Schlagstock-Einsatz gegen Radikale

Pegida-Demo: So anstrengend war der Abend für die Polizei

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Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun.

München - Erste Nervenprobe im neuen Jahr für die Münchner Polizei: Die Beamten hatten bei den Montags-Demonstrationen Montagabend alle Hände voll zu tun.

Kein nennenswerter Zulauf für Pegida trotz Köln: Die erste Montagsdemo des islamfeindlichen Bündnisses am Montag Abend erreichte keine besonders große Teilnehmerzahl. 400 Pegida-Anhängern standen rund 1000 Gegendemonstranten gegenüber. Ein Teil von ihnen hatte die Brienner Straße blockiert, weshalb Pegida einen wesentlich kürzeren Demozug durchführen musste als geplant. Der Polizei macht dennoch die zunehmende Radikalisierung der Islamfeinde Sorgen.

Das Münchner Präsidium hatte rund 500 Einsatzkräfte in die Innenstadt beordert, um zu verhindern, dass es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen den verfeindeten Lagern kommt. Auch das Bündnis München ist Bunt sowie Anhänger der linken Antifa hatten zu Demonstrationen gegen Pegida aufgerufen. Die Polizei trennte am Odeonsplatz die Lager mit ihren Einsatzkräften und jeder Menge Absperrungen. Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins hatte schon im Vorfeld darauf hingewiesen: „Die Polizei ist neutral. Wir müssen laut Gesetz das Versammlungsrecht gewährleisten.“ Das gelte für alle Kundgebungen. KVR-Sprecher Wilfried Blume-Beyerle hatte die Lage vor Beginn der Montagsdemos so beurteilt: „Beide Lager werden sich verstärkt berufen fühlen, auf die Straße zu gehen.“ Sorgen macht er sich aber vor allem wegen Pegida: „Sie wurden in der Vergangenheit immer extremer und aggressiver.“

Schon zu Beginn war zu sehen, dass sich im Pegida-Lager jede Menge Skinheads und bekannte Rechtsextremisten aufhielten. Der mehrfach einschlägig straffällig gewordene Nazi- Kader Philipp Hasselbach kam mit zehn Kameraden, der verurteilte Rechtsterrorist Karl-Heinz Statzberger mit 15 Freunden. Die Pegida-Ordner plauderten mit ihnen.

Gleich zu Beginn erklärte ein Pegida-Redner, dass das Bündnis gegen OB Dieter Reiter Strafanzeige wegen Volksverhetzung und Amtsmissbrauch gestellt habe, gegen Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume- Beyerle sei ebenfalls Strafantrag erstattet worden wegen Amtsmissbrauchs und Rechtsbeugung. Dieter Reiter hatte am 9. November die Pegida-Demos vor der Feldherrnhalle kritisiert, die am Jahrestag der Reichspogromnacht 1938 stattfanden. An der Feldherrnhalle fand auch der Hitlerputsch am 9. November 1923 statt. Blume-Beyerle hatte die Pegida-Demo verboten, dieses Verbot war aber von einem Gericht kassiert worden.

Am Montag beschwerte sich ein Pegida-Redner, dass er von einem Polizisten provoziert werde. Gleichzeitig formierte sich am Platz der Opfer des Nationalsozialimus eine Sitzblockade von rund 140 Gegendemonstranten aus dem Lager der Antifa. Hier sollte die Pegida-demo entlangg führen und dann bis zum Karolinenplatz gehen, um über die Maffeistraße zurück zum Odeonsplatz zu gelangen. Die Polizei überedete Pegida, eine Abkürzung zu nehmen, der Marsch wurde drastisch verkürzt und verlief über die Kardinal-Faulhaber-Straße zum Marienhof und zum Odeonsplatz zurück.

Turbulente Montagsdemo in München - Bilder

Pegida-Ableger will Mahnwachen abhalten

Als die Mitglieder der Sitzblockade davon Wind bekamen, versuchten sie sich auf den Weg zu machen, um sich andernorts Pegida in den Weg zu setzen. Die Polizei verhinderte das mit einem menschlichen Gürtel, sie kesselte die Antifa-Demonstranten ein. Es kam zu hässlichen Szenen. Die eingekesselte Menge waberte hin und her, schließlich konnte etwa 50 Gegendemonstranten ausbrechen, einige Personen kamen zu Sturz, die Polizei fixierte einige mit Gewalt am Boden. Sanitäter mussten mehrere Platzwunden behandeln. Größere Verletzungen gab es allerdings nicht. „Wir haben mehr Teilnehmer auf beiden Sieten befürchtet“, so Polizeisprecher da Gloria Martins. „Es war allerdings auch kein leichter Einsatz.“

Es gab fünf Festnahmen. Ab Dienstag wollen die Rechtspopulisten bis Donnerstagabend auf dem Marienplatz „Mahnwachen“ abhalten.

Die Montagsdemonstration im Ticker zum Nachlesen.

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