„Die Stadt hat mich fast ruiniert“

KVR verbot Mary L. sieben Monate lang ihren Job

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Es ist die Erlösung nach sieben Monaten langen Wartens: Endlich darf Mary L. (26) wieder ihrer beruflichen Tätigkeit nachgehen.

München - Es ist die Erlösung nach sieben Monaten langen Wartens: Endlich darf Mary L. (26) wieder ihrer beruflichen Tätigkeit nachgehen.

Endlich darf sie wieder Haare flechten, glätten und verlängern.

Das nämlich hatte ihr das Kreisverwaltungsreferat am 26. Oktober 2015 verboten, als städtische Ordnungshüter Mary L. in ihrem Geschäft in der Landsberger Straße besucht hatten. Nach einer gewerblichen Ummeldung wollte die Stadt ermitteln, wie die Geschäftsfrau ihren Umsatz macht – und untersagte ihr danach die Arbeit mit den Haaren. Offizielle Begründung: Die Tätigkeit sei kein wesentlicher Teil des Frisörhandwerks und deshalb nur ein unerheblicher Nebenbetrieb.

„Für mich waren damit große Einbußen verbunden“, sagt Mary L., die auch einen Internethandel für Perücken und Haarteile betreibt. Ihr Anwalt Walter Ratzke formuliert es noch drastischer: Das Verbot, das die Stadt ausgesprochen hatte, „grenzt an eine Existenzvernichtung.“

Er vertrat Mary L. gestern vor dem Verwaltungsgericht, wo die junge Frau Klage eingereicht hatte. In der Verhandlung ging es heiß her, denn Ratzke erhob schwere Vorwürfe gegen das KVR. „Es handelt sich hier um einen ungeheuerlichen Vorgang“, kritisierte er. Denn juristisch gesehen sei es nur möglich, einen ganzen Betrieb zu verbieten. „Die Teilaufhebung einzelner Tätigkeiten ist nicht zulässig.“ Bereits seit 2004 gelte dieses Gesetz. Das KVR sah das ein – und zog sein Verbot zurück. Zur Freude von Mary L.!

Andreas Thieme

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