Familienvater handelt mit Kokain

Breaking Bad in München: U-Bahnfahrer wird zum Dealer

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Der Angeklagte Eymen P. (52, l., Name geändert)

München - Ein U-Bahnfahrer kommt in finanzielle Engpässe - und hilft sich, indem er mit Drogen dealt. Der traurige Abstieg eines treusorgenden Familienvaters.

Wie wird aus einem rechtschaffenen, treusorgenden Familienvater und Lokführer ein Drogendealer, der Kokain im Wert von mehreren tausend Euro verkauft? Hollywood verarbeitet solchen Stoff zu erfolgreichen Serien, dieser Fall aber spielt bei uns in Pasing. Am Mittwoch ist der traurige Abstieg des Eymen P. (52, Name geändert) verhandelt worden. Breaking Bad am Landgericht...

Schlohweißes Haar, weißer Schnauzer, weißes Hemd, die Lesebrille hat P. auf die Stirn geschoben. Dealer stellt man sich anders vor. Der gebürtige Türke P. erzählt in weichem, bairischem Dialekt von seinem hart erarbeiteten Aufstieg. Hauptschule, Lehre zum Kfz-Mechaniker, Umschulung zum Lokführer bei den Stadtwerken (SWM). Er heiratet seine Jugendliebe, kauft ein Häuschen, das Paar bekommt zwei Töchter. Eine davon sitzt im Gericht, hört, wie ihr Vater davon erzählt, wie stolz er ist, dass beide Mädchen jetzt studieren.

Richterin: "Fall ist keine Lappalie"

Zu Beginn stellt die Richterin klar, dass der Fall keine Lappalie sei, die mit 30 Tagessätzen Bußgeld erledigt ist. Üblich seien „vier plus X“: vier Jahre Knast oder mehr. Eymen P. räumt alle Vorwürfe ein. Den Kauf von 500 Gramm Kokain 2013, den Verkauf. Über seinen Verteidiger lässt er verlesen: Es habe finanzielle Engpässe gegeben, der Hauskredit wuchs ihm über den Kopf. Seine Familie durfte davon nichts wissen. Als ein Bekannter ihm das Kokain anbot, habe er die Gelegenheit ergriffen. „Ein Riesen-Fehler!“

Geldnot, obwohl die Eheleute stets arbeiteten. Knapp 4000 Euro verdienten sie im Monat, nach Kredittilgung, Zinsen und Nebenkosten blieben weniger als 2000 Euro für vier Erwachsene. Die Richterin zeigt sich milde: „Auf gut Deutsch sind Sie ein kreuzbraver Mann, haben stets gearbeitet, reden perfekt Deutsch, haben sich integriert. Wie kommt man auf so eine blöde Idee?“ Fortsetzung folgt.

Tobias Scharnagl

Tobias Scharnagl

E-Mail:Tobias.Scharnagl@tz.de

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