Opfer klagen auf Schmerzensgeld

Klinikum Pasing: Sex-Attacke im Aufwachraum

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Im Klinikum Pasing missbrauchte Pfleger Georgios P. (41) drei Patientinnen

München - Der reinste Albtraum: Eine junge Patientin liegt hilflos im Aufwachraum des Klinikums Pasing und wird von einem Pfleger betatscht und missbraucht. Nun kommt der Fall vor Gericht.

Die Ohnmacht war das Schlimmste! Völlig wehrlos musste Elvira H. (27, Name geändert) minutenlang den Horror über sich ergehen lassen. Ein Pfleger berührte sie an den Brüsten und im Schritt. Sie selbst war gerade aus der Narkose erwacht und bekam alles mit. Sie war aber noch zu betäubt, um sich zu bewegen. Das nutzte Georgios P. (41, Name geändert) im Aufwachraum des Pasinger Klinikums aus – und missbrauchte Elvira H.

Auch an zwei weiteren Frauen hatte er sich im März 2013 im Aufwachraum vergangen – jeweils, als sie gerade operiert worden waren und sich nicht gegen den Krankenpfleger wehren konnten. Das Landgericht verurteilte Georgios P. für diese Taten zu drei Jahren Haft und belegte ihn zudem mit einem Berufsverbot. Seine Opfer aber bringen nun auch zivilrechtliche Forderungen vor – und verklagen den Arbeitgeber von Georgios P. auf Schmerzensgeld. Der Krankenhauskonzern Helios, zu dem das Pasinger Klinikum aktuell gehört, will aber nicht zahlen. Am Dienstag geht der Fall nun vors Landgericht.

Es wird ein schwerer Gang für die drei Frauen, denn bis heute leiden sie unter dem sexuellen Missbrauch. Panikattacken und Schlafstörungen plagen sie auch zweieinhalb Jahre nach den Taten. Dass es überhaupt soweit kam, soll die Schuld der Klinik sein, glaubt Anwalt Manfred Werthern, der die Opfer im Prozess vertritt. Denn bereits nach dem ersten Missbrauch hatte sich Elvira H. an die Stationsärztin gewendet – diese soll aber nicht reagiert haben. Später hatten auch die beiden anderen Frauen Alarm geschlagen. Erst danach habe die Klinik die Polizei gerufen, die P. sofort verhaftete.

Für dieses Versäumnis müsse die Klinik nun die Verantwortung tragen – und zahlen. Denn, so kritisiert Anwalt Werthern: Der Pfleger soll nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe nicht einmal von seinen Vorgesetzten intensiver beobachtet worden sein. Die Polizei fand auf seinem Handy später aber mehr als 50 Nacktfotos von Patientinnen. Dennoch hatten seine Verteidiger im Strafprozess versucht geltend zu machen, dass die Frauen im Aufwachraum nur fantasiert hätten – wegen des Narkosemittels Propofol, das in sehr seltenen Fällen Halluzinationen auslösen kann. Tatsächlich sei Georgios P. aber der Albtraum gewesen, urteilten die Richter am Landgericht.

Zwischen 10.000 und 15.000 Euro Schmerzensgeld fordern die Frauen nun von dem Krankenpfleger. Dienstag müssen sie sich nun erneut mit dem Missbrauch auseinandersetzen.

Andreas Thieme

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