Autohaus geräumt - wegen falschen Verdachts

Autohändler klagt vor Gericht: "Polizei hat mich ruiniert"

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Suad B. (39) am Mittwoch vor Gericht. Er fordert Schadensersatz.

München - Suad B. steht in Rechtsstreit mit dem Freistaat Bayern: Der Grund. Die Polizei räumte sein Autohaus - wegen eines falschen Verdachtes.

Blaulicht. Einsatzwagen. Und sechs uniformierte Männer, die Pistolen tragen. Den Morgen des 15. März 2011 wird Autohändler Suad B. (39) nie vergessen. Denn statt Kunden steht plötzlich die Polizei in seinem Autohaus in der Tegernseer Landstraße. Und greift hart durch: 30 seiner 94 Fahrzeuge beschlagnahmen die Beamten und bringen sie in die Verwahrstelle. Von den restlichen Fahrzeugen nehmen sie Schlüssel und Papiere mit, so dass der Autohändler nicht mehr auf sie zugreifen kann. „Von einem auf den anderen Moment war ich mittellos“, sagt Suad B. „Die Polizei hat mich ruiniert. Das war ein richtiger Albtraum.“

Und alles nur wegen eines falschen Verdacht! Denn die Polizei hatte vorher eine Bande von Tacho-Tricksern per Telefon überwacht. In Gesprächen sagten die Verdächtigen „Fahr doch mal beim Suad rein!“ Also in sein Autohaus, obwohl er die Bande offenbar gar nicht kannte. Da schritt die Polizei ein – und stattete dem Giesinger Autohändler einen unangenehmen Besuch ab.

Das Problem: „Erst drei Monate später erhielt ich die meisten Fahrzeuge zurück. Einige waren innen verschimmelt. Verkaufen konnte ich sie nicht mehr. Mir entstand ein Schaden von zwei Millionen Euro, denn mein Geschäft stand still.“ Das Geld will Suad B. zurück – und klagte auf Schadensersatz. Am Mittwoch wurde sein Fall am Landgericht verhandelt.

„Ich finde es immer noch unfassbar, was mit mir gemacht wurde“, sagte Suad B. „Ich bin völlig unbescholten und habe fast 20 Jahre lang ganz legal Autos verkauft. Was kann ich dafür, dass irgendwelche Typen meinen Namen nennen?“ Selbst seinen 180.000 Euro teuren Mercedes hatten die Beamten mitgenommen. „Erst nach zweieinhalb Jahre später erhielt ich das letzte meiner Autos zurück.“

Der Freistaat rechtfertig den Polizeieinsatz mit dem Verdacht, der bei der Telefonüberwachung entstanden ist. Wie der Rechtsstreit ausgeht, ist noch offen. Richter Frank Tholl hörte am Mittwoch erstmals beide Parteien zu dem Fall an. Suad B. hat München mittlerweile den Rücken gekehrt und sein Autohaus in Richtung Augsburg verlegt.

„Ich hoffe auf Gerechtigkeit“, sagt er. „Und dass mir so etwas nie wieder passiert.“

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