Beschädigte Hufe

Peta erstattet Anzeige: Wiesn-Pferde werden gequält

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Die Brauereipferde auf der Wiesn sind der Tierrechtsorganisation Peta ein Dorn im Auge. Sie hat den Zustand der Hufe beim KVR angezeigt.

München - Klappernde Pferdehufe gehören zur Wiesn wie der Schaum aufs Bier - sagen die einen. Peta gehört zu den anderen. Zu denen, die sich um die Tiere sorgen. Die Tierrechtsorganisation hat den Zustand der Hufe nun beim KVR angezeigt.

Mit einem Pferderennen hat die Wiesn im Jahr 1810 begonnen. Es wurde zu einer Hochzeit abgehalten. Seitdem wird das Oktoberfest auf der Theresienwiese veranstaltet. Pferde spielen auch heute noch eine wichtige Rolle: Beim Einzug der Wiesn-Wirte ziehen die prachtvoll geschmückten Pferde und Kutschen die Blicke auf sich.

„Ein Pferd gehört auf die grüne Wiese - nicht auf die Wiesn“

Diese Tradition kritisiert die Tierrechtsorganisation Peta. „Es ist eine Qual für die Tiere“, sagt Peter Höffken, Senior-Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei Peta. Er hat im Namen der Organisation Anzeige beim KVR erstattet und bezieht sich dabei konkret auf den Zustand der Hufe einiger Pferde, die für Brauerei-Fuhrwerke auf dem Oktoberfest genutzt wurden. Er hofft aber, damit dauerhaft etwas bewegen zu können. „Wenn ich ein Pferd hätte, wäre die Wiesn der allerletzte Ort, wo ich es hinstellen würde. Ein Pferd gehört auf die grüne Wiese.“

Petition hat schon rund 35.900 Unterstützer

Julia Maier

Julia Maier hat den Anstoß zu der Anzeige gegeben. Die Münchnerin fordert in einer Petition, dass die Pferde von der Wiesn-Tradition entbunden werden und hat schon fast 35.900 Unterstützer zusammen (Stand 21. Oktober). Sie hat auch einen Brief an den Oberbürgermeister geschrieben. „Die Wiesn kommt sehr gut ohne Pferde zurecht, und man kann Traditionen sehr wohl ändern, ohne dass sie ihren Sinn verlieren“, sagt sie. Sie hat sich die Hufe der Tiere auf der Wiesn genauer angeschaut, als ehemalige Reiterin kenne sie sich aus. „Die Zustände sind desaströs“, sagt Maier. 

Hufe ausgebrochen und angefault

Hufe auf der Wiesn: Die Hornkapseln sind durch ihre ungünstige Hufbiomechanik verformt, beurteilt die DHG.

Die Hotelangestellte hat die Bilder auch an die Deutsche Huforthopädische Gesellschaft (DHG) geschickt. Dort wurde ihr Urteil bestätigt. Die Hufe seien in ihrer Schutz- und Tragefunktion sehr stark beeinträchtigt, heißt es in dem Gutachten. Eine grundlegende Sanierung der Hufsituation sei nötig. Peter Höffken erklärt das so: „Das fühlt sich an, als müssten wir Menschen den ganzen Tag mit einem gebrochenen Fuß in zu kleinen Schuhen laufen.“

Die DHG und Peta finden die Bilder auch deswegen so schlimm, weil sie bereits im Jahr 2003 auf diese Situation aufmerksam gemacht haben. „Es ist davon auszugehen, dass das ein Dauerthema sein könnte“, sagt Höffken. Die Pferde, die die Brauereigespanne auf der Wiesn ziehen, kommen von Höfen aus dem Münchner Umland. Ludwig Käser vom Urthalerhof bringt seit zehn Jahren Pferde nach München. Auch dort ist Julia Maier hingefahren und hat die Hufe der Tiere fotografiert. Die Diagnose der DHG: Das Horn ist zum Teil aufgebrochen und Fäulnis ist eingezogen. 

Pferdebesitzer widerspricht

Dieses Foto hat Julia Maier auf dem Urthalerhof gemacht. Pferdebesitzer Ludwig Käser versichert, dass sich der Schmied regelmäßig um die Hufe seiner Tiere kümmert.

Ludwig Käser widerspricht. „Zu mir kommt nachweislich alle zwei Wochen ein hervorragender Schmied“, sagt der Landwirt. Auch während der Wiesn prüfe das Veterinäramt drei Mal den Zustand der Tiere. Ungefähr alle sechs Wochen würden die Tiere am Hof  beschlagen. „Wie sie es halt brauchen. Mir liegen meine Pferde am Herzen.“ Allerdings seien die Hufe natürlich bei jedem Pferd unterschiedlich. „Das ist wie bei unseren Fingernägeln. Bei manchen sind sie rissig.“ 

Auf der Wiesn betreuen langjährige Mitarbeiter die Pferde. „Wenn die Tiere wieder an den Hof kommen, geht es ihnen hervorragend“, sagt Käser. Daher hält er auch nichts von der Forderung, Pferde auf dem Oktoberfest zu verbieten. „Sie sind neugierig, und sie wollen arbeiten“, berichtet Käser. Das sei mehr als eine Tradition. „Ohne Pferde, die Lasten ziehen, würden wir in der Entwicklung nicht dort stehen, wo wir heute stehen.“

KVR will sich dem Thema annehmen

Pferdebesitzer Ludwig Käser befürchtet keine Konsequenzen durch die Anzeige beim KVR. „Sie können jederzeit am Hof vorbeikommen“, sagt er. Peta hat die Anzeige am 19. Oktober eingesendet und eine Eingangsbestätigung bekommen. „Es heißt, dass sich das KVR dem Fall annehmen wird“, sagt Höffken. Er rechnet allerdings nicht mit einer schnellen Lösung - allein schon wegen der behördlichen Strukturen und weil die Landkreise mit einbezogen werden müssen. Das sei aber nicht schlimm, sagt Höffken. „Wir hoffen, dass keine Flickschusterei betrieben wird, sondern es ein Grundsatzthema wird.“ Julia Maier sammelt indes weiter fleißig Stimmen für ihre Petition. Ludwig Käser winkt ab. „Ich hab privat sicher schon über 10.000 Stimmen zusammen, die zu der Tradition stehen.“

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