) war Maren N. (52) ­liiert. Verurteilt wurde sie aber ­wegen ­eines ­anderen Falles

Ihre blonden Haare wehen im Wind. Durch die dicken Gläser ihrer Sonnenbrille blickt Maren N. (52) auf das Strafjustizzentrum in der Nymphenburger Straße. Ein letztes Mal. Es ist der Ort, an dem sie drei Gerichtsprozesse durchstehen musste. Und am Ende verurteilt wurde. „Es schmerzt mich immer noch“, sagt die frühere Psychologin der JVA Stadelheim. Sie muss nun selbst hinter Gitter – denn laut Landgericht hatte sie einen Häftling dreimal sexuell missbraucht. „Mir waren die Gefangenen immer sehr wichtig“, sagt Maren N., die etliche therapiert hat. Männer mit harten Geschichten. Oder schweren Taten. So wie Murat L., der drei Jahre wegen schwerer Körperverletzung absitzen musste. Eine schwierige Persönlichkeit – daran erinnert sich die Psychologin noch genau. „Er war sehr manipulativ. Ich habe mich von ihm einlullen lassen. Ich wollte ihn auf die richtige Bahn bringen. Aber als Patienten hätte ich ihn eher abgeben müssen. Den richtigen Zeitpunkt hatte ich verpasst.“ In der Knast-Therapie entstand mehr emotionale Nähe als es vielleicht gut gewesen wäre. „Das hätte alles so nicht passieren dürfen, sagt die Psychologin. Ein sexuelles Verhältnis streitet sie allerdings ab.

Im August 2013 wird Maren N. aber in ihrem Büro verhaftet – weil sie Murat L. angeblich missbraucht hatte. Fünf Monate sitzt sie in der U-Haft in Schwäbisch-Gmünd. Nach drei Prozessen steht im Juli 2015 das Urteil fest: eineinhalb Jahre Haft. „Bis heute kann ich nicht fassen, wie mit mir umgegangen wurde“, sagt sie. Das Gefühl der Ohnmacht nagte am stärksten an der Psychologin. „Ich fühlte mich ausgeliefert und entwertet. Nur, weil ich mit einem anderen Gefangenen nach dessen Haft mal eine Beziehung geführt hatte, stand ich unter Generalverdacht.“

Sieben Jahre lang war Maren N. mit Serdar P. (41) zusammen, den sie auch in Stadelheim als ihren Patienten kennengelernt hatte. Ein Kurde. Groß, breite Schultern, lange Haare. Er schrieb ihr Briefe, öffnete sein Herz – und eroberte ihres. „Ich entschied mich für die Liebe“, sagt Maren N. Das war gewagt – aber nicht gegen das Gesetz. „Liebe ist nicht strafbar“, sagt Maren N. Ihre Beziehung zerbrach aber, nachdem P. im Februar 2011 abgeschoben wurde. Als sie anderthalb Jahre später verhaftet wird, steht ihr Leben Kopf.

„Die U-Haft war furchtbar“, sagt sie. „Ich war zu nichts mehr fähig, bin fast verrückt geworden. Die erste Zeit dachte ich an einen Irrtum. Danach hatte ich nur noch Angst.“

Dieses Mal hat sie eine Perspektive: „Ich hoffe auf die Halbstrafen-Regelung“, sagt Maren N. Dann käme sie im Herbst wieder frei und müsste nur noch vier Monate einsitzen. „Die Zeit möchte ich nutzen, um mit einer Psychologin meine Geschichte aufzuarbeiten.“

Andreas Thieme

Andreas Thieme

E-Mail:Andreas.Thieme@tz.de

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Kommentare

WeisseritzAntwort
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Warum Verbot?Die hat doch nichts getan.Da sollten lieber viele Gutachter die keine sind in den Knast.

docschoettinger
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Meine Güte..... Das ist auch nur ein Frau mit Gefühlen... Vielleicht hätte man das auch anders regeln können. Ein Berufsverbot? Fertig!.. Dann hätte sie das auf privatem Weg ausleben können... fertig... Dann hätte ich sie gerne kennengelernt. Bestimmt keine schlechte Frau. Finde das übertrieben. Die Frau tut keinenem Menschen irgendwas