Sicherheit auf dem Oktoberfest

Stadtrats-Entscheidung: Doch kein Zaun um die Wiesn!

München - Kommt der Zaun um die Wiesn? Im Stadtrat wollte Bürgermeister Josef Schmid an seinem Konzept eines Zauns um die Wiesn festhalten. Doch nach hitziger Debatte wird beschlossen - der Zaun kommt nicht.  

Der Münchner Stadtrat, genauer gesagt der Wirtschaftsausschuss des Stadtrates, hat sich in seiner Debatte am Dienstagvormittag gegen einen komplett geschlossenen Zaun um das Wiesn-Gelände entschieden. Konkret ging es um die Frage, ob ein letztes Stück an der Hangkante zum sogenannten Kotzhügel des bereits vorhandenen Zauns geschlossen werden soll.

Die Absperrungen sollten nach dem Vorschlag von Wiesn-Chef und Wirtschaftsreferent Josef Schmidt (CSU) an extremen Tagen kurzzeitig eine Komplettsperrung des Geländes ermöglichen und damit eine Überfüllung verhindern. „Dieser Zaun soll die Sicherheitslücke auf der Theresienwiese schließen“, sagte Schmidt.

Der neue Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle (SPD), der das Amt erst vergangenen Woche übernommen hatte, sprach sich dafür aus, zumindest in diesem Jahr auf Zäune zu verzichten und stattdessen die Lage an den Brennpunkten direkt auf der Wiesn zu entschärfen. Die angedachten mobilen Absperrungen hätten sich zwar bei Sportveranstaltungen und Konzerten bewährt. Doch auf der Wiesn drängten die Menschen nicht nur zu Tausenden hinein, sondern gleichzeitig zu Tausenden hinaus.

Die Ausgangslage am Dienstagmorgen:

Am Dienstagvormittag hat der Stadtrat über das neue Sicherheitskonzept für die Wiesn entschieden. Ob in Gefahrensituationen künftig ein Zaun an der westlichen Hangkante („Kotzhügel“) ausgerollt werden darf – oder nicht – war vor Beginn der Debatte am völlig offen. SPD-Fraktionschef Alexander Reissl hatte wie berichtet vorab angekündigt, seine Fraktion werde das Konzept ablehnen, Wiesn-Chef und Zweiter Bürgermeister Josef Schmid, CSU, hielt aber daran fest und wollte es heute beschließen lassen.

Große Teile des Geländes sind schon umzäunt

Etwa drei Viertel des Festgeländes waren schon in den vergangenen Jahren umzäunt. Nun sollte auch an der Hangkante kurzfristig ein Zaun aufgezogen werden können – wenn Überfüllung droht. Er sollte im Notfall in kürzester Zeit abgebaut werden können – etwa bei einer Panik.

Der neue KVR-Chef Thomas Böhle (SPD).

Ein Sprecher des Kreisverwaltungsreferats (KVR) betonte am Montag auf Nachfrage: „Als zuständige Sicherheitsbehörde halten wir die Vorschläge für sachgerecht.“ Das KVR muss das Sicherheitskonzept genehmigen, das vom Wirtschaftsreferat unter Schmids Führung ausgearbeitet wurde. Die Maßgabe sei gewesen, dass Überfüllungen verhindert werden könnten, sagte der KVR-Sprecher – aber eben auch, dass im Notfall die Flucht vom Gelände möglich ist. Die Maßgabe hält man im KVR nun offenbar für erfüllt.

Die Polizei äußerte sich auf Nachfrage vorsichtiger. „Wir sind für alle Möglichkeiten offen, die für mehr Sicherheit sorgen“, sagte Polizeisprecher Thomas Baumann. Ob ein Zaun die richtige Maßnahme sei, müsse auf behördlicher und politischer Ebene diskutiert werden. Die Polizei gibt sich in der Debatte also neutral. Zumindest öffentlich. Denn nach Informationen des Münchner Merkur hat sie dem Rathaus signalisiert, die Variante mit dem ausrollbaren Zaun für sinnvoll zu halten. Eine Alternative aus Polizei-Sicht: im Bedarfsfall mehr Personal an die Hangkante zu schicken. Die Variante scheint aber zumindest für die Wiesn 2016 keine Option zu sein: Die Stadt hat die Zahl der Ordner schon aufgestockt, noch mehr Sicherheitsmitarbeiter werden sich in der Kürze der Zeit wohl nicht organisieren lassen.

Wiesn-Chef Josef Schmid ließ am Montag keinen Zweifel daran, dass er an seinem Konzept festhalten will. „Ich werde es vorschlagen, weil wir eine sachgerechte Lösung erarbeitet haben“, sagte er. „Ich will bei der Sicherheit keine Kompromisse eingehen.“

Die Wiesn-Wirte übrigens wollen sich wie die Polizei nicht positionieren. Was er von dem Vorschlag halte? Da gab sich Wirte-Sprecher Toni Roiderer am Montag ungewohnt wortkarg. „Es ist eine Entscheidung des Stadtrats“, sagte Roiderer. Er habe „schon eine Meinung dazu. Aber manchmal sagt man lieber nichts.“ Der Stadtrat hingegen muss heute Farbe bekennen. Für Schmids Zaun-Plan – oder dagegen.  

fm/weg/jv

Stefanie Wegele

Stefanie Wegele

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Janina Ventker

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