Opfer sprechen über Horror-Nacht

Mann zielte mit Pfeil und Bogen auf uns

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Silke K. und ihr Sohn Pascal haben seitdem schlaflose Nächte.

München - Weil er mit Pfeil und Bogen auf mehrere Passanten zielte, steht Nikolaus B. vor Gericht. Nun sprechen seine Opfer und erzählen von der Horror-Nacht.

Es war eine laue Sommernacht im Juli des vergangenen Jahres, als Silke K. (38) mit ihren Söhnen Pascal (14) und Toni (5) nach einem Grillabend eine Runde mit ihrem Hund spazieren ging. In der Wallbergstraße stand plötzlich Nikolaus B. hinter ihnen – bewaffnet mit einem Sportbogen. Den Pfeil hatte er nicht nur auf die Familie, sondern auch auf weitere Passanten gerichtet. Jetzt steht der 68-Jährige wegen Bedrohung vor Gericht.

„Er hat uns tief in die Augen geschaut und auf uns gezielt“, erinnert sich Mutter Silke zurück. Ihr Sohn Pascal suchte schreiend das Weite, seine Mutter und ihr Jüngster verfielen in Schockstarre. „Ich hatte Angst um das Leben meiner Kinder.“

Bogenschütze Nikolaus B. ist psychisch krank. Er wird im Isar-Amper-Klinikum betreut

Nikolaus B. ist psychisch krank. Vor Jahren wurde bei dem Ex-Polizisten eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert. Die Krankheit hatte er im Griff, bis er seine Medikamente umstellte. Den Vorfall im Juli 2015 erklärt er so: „Die alten Tabletten wirkten noch nach und die neuen halfen noch nicht.“ Deshalb hatte er Halluzinationen. „Ich war daheim und dachte plötzlich, ich stünde vor einem Erschießungskommando der Nazis. Ich musste Stress abbauen. Also schnappte ich mir meinen Bogen und ein paar Pfeile.“ Er wollte niemanden erschießen, höchstens auf Hunde zielen, erklärte er Richter Anton Winkler. Er sei ein sicherer Schütze und schon vier Jahre Mitglied in einem Bogenschützenverein. „Mir war die Gefährlichkeit nicht bewusst. Es tut mir leid.“

Geriet ins Visier: Judith W.

Judith W. (19) saß in jener Nacht mit Freundinnen auf einer Treppe am Giesinger Bahnhof. Sie sagt: „Er starrte uns minutenlang an. Richtig unheimlich! Erst dann sah ich, dass er mit seinem Bogen auf uns zielte. Wir rannten ins Lokal nebenan. Dann kam die Polizei. Es war wie im Horrorfilm.“

Nikolaus B. wird derzeit im Isar-Amper-Klinikum betreut. Die Staatsanwaltschaft fordert in ihrer Anklageschrift eine dauerhafte Unterbringung. Das Urteil soll am Montag fallen.

 

Johannes Heininger

Johannes Heininger

Johannes Heininger

E-Mail:Johannes.Heininger@tz.de

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