Gefängnisstrafe

Taxler mit Pistole ausgeraubt: Tuan (25) verurteilt

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Taxler Robert A. (56, links) gestern vor Gericht. Er sagte gegen Tuan T. (25, rechts) aus, der ihn am 25. Oktober in Pasing bedroht hatte.

München - Tuan T. (25) bedrohte einen Taxler in Pasing mit einer Pistole. Für die Tat wandert er nun in den Knast.

Als er die kalte Pistole an seiner Schläfe spürt, hat Robert A. (56, Name geändert) fast mit seinem Leben abgeschlossen. „Ich dachte, das war’s jetzt“, sagt der Taxler. „Ich hatte riesige Angst.“ Am 23. Oktober 2015 handelte er dennoch sehr mutig: Seinem Fahrgast, der die 17,30 Euro nicht zahlen wollte und ihn deshalb bedrohte, schlug Robert A. die Waffe aus der Hand – und stellte später sogar selbst den Täter!

Seine unglaubliche Geschichte erzählte der Taxler am Montag vor dem Landgericht, wo er gegen den Räuber Tuan T. (25) aussagte. „Ich fuhr gegen 21 Uhr an der Hackerbrücke vorbei. Er winkte, ich hielt an.“ Dort wollte Tuan T. in die Disco Neuraum, angeblich hatte er aber seinen Geldbeutel vergessen und musste deshalb wieder nach Hause nach Pasing. „An der Peter-Fischer-Straße sollte ich plötzlich anhalten“, sagt der Taxler. „Ich drehte mich um und nannte den Fahrpreis – da sah ich den Revolver.“

Taxler stellte Räuber

Bange Sekunden für Robert A., der nicht flüchten kann, weil er angeschnallt ist. „Ich hab gar nicht verstanden, was er da macht“, sagt er. „Ich hatte nur 130 Euro dabei, aber die wollte er nicht.“ Intuitiv schlägt er gegen den Arm des Räubers, der daraufhin zackig aussteigt. „Sein Fahrrad stand draußen. Auf mich wirkte die Tat geplant“, sagt der Taxler. Er verfolgte Tuan T. sogar noch – und rammte ihn in der Josef-Felder-Straße schließlich vom Rad, unmittelbar an den Pasing Arcaden. „Als wir eintrafen, kniete er auf dem Täter und hielt ihn fest“, schildert ein Polizist am Montag vor Gericht. „Wir mussten ihn nur noch festnehmen.“

Der geschröpfte Taxler ist am Ende der Held! „Bis heute geht mir der Überfall aber nach“, sagt Robert A. „Ich habe oft Angst, wenn ein Fahrgast hinter mir an seine Tasche greift.“ Tuan T. entschuldigte sich am Montag für die Tat und gestand. „Ich wollte nur schnell nach Hause, um vor meiner Frau da zu sein“, sagte er. Sie nämlich sollte nichts erfahren von seinem Disco-Besuch.

„Leider kam er dann auf die unsägliche Idee mit der Pistole“, sagte Verteidigerin Carina Gamel. Wie gefährlich die Waffe ist, stellte ein Gutachter klar: Ein Schuss in der Nähe des Gesichts hätte den Taxler töten können! Deshalb zeigte Richter Robert Hamberger keine Gnade: Er schickte den Räuber für zwei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Denn Tuan T. war bereits wegen unerlaubten Waffenbesitzes vorbestraft.

„Ich verzeihe ihm“, sagte Robert A. zu Prozessende. „Aber ich hoffe, mir passiert so etwas nie wieder.“

Andreas Thieme

Andreas Thieme

Andreas Thieme

E-Mail:Andreas.Thieme@tz.de

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