Tierquälerei mit Tradition?

Münchnerin startet Petition gegen Wiesn-Gespanne

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Längst Tradition: Der Einzug der Wiesn-Wirte am ersten Tag des Volksfestes.

München - Mit dem Einzug der Wiesn-Wirte startet traditionell das größte Volksfest der Welt. Doch nun will eine Münchnerin die Pferdekutschen verbieten lassen.

Für Zehntausende Wiesn-Fans sind sie eine Riesen-Attraktion: Die prächtig geschmückten Gespanne, die stets vor dem Anstich beim Einzug der Wiesn-Wirte die Kutschen der Brauereien auf das Festgelände ziehen und auch während des Festes auf dem Gelände als Werbeträger der Brauereien dienen. Eine Münchnerin will diese Tradition jetzt allerdings verbieten und spricht von Tierquälerei! In einer Online-Petition hat sie schon über 1800 Unterschriften gesammelt.

Julia Maier.

"Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Reiter: Ich bitte Sie hiermit inständig, diese äußerst sensiblen Fluchttiere aus dieser unzeitgemäßen Tradition endlich zu entbinden und damit auch andere Verkehrsteilnehmer, Touristen und uns Bürger vor der Gefahr eines unkontrollierbaren Gespannes zu schützen", schreibt die Hotelangestellte Julia Maier (29) in ihrer Online-Petition "Schluss mit Pferden & Pferdefuhrwerken auf dem Oktoberfest in München!", die sie vor drei Wochen gestartet hat.

"Tradition" - dieses Wort fungiere hier als Deckmantel für eine anachronistische Tierqual und eine nicht artgerechte Tierhaltung. Im lauten Trubel müssten sie, mit schrillen Glöckchen behängt, stundenlang und bei jeder Wetterlage ausharren, damit die Besucher von ihnen Fotos mitten auf dem Volksfest machen können. Auch der Wirte-Einzug bedeute großer Stress.

Brauereien-Boss kontert Vorwürfe

Unfall einer Weilheimer Trachtengruppe 2006.

Rambazamba um die Wiesn-Rösser! Manfred Newrzella, Geschäftsführer des Vereins der Münchner Brauereien und des Festringes, der den Einzug veranstaltet, versteht die Kritik nicht. "Kaltblüter-Gespanne waren Jahrhunderte lang gängiges Verkehrsmittel, das ist keine Tierquälerei, man kann auch alles kaputt machen." Auch im Rathaus schüttelt man den Kopf: "Ich halte die Petition für arg übertrieben, hier findet kein Missbrauch der Tiere statt. Sie stehen auch nicht den ganzen Tag auf der Wiesn sondern werden immer wieder ausgetauscht", so Stadtrat Klaus Peter Rupp (SPD).

Julia Maier hatte bereits in Berlin zum Verbot der dortigen Droschken aufgefordert. Die Unterstützung ist riesig, 76.700 Menschen haben diese Petition bislang unterzeichnet. "Ich war früher Reiterin und sehe mich nun in der Pflicht, mich für die Pferde einzusetzen. Studien zufolge sind fast alle Hufe von Kutschpferden schwer geschädigt."

Johannes Welte

SPD warb für Pony-Verbot

Vierbeiner auf der Wiesn ­- das Thema ist nicht zum ersten Mal im Fokus: Bereits im November 2015 hat die Rathaus-SPD mit der Forderung nach einem Ponyverbot für das Oktoberfest und die Auer Dultfür viel Wirbel gesorgt. "Tierschutz muss mehr Gewicht haben als Tradition", sagte Stadträtin Bettina Messinger damals. Die Tiere würden durch die laute Musik beeinträchtigt, das stundenlange Im-Kreis-Laufen führe zudem zu Haltungsschäden. Der Stadtrat jedenfalls lehnte das Verbot am Ende mehrheitlich ab.

ska

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