Neue Mini-Stammstrecke soll kommen

U5 nach Pasing: Jetzt geht alles ganz schnell

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Statt bis Laimer Platz bald bis Pasing Bahnhof? Eine U-Bahn der Linie U5 am Hauptbahnhof.

München - Nach tz-Informationen hat es eine Geheimsitzung bei Bürgermeister Josef Schmid (CSU) wegen der Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 gegeben.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) stellt dem Freistaat ein Ultimatum bei der zweiten S-Bahn-Stammstrecke – sonst will er die Millionen der Stadt in eigene Verkehrsprojekte umschichten (tz berichtete). Jetzt kommt heraus: Die Verlängerung der U5 nach Pasing ist weiter, als bislang gedacht. Nach tz-Informationen hat es eine Geheimsitzung beim für dieses Projekt federführenden zweiten Bürgermeister Josef Schmid (CSU) gegeben! Einsteigen bitte, die Stadt baut ihre eigene Mini-Stammstrecke!

Bürgermeister Josef Schmid konnte auf einer geheimen Sitzung den Weiterbau der U5 vom Laimer Platz bis nach Pasing offenbar voranbringen.

Die hohe Politik war hoch zufrieden: Bürgermeister Schmid, der im zuständigen Bauausschuss den Vorsitz hat und mit dem Wirtschaftsreferat die MVG betreut, sowie die Spitzen der Rathaus-Mehrheit aus CSU und SPD. Baureferentin Rosemarie Hingerl (parteilos) stellte praktisch eine fertige Trasse für die U5 vom Laimer Platz bis Pasing vor! Die Ingenieure haben die unterirdischen Bauten bis hin zu den neuen Bahnhofs-Ausgängen vorgeplant, den verschärften Brandschutz berücksichtigt und sich sogar mit den Eingriffen in private Grundstücke beschäftigt. Die Planung ist nach Meinung informierter Kreise so detailliert, dass sich daraus zügig ein Antrag auf Baugenehmigung ableiten lässt.

Zunächst bleibt es bei der bekannten 3,6-Kilometer-Trasse: Hinter der bisherigen Endstation Laimer Platz geht es durch die Gotthardstraße bis zu einem neuen Bahnhof an der Willibaldstraße. Dort knickt die Röhre Richtung Am Knie ab, wo eine weitere neue Station entsteht. Aber: Unter dem S-Bahn-Halt in Pasing soll jetzt doch ein neuer Tiefbahnhof für die U-Bahn gebaut werden – und zwar in so großer Tiefe, dass die Trasse später einmal unter der Würm zum neuen Stadtteil Freiham durchtauchen kann. Eine oberirdische Einfahrt wurde zudem verworfen, weil die Deutsche Bahn offenbar endgültig nur ein Gleis am Pasinger Bahnhof freigeben kann.

Eine Mini-Stammstrecke der Stadt: Künftig könnte die U5 zwischen Pasing und Ostbahnhof völlig parallel zur S-Bahn-Stammstrecke fahren – und bei einer Verstopfung der Schlagader einen Bypass bieten. Allerdings keinen vollwertigen: Die MVG hat schon vor Jahren darauf hingewiesen, dass die U-Bahn im Fünf-Minutentakt nur rund die Hälfte der Passagiere in die Innenstadt schaufeln kann als die viel längeren S-Bahnen im Zwei-Minutentakt. Noch ein Nachteil: Allein mit der U-Bahn-Verlängerung kann es keinen dichteren Bahn-Takt im Umland geben. Im Gegenteil könnte die U5 der geplanten zweiten Stammstrecke Passagiere abluchsen und deren Planung entscheidend schwächen.

Kriegt der Verkehrsknotenpunkt München-Pasing bald auch einen U-Bahnhof dazu?

Billig wird die U-Bahn nicht. Neuerdings taxiert der Stadtkämmerer die Kosten auf 300 bis 350 Millionen Euro, noch vor zwei Jahren war von rund 100 Millionen Euro weniger die Rede. Anhand der neuen Planung sollen die Experten jetzt genaue Kostenschätzungen ermitteln. Dann soll der Stadtrat im Frühjahr entscheiden, im schwarz-roten Kooperationsvertrag ist die Verlängerung beschlossene Sache. Mit einer Bauzeit von acht bis zehn Jahren könnte diese „dritte“ Stammstrecke sogar vor der zweiten fertig sein. Seit Jahrzehnten wird über die Verlängerung diskutiert – jetzt geht alles ganz schnell!

Münchens schönste U-Bahnhöfe

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Das sind die weiteren Ausbaupläne

Im Kooperationsvertrag von CSU und SPD steht eine weitere Verlängerung: Die U4 soll im Osten über den Arabellapark hinaus bis nach Englschalking fahren oder sogar weiter in das geplante Viertel im Nordosten der Stadt. Damit entstünde auf der Trasse von U4/5 sogar eine reizvolle Verknüpfung mit der S8 zum Flughafen! Ein anderes, geplantes Projekt hat Schwarz-Rot allerdings auf Wiedervorlage gesetzt: Die Verbindung von U6 und U2 zwischen Kieferngarten und Am Hart im Norden soll erst wieder mit der geplanten U9 im Zentrum beraten werden. Dieses Lieblingsprojekt der MVG soll in einigen Jahren den Hauptbahnhof über einen Halt unter den Pinakotheken direkt mit der Münchner Freiheit und der Allianz Arena verbinden.

Doch es gibt auch Kritik

Fahrgastsprecher Andreas Nagel kritisiert die vielen Störungen.

Viel Geld in neue U-Bahn-Linien stecken? Da winkt die Aktion Münchner Fahrgäste grundsätzlich ab. Bereits am Wochenende bemängelte Sprecher Andreas Nagel die Häufung von unterirdischen Unglücksfällen in den letzten Tagen: „Alle diese Fälle zeigen, dass ganz massiv in das bestehende U-Bahnsystem investiert werden muss. Daran sollten alle Politiker im Rathaus denken, die voreilig von neuen Tunnelstrecken schwafeln.“

Die Liste der Störungen: Am 7. November fällt ein Mann ins Gleis – ein Polizist rettet ihn. Am 13. November stürzt ein 12-Jähriger vom Bahnsteig – die U-Bahnwache holt ihn wieder raus. Am gleich Tag kommt es zu einem Brand im Tunnel an der Münchner Freiheit und mehreren Stunden Streckensperrung. Am 15. November streikt das Stellwerk – Ersatzbusse müssen fahren.

„Es mag eine zufällig Häufung sein. Aber im Weltmaßstab gerät die Münchner U-Bahn bald ins Hintertreffen“, sagt Andreas Nagel. „Wir erwarten ein zuverlässiges System, das vermeidbare Unfälle weitgehend ausschließt.“ Längst würden Bahnen weltweit automatisch fahren, die Überwachung der Gleise und Türen an den Bahnsteigen seien Standard.

David Costanzo

David Costanzo

David Costanzo

E-Mail:David.Costanzo@tz.de

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