Posse um Parkplätze 

Pasinger Marienplatz: Der "Geschäftsmagnet" zieht Streit an

So soll der geplante Geschäftsmagnet später einmal aussehen.

München - Es brodelt im Herzen von Pasing. Über das geplante Geschäfts- und Hotelprojekt am Pasinger Marienplatz herrscht zwar Einigkeit – doch wie viele Stellplätze soll es geben? „Katastrophal“ nennt die CSU die Planungen.

Knackpunkt der Kontroverse sind die geplanten 50 Pkw-Stellplätze. Diese reichten hinten und vorne nicht aus, um den Pasinger Marienplatz als attraktiven Gegenpol zu den Pasing Arcaden am Bahnhof zu entwickeln, kritisierten Vertreter der CSU-Fraktion im Bezirksausschuss (BA), unterstützt von CSU-Stadtrat Johann Sauerer, in einem Pressegespräch. Ursprünglich hätten die Stadtplaner den Bedarf bei 174 Stellplätzen gesehen, erläuterte die stellvertretende BA-Vorsitzende Maria Osterhuber-Völkl (CSU). Bei der Auslobung für den Wettbewerb sei die Zahl dann aufgrund eines Gutachtens des Investors auf 50 reduziert worden. „Aber wie soll ein geplanter Geschäftsmagnet mit 50 Stellplätzen funktionieren?“, kritisierte Sauerer. Utopisch sei die Vorstellung, dass Besucher die Tiefgaragen am Bahnhof nutzten, um am Marienplatz einzukaufen.

Hinter der blauen Plane sollen Läden und ein Hotel entstehen. Das denkmalgeschützte Café Confetti bleibt wohl so bestehen und soll vielleicht als Zugang zu dem Hotel fungieren.

An der Ecke Planegger/Institutsstraße sind die früher als „Pappschachtel“ bezeichneten Läden und die ehemalige Wirtschaftsschule inzwischen abgerissen. Bis voraussichtlich 2018 will das Unternehmen Bucher Properties dort ein Geschäftszentrum mit 3300 Quadratmetern Verkaufsfläche und ein Hotel mit 101 Zimmern sowie 19 sogenannten Serviced Appartements errichten. „Also keine richtigen Wohnungen, wie ursprünglich gedacht, sondern Zimmer für Kurzzeitaufenthalte“, schimpfte Sven Wackermann (CSU).

CSU mahnt Termin für Einwohnerversammlung an

Angesichts dieser Pläne müsse dringend etwas geschehen, mahnten die CSU-Vertreter. Schleunigst müsse beispielsweise ein Termin für die Einwohnerversammlung angesetzt werden, die der Bezirksausschuss auf Antrag von CSU und Grünen bei der ersten Sitzung nach der Sommerpause beschlossen habe.

„Das Bauwerk wird Signalwirkung auf viele Jahrzehnte hin haben“, sagte Osterhuber-Völkl. Es sei ein Fehler gewesen, dass man bei vielem, was sich in Pasing verändert habe, die Bevölkerung nicht früh genug mitgenommen habe. „Diesen Fehler sollten wir hier nicht machen.“ Erst wenn gemeinsam mit den Bürgern Fakten geschaffen worden seien, dürfe die Baugenehmigung erteilt werden. Die Stadtverwaltung müsse zudem erläutern, warum es hier offensichtlich eine Sonderbehandlung gebe, ergänzte BA-Mitglied Winfried Kaum (CSU).

SPD: Vorgehen der CSU "völlig unseriös"

Eine „gute und verkehrlich zukunftsorientierte Lösung“ nennt dagegen die SPD München West das Vorhaben. Zur geforderten Einwohnerversammlung sagte SPD-Stadtrat und zweiter stellvertretender BA-Vorsitzender Christian Müller: „Das Vorgehen der CSU ist – nachdem endlich der lange diskutierte Magnet am Pasinger Marienplatz umgesetzt werden soll – völlig unseriös.“ Es gehe nicht an, „dass auf der einen Seite der Verkehr verringert werden soll und möglichst viele Menschen durch den neuen Magneten mit dem ÖPNV, zu Fuß oder mit dem Rad das Zentrum nutzen sollen, und auf der anderen Seite viele Stellplätze gefordert werden“, sagte die Stadträtin und SPD-Fraktionssprecherin Constanze Söllner-Schaar. Sie sei erstaunt über die Grünen, die eine Citymaut forderten, aber in Pasing nicht offen seien für eine Lösung, die Verkehr reduzieren solle.

Wann nun eine Einwohnerversammlung stattfinden könnte, steht laut dem BA-Vorsitzenden Romanus Scholz (Grüne) noch nicht fest. Man bemühe sich um einen baldigen Termin. Ob tatsächlich erst danach die Baugenehmigung erfolgt, die laut Planungsreferat „in den letzten Zügen liegt“, ist allerdings ungewiss: „Im Moment kann nicht gesagt werden, ob die Versammlung noch abgewartet werden kann“, sagte Pressesprecher Ingo Trömer auf Nachfrage.

Monika Wehrl-Herr

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