Schlagerstar spricht in der tz

Patrick Lindner: Er hielt bis zuletzt ihre Hand

+
Patrick Lindner mit Peter Schaefer und seiner Mutter Hedwig Raab auf dem Oktoberfest 2012.

München - Egal wie alt man ist: Wenn die Mama geht, ist man zum ersten Mal im Leben kein Kind mehr. In der tz erzählt Patrick Lindner von dem schweren Abschied von seiner Mutter.

Patrick Lindner (55) musste am Samstag die Hand seiner Mutter Hedi für immer loslassen – elf Tage vor ihrem 90. Geburtstag. Als er zusammen mit seinem Partner Peter Schäfer und seinem erwachsenen Sohn Daniel daheim an Hedwig Raabs Bett gesessen ist – sie bis zum letzten Atemzug gehalten und ihr noch einmal Danke gesagt hat. Dafür, dass sie ihn niemals allein gelassen hatte, egal was war, egal was d’Leut g’sagt ham und vor allem seit Patrick Lindner als Schlagerstar ins Licht der Öffentlichkeit gerückt ist.

Für die Mama war jedes Lied das schönste überhaupt und alles irgendwie richtig, was ihr Patrick gemacht hat, objektiv braucht eine Mama ja auch nicht sein – Hauptsache sie ist da! Und sie war immer für ihren Sohn da, dem sie am 27. September 1960 in der Mai­straße das Leben geschenkt und den Namen Friedrich gegeben hat – wie der Papa, Friedrich Raab. Ob als Gastwirtin in Sendling oder als Mitarbeiterin in der Kantine der Münchner Rück, dann als Mama eines Kochs – und später als die eines großen Stars – Hedwig ­Raab war immer da. Ganz bescheiden. Immer fröhlich. Immer irgendwie glücklich, weil sie ja ihren Fritz und später ihren Patrick hatte – egal was war.

Sie kam aus kleinen niederbayerischen Verhältnissen

Hedwig Raab kam aus kleinen niederbayerischen Verhältnissen in die große Stadt München. Mit ihrem Mann, der vor zweieinhalb Jahren gestorben ist, hatte sie auch mal ein kleines Transport-unternehmen: Friedrich Raab fuhr Lastwagen, Hedi lieferte mit einem VW-Bus Ware für den Oberpollinger aus – mit ihrem damals zweijährigen Fritz auf dem Beifahrersitz. „Im Winter hat’s ihn immer so schlimm gefroren, da habe ich ihm meine Handschuh über die Fußerl gezogen und bei der Kundschaft um heißes Wasser gebeten. Wenn’s ihm dann wieder wärmer war, ist er wieder eingeschlafen. Was hätt‘ ich denn tun sollen, als ihn mitnehmen? Wir haben doch das Geld gebraucht“, erinnerte sie sich für die tz einmal an die Zeit, als große Träume ausgeschlossenen waren.

Und was für ein unfassbar märchenhafter und großer Moment, als aus ihrem Fritz Raab Patrick ­Lindner wurde: Als er im Januar 1989 seinen ersten Auftritt in der RTL-Musik­revue mit dem Lied Die kloane Tür zum Paradies hatte, und Hedwig­ ­Raab mit Tränen in den Augen vor dem Fernseher in ihrer Schwabinger Wohnung mitfieberte. Mei, war sie da stolz! Und das ist immer so geblieben.

Als 1991 die Ehe mit Friedrich ­Raab scheiterte, hatte Hedwig die Freiheit, ihren Patrick zu Fernsehsendungen und Konzerten zu begleiten, und so wurde sie auch schnell zum Mittelpunkt bei jedem Fan-Treffen – zuletzt im Sommer. „Obwohl sie ja eine einfache Frau war, ist meine Mutter immer wie eine Königin unter den Fans gesessen und hat ihre ­Audienz gegeben“, erzählt Patrick Lindner mit tränenerstickter Stimme. „Die Fans haben ihr Leben bereichert“. Und so war Hedi genauso immer für die Fans da wie ihr Patrick.

Doch jetzt ist ihr die Lebenskraft ausgegangen; sie hat sich verausgabt. Für die Familie und ein bisschen bescheidenen Wohlstand; und vor allem für ihren Patrick, dem es an nichts fehlen sollte in diesen früher beschränkten Verhältnissen, die sie genauso mit Würde und Herzlichkeit genommen hat wie die üppigeren Zeiten, die sie mit dem Erfolg und der Großherzigkeit ihres Sohnes erleben durfte.

Patrick Lindner hielt bis zuletzt ihre Hand

Patrick Lindners Trost ist es, dass er bis zum letzten Atemzug ihre Hand halten konnte. Dass er gerade nicht auf Konzertreise war. Und dass seine Mama so friedlich von dieser Welt gegangen ist – mit „ihren Männern“ an der Hand – Patrick, ­Peter und Daniel. „Es war, wie wenn sie in ein gleißendes Licht geschaut hätte“, beschreibt Patrick den Moment der Trennung, die zumindest auf Erden für immer ist.

„Sie hat mich beschützt, sie hat sich mit mir gefreut, sie hat mit mir geweint und gelitten, sie hat mir immer diesen Rückhalt gegeben.“ Jetzt ist es Lebenspartner Peter Schäfer, der Patrick auffängt und ihm in seiner großen Trauer Halt gibt. Und die Erinnerungen, die für immer sind.

Am Samstag wird Hedwig Raab um 13 Uhr im Ostfriedhof zu Grabe getragen – und alle, die sie kannten, sind willkommen. Aber wie es schon in der Traueranzeige heißt, Hedwig Raab wird ihren Platz zwischen ihren Lieben behalten. Und deshalb wird auch ihr 90. Geburtstag am 21. Januar ordentlich gefeiert – mit Tränen in den Augen.

Ulrike Schmidt

Ulrike Schmidt

E-Mail:ulrike.schmidt@tz.de

auch interessant

Kommentare