Unterschriftenlisten für St. Leonhard

Kirchen-Glocken zu leise! Beschwerden wegen Schallschutz

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Helmtrud Harnack hört’s nicht mehr läuten.

München - Im September 2015 wurde wegen Beschwerden von Anwohnern ein Schallschutz in die Glocken der Kirche St. Leonhard eingebaut. Jetzt sind sie einigen Bürgern aber zu leise.

Dumpf ertönt der Glockenschlag zur vollen Stunde. Helmtrud Harnack (73) steht neben der Kirche St. Leonhard in Pasing und ärgert sich. Im September hat man wegen Beschwerden von Anwohnern einen Schallschutz eingebaut. „Jetzt ist das Läuten aber viel zu leise“, schimpft Harnack bei Hallo München. „Ich wohne an der Nimmerfallstraße. Dort höre ich die Glocken von Maria Schutz und aus Laim lauter als unsere eigenen.“

Nicht nur Helmtrud Harnack ist darüber aufgebracht. Auch andere Mitglieder der katholischen Gemeinde stören die leisen Glocken. Deshalb kursieren jetzt Unterschriftenlisten, die einen lauteren Klang fordern. „Es ist schlimm. Ich höre das Läuten zur Messe nicht mehr. Das ist doch das Zeichen, dass man zum Herrgott kommen soll“, sagt sie. „Ich verstehe die Anwohner auch nicht. Wenn ich in die Nähe einer Kirche ziehe, dann weiß ich doch, worauf ich mich einlasse.“

Tatsächlich gebe es Läuten und Läuten, erklärt Dr. Alois Maderspacher vom Referat für Umwelt und Gesundheit. „Das liturgische Glockenläuten während der Messe ist grundgesetzlich geschützt“, sagt er. „Das Stundenläuten unterliegt aber der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm. Wenn das zu laut ist, können wir emissionstechnisch eingreifen.“ Bisher habe es aber in München nur selten Beschwerden deshalb gegeben. „Die Glocken der Herz-Jesu-Kirche in Neuhausen mussten leiser gemacht werden, aber von St. Leonhard haben wir noch nichts gehört“, sagt Maders­pacher.

Tatsächlich hatte im September Pfarrer Klaus Günter Stahlschmidt, Oberhaupt des Pfarrverbands Leiden Christi und St. Leonhard, den Schallschutz ohne viel Aufhebens in Auftrag gegeben. „Die Glocken waren unerträglich laut“, sagt er. „An der Kirche gibt es eine dichte Bebauung. Dort leben Schichtarbeiter, die tagsüber ruhen müssen.“ Also wurden die Schalllöcher am Turm geschlossen und die Innenseite der Glocke mit einem dämmenden Mantel ausgestattet. „Das Leiden der Anwohner ist mehr in meinem Blick“, sagt Stahlschmidt. „Die, die sich jetzt beschweren, wohnen weiter weg.“

Marie-Anne Hollenz

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