Dreimal in München

Open-Air-Cafés: Beeren pflücken und gleich genießen

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München - Vom Strauch auf den Kuchen in den Mund – das geht in den Münchner Beeren-Cafés sehr schnell. In München gibt es drei solcher Ideen. Ein süßer Besuch bei Beeren-Familie Hofreiter.

„Wenn ich über die Plantage gehe, kann ich mich einfach nicht zurückhalten“, sagt Maria Hofreiter und lacht. Egal, ob Erdbeeren, Heidelbeeren, Brombeeren, Himbeeren oder rote Johannisbeeren – pflückfrisch vom Feld schmeckt’s eben am besten. Für Maria Hofreiter ist das Probieren nicht nur eine süße Leidenschaft, sie ist quasi eine professionelle Naschkatze. Denn der Familie Hofreiter gehören in und um München zahlreiche Selbstpflückfelder. Im Stadtgebiet hat die Familie außerdem drei sogenannte Beeren-Cafés eröffnet.

Sie liegen direkt neben den Plantagen in Johanneskirchen, Lochhausen und Feldmoching, zu den Cafés gehören neben zahlreichen Sitzgelegenheiten auch Kinder- und Freizeitareale. Unter freiem Himmel können es sich Besucher hier in der Sonne oder im Schatten gemütlich machen. Für die hausgemachten Kuchen, Eisbecher, Milch-shakes und anderen Leckereien im Verkauf wandern die Beeren vom Feld nebenan direkt in die Café-Küche.

Neben Früchten gibt es für Kinder viel zu entdecken.

Die Hofreiter-Pflückplantagen gibt es seit 1976. Damals ging es nur um Erdbeeren. Großvater Josef Hofreiter senior hatte die ersten Erdbeerfelder in München. 1999 erweiterte die Familie ihr Angebot und hatte fortan auch Heidelbeeren in ihrem Sortiment. Das war erst der Anfang: Schnell kamen weitere Beerensorten dazu. Kurz darauf erlebte die Familie eine super Saison. „Und mit einem Schlag waren es sehr viele Beeren und die Frage, wie wir die vermarkten sollen“, erinnert sich Maria Hofreiter. Die zündende Idee kam von Tochter Monika. „Zeigen wir doch den Leuten, was man aus Beeren alles machen kann.“

Gesagt, getan. Vor genau zehn Jahren eröffnete Monika das erste Beeren-Café in Lochhausen. Das so gut lief, dass schon bald in Johanneskirchen und Feldmoching weitere Open-Air-Kaffeehäuser folgten. Am Anfang seien die Cafés noch sehr klein gewesen, erinnert sich Maria Hofreiter. Doch dass man unter freiem Himmel hausgemachte Beerenkuchen schlemmen konnte, sprach sich bald herum. „Das ist schneller gewachsen, als wir dachten“, sagt Hofreiter.

Was ursprünglich Tochter Monika mit einer Freundin bewirtschaftete, musste auf professionelle Beine gestellt werden. „In dieser Größenordnung hatten wir uns das nie vorgestellt.“ Weil das Unternehmen bis heute ein klassischer Familienbetrieb ist, kümmert sich beispielsweise die Tante um den Café-Betrieb in Johanneskirchen.

Der Renner in allen Beeren-Cafés: Biskuit-Sahne-Kuchen, belegt mit Beeren der Saison. So wie ihn die Hofreiters auch zuhause immer machen. „Ohne Glasur, weil das mein Mann nicht mag“, erzählt Maria Hofreiter. Nicht das einzige Rezept aus der Familienküche. „Jeder probiert was daheim aus und bringt es dann fürs Café mit.“ Die Cakepops zum Beispiel stammen von den Töchtern. Neben Monika und Stefanie ist mittlerweile auch Sohn Thomas in den Betrieb eingestiegen. Der 27-Jährige hat Teile des Geschäfts übernommen, kümmert sich vor Ort beispielsweise um den Zustand der Beerenpflanzen.

Neben den eigenen Erzeugnissen arbeiten die Hofreiters auch sonst überwiegend mit regionalen Produkten. Eier vom Bauernhof, Fleisch vom Metzger vor Ort, Gemüse von der Gärtnerei um die Ecke. Die Speisekarte umfasst nämlich nicht nur süße Leckereien, sondern auch Herzhaftes: Pizza, Nudeln und wechselnde Wochengerichte.

Auch das Spiel- und Freizeitangebot hat sich mit den Jahren erweitert. Früher war’s nur ein Maislabyrinth, heute gibt es Sand- und Wasserspiel, Bobby-Car-Bahn und Streicheltiere. Sogar Mütter und Väter hüpfen ausgelassen hinter ihren Kindern über die ausgelegten Strohballen. „Wir haben uns einfach an der Kundschaft orientiert“, sagt Hofreiter. Dafür legt die Chefin auch selbst Hand an. Gerade hat sie den großen Holzpferden neue Ohren angeschraubt und sie bemalt. „Die sind mir ein Stückchen zu groß geraten“, so Hofreiter selbstkritisch. Den jungen Reitern macht das indes nichts aus. Sie sitzen fröhlich auf den Sätteln und treiben die hölzernen Gäule an.

Am Abend, wenn die letzten Gäste gegangen sind, sieht das ganze Areal einigermaßen chaotisch aus. Maria Hofreiter hat aber kein Problem damit, wenn Tische, Stühle und Bänke am Ende kreuz und quer rumstehen. Im Gegenteil. „Die Eltern sollen dort hinziehen können, wo ihre Kinder gerade spielen.“ Das kommt an. „In diesem Jahr hatten wir insgesamt schon über 500 Kindergeburtstage in den drei Cafés“. Sehr beliebt ist auch das nachmittägliche Lagerfeuer mit Stockbrot-Grillen.

„Früher sind die Leute zur Selbstversorgung auf unsere Plantagen gekommen, heute steht der Freizeitgedanke viel mehr im Vordergrund“, so die Analyse der Hofreiter-Chefin. „Man trifft sich hier, weil man zuhause nicht die Möglichkeiten hat.“ Gerne verabreden sich die Leute dazu über die Hofreiter-Facebook-Seite. Gepflückt werde nun eher zum sofortigen Verzehr. Ab und zu auch wieder zum Marmelade-Kochen. „Aber nicht mehr in den Mengen wie früher.“

Die Beeren-Cafés

in Johanneskirchen (Ecke Savits-/Stegmühlstraße) und Feldmoching (Feldmochinger Straße) haben bis zum 15. September, das Beeren-Café in Lochhausen (Purpurweidenweg) bis zum 21. September geöffnet. Die Pflück-Plantagen sind bei jedem Wetter täglich von 8.30 bis 19 Uhr geöffnet. Die Cafés sind Sonntag bis Donnerstag von 10 bis 19.30 Uhr, Freitag und Samstag bis 20 Uhr offen. Frühstück gibt es täglich zwischen 10 und 12 Uhr, warmes Essen täglich ab 11.30 Uhr. Weitere Infos unter www.hofreiter.de.

Carmen Ick-Dietl

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