Kriminelle zocken Senioren ab

Die perfiden Tricks der Betrüger: Ein Opfer erzählt

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„Ich hätte niemals gedacht, dass mir so etwas passiert“: Hildegard G. wäre beinahe Opfer von Kriminellen geworden.

München - Professionelle Trickbetrüger zocken immer wieder ältere Menschen ab. Mit erfundenen Geschichten wollen sie in Wohnungen gelangen, um Geld und Wertgegenstände zu stehlen. Die Maschen sind dabei so perfide wie vielfältig. Beinahe-Opfer Hildegard G. erzählt, wie raffiniert die Gauner bei ihr vorgingen.

Hildegard G. zuckt noch immer zusammen, wenn das Telefon klingelt. Sie ist völlig verängstigt, weiß nicht mehr, wem sie trauen kann. Betrüger, die sie mit Telefonanrufen einschüchterten, wollten die 63-Jährige um ihr Erspartes bringen. „Ich hätte niemals gedacht, dass mir so etwas passiert“, sagt die Münchnerin. In ihrer Stimme schwingt immer noch die Fassungslosigkeit über das mit, was ihr widerfahren ist. „Die Betrüger gehen so unglaublich clever vor“, sagt sie.

An einem Sonntagabend um kurz vor zehn klingelt bei der Münchnerin das Telefon. Am anderen Ende der Leitung gibt sich ein Mann als Fahnder des Landeskriminalamtes aus. „Der Herr war so unglaublich freundlich und hilfsbereit, klang gebildet und sprach gestochenes Hochdeutsch“, sagt Hildegard G.

Der angebliche Kriminaler erzählt, die Polizei habe eine polnische Bande gefasst und es gebe Hinweise, dass die Münchnerin auch Opfer dieser Betrüger werden soll. „Der Anrufer wusste meinen vollen Namen, mein Geburtsdatum, meine Kontonummer und gab an, eine Kopie meines Personalausweises zu haben“, berichtet die 63-Jährige. Dann sagt der falsche Kriminaler, am kommenden Tag werde ein „Kommissar Müller“ anrufen.

Tatsächlich klingelt am Montag um 9.15 Uhr wieder das Telefon bei der Rentnerin. Der Mann, der sich als „Kommissar Müller“ vorstellt, behauptet, die Polizei habe herausgefunden, dass die polnische Bande mit einem Mitarbeiter der Bank gemeinsame Sache mache. „Um den Maulwurf bei der Bank aus der Reserve zu locken, wollte der Anrufer, dass ich mir 90.000 Euro auszahlen lasse und abhole“, sagt Hildegard G. „Bei dem Telefonat hat man im Hintergrund sogar Polizeifunk gehört.“ Für den Fall, dass sie in Not gerate, gibt der falsche Kommissar ihr den Rat, die 110 zu wählen. Zudem diktiert er ihr eine Handynummer, unter der sie direkt Hilfe bekommen sollte.

Hildegard G. ist nach den Telefonaten völlig verunsichert und verängstigt. Sie will natürlich der Polizei helfen. „Doch was, wenn mir auf dem Rückweg von der Bank mit dem vielen Geld etwas zustößt?“, fragt sich die alleine lebende 63-Jährige. Erzählen soll sie die Geschichte niemandem. „Der Mann am Telefon meinte, ich werde angeblich ausspioniert und abgehört.“ Schließlich vertraut sie sich doch ihrem Nachbarn an. „Der riet mir, auf gar keinen Fall das Geld bei der Bank zu holen und sofort zur Polizei zu gehen.“

Zunächst hat die Rentnerin Bedenken. „Ich hatte Angst, dass mir diese abenteuerliche Geschichte keiner glaubt.“ Schließlich überwindet sie sich und erzählt alles einer Polizeibeamtin. Schnell stellt sich heraus, dass die Münchnerin Opfer von Betrügern werden sollte. Die Täter wollten die 90.000 Euro, die Hildegard G. von der Bank abholen sollte, wohl später an sich bringen.

Als das Vorhaben scheitert, ändern die Betrüger offenbar ganz schnell ihren Plan. Hildegard G. bekommt erneut einen Anruf, diesmal von einem Mann, der sich als Bankmitarbeiter ausgibt. Der Betrüger drängt die 63-Jährige, ihr sofort Kontonummer und PIN zu sagen, da die polnische Bande angeblich gerade versuchen würde, ihr Konto zu plündern. Obwohl Hildegard T. weiß, dass Bankmitarbeiter niemals die volle PIN verlangen, ist sie verunsichert und fühlt sie sich so unter Druck gesetzt, dass sie trotz allen Misstrauens ihre Daten herausgibt. In der Aufregung versteht der Betrüger allerdings wohl die Nummer falsch. Als die 63-Jährige die PIN ins Tastentelefon eingeben will, bricht die Verbindung ab.

Kurz darauf ruft Hildegard G. bei ihrer Bank an, um nachzufragen, was denn der genaue Grund des Anrufs gewesen sei. Schnell stellt sich heraus, dass auch dieser Anrufer ein Betrüger war und sie nur ausnehmen wollte. Sofort sperrt der Bankmitarbeiter ihre Konten, damit die Ganoven keinen finanziellen Schaden mehr anrichten können.

Hildegard G. hatte Glück, dass sie einen Nachbarn hat, der ihr den richtigen Rat gab. „Wäre ich nicht zu meinem Nachbarn gegangen, hätte ich eine große Dummheit begangen“, sagt die 63-Jährige im Rückblick. „Auch wenn ich gerade noch Glück hatte, habe ich das alles noch lange nicht verdaut.“

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