Nur 12 von 69 bekommen die Note 1,0

So gut sind die Münchner Pflegeheime wirklich

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Nur zwölf von 69 Pflegeheimen in München erreichten die Note 1,0.

München - Die Pflege von alten Menschen ist ein wichtiges Thema. In der tz werden 69 Pflegeheime in München miteinander verglichen. Das Ergebnis: Ernüchternd.

Pflegeheime in München und Umgebung sind extrem teuer, haben aber trotzdem jede Menge Mängel. Das Recherchezentrum correctiv.org hat für die tz Daten zu allen Pflegeheimen der Region ausgewertet, um den Vergleich von Qualität und Preisen der Heime zu erleichtern. Und wir geben Tipps, woran Sie gute von schlechten Pflegeheimen unterscheiden können. Denn die offiziellen Pflegenoten des Pflege-TÜV des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) täuschen: Altenheime in Bayern werden da meist „sehr gut“ bewertet – die deutsche Durchschnittsnote ist 1,2! Das sagt aber kaum etwas über die tatsächliche Heimqualität aus.

So ergibt die Auswertung von correctiv.org (hier geht's zur Twitter-Seite und Facebook), dass ganze 77,4 Prozent der Heime in Bayern in mindestens einem medizinisch relevanten Punkt schlecht bewertet wurden. Der zweitschlechteste Wert deutschlandweit! Nur Rheinland-Pfalz „toppt“ den Freistaat mit einer Quote von 80,4 Prozent negativ aufgefallenen Heimen. Zum Vergleich: In Brandenburg sind es nur 41,9 Prozent.

Eine detaillierte Analyse der Prüfberichte der Münchner Heime ergibt, dass die meisten in entscheidenden Kategorien nicht die volle Punktzahl erreichen – trotz der Top-Note des MDK gibt es also sehr wohl Mängel.

Die Pflege-TÜV-Beurteilung steht in der Kritik und soll bald ersetzt werden, nicht nur weil die Noten oft viel zu gut sind. Der MDK prüft vor allem die Dokumentation der Pflege – und nicht die eigentliche Qualität der Pflege. Die in den Prüfungen dokumentierten Mängel sind deshalb nicht in jedem Fall Probleme bei der Pflege, sondern deuten häufig auf fehlende Dokumentation hin. Dennoch sollten diese Mängel für Bewohner und Angehörige ein Grund sein, vor Ort nachzufragen.

So wurden die Pflegeheime bewertet

Deshalb hat correctiv.org nur die wichtigsten der 77 Kriterien hinter diesen Pflegenoten analysiert: Nahrungs- und Flüssigkeitsversorgung, die Behandlung von Schmerzen und Wunden, die Inkontinenzversorgung und den Umgang mit Medikamenten und ärztlichen Anordnungen (siehe Tabelle). Wenn Pflegeheime hier Probleme haben, kann das ein Hinweis auf Mängel sein. Potenzielle Bewohner sollten vorsichtig sein.

Es lohnt sich auch ein genauer Blick auf die Zimmertypen, die in den Heimen angeboten werden: Obwohl die meisten Menschen im Alter nicht mit Fremden in einem Zimmer leben wollen, stehen 40 Prozent aller Betten in deutschen Heimen in Mehrbettzimmern. In manchen Landkreisen, wie etwa Aschaffenburg, sind es bis zu Dreiviertel aller Betten.

Nur an Plätzen in der vollstationären Pflege mangelt es – in Bezug auf den ganzen Freistaat – nicht. Jeder siebte Platz ist laut der Auswertung von correctiv.org nicht belegt.

Bei den Kosten für einen Platz im Pflegeheim (Pflegestufe 3) liegt Bayern im Vergleich mit den anderen Bundesländern mit 3041 Euro im Mittelfeld (Platz 9 von 16). Spitzenreiter: das Saarland mit 3614 Euro.

Doch: Innerhalb Bayerns liegt die Landeshauptstadt deutlich über dem Durchschnitt. Nach tz-Berechnungen kostet ein Pflegeplatz in München durchschnittlich 3439 Euro monatlich (Pflegestufe 3).

Nachdem die tz heute die Heime in der Stadt auflistet, erscheinen demnächst die Einrichtungen im Landkreis München.

Anzeichen für Mängel

1. Das Gebäude ist in einem schlechten Zustand.

2. Die Einrichtung wirkt kalt, mehr Krankenhaus als Zuhause.

3. Das Heim sieht dreckig aus. Es riecht nach Urin oder Kot.

4. Die Betten oder Stühle sind ständig nass.

5. Das Essen schmeckt nicht und ist nicht ausgewogen. Es riecht trotz Essenszeit nicht nach Essen.

6. Das Essen steht kalt auf dem Tisch oder Nachttisch und wurde nicht angereicht.

7. Das Personal ist unfreundlich. Sie haben den Eindruck, dass die Pfleger unmotiviert oder gestresst sind. Und Sie haben keinen verbindlichen Ansprechpartner.

8. Bewohner müssen sehr lange warten, wenn sie Hilfe benötigen – zum Beispiel beim auf die Toilette gehen.

9. Es gibt kaum Beschäftigung für die Bewohner, die nicht aus ihren Zimmern kommen oder lustlos herumsitzen.

10. Es gibt keine oder nur wenige Betreuungskräfte oder ehrenamtliche Helfer.

Tabelle: So schneiden die Münchner Pflegeheime ab

Die Tabelle zeigt die wichtigsten Kategorien für eine gute Pflege: „Schmerzversorgung“, „Medizinische Versorgung“, „Nahrungsversorgung“, „Wundbehandlung“ – und „Inkontinenzhilfe“. Wenn Pflegeheime hier Probleme haben, kann das ein Hinweis auf Mängel sein.

Potenzielle Bewohner sollten vorsichtig sein. Ein rotes Kästchen bedeutet, dass das jeweilige Heim bei der Bewertung durch den Pflege-TÜV in der jeweiligen Kategorie nicht die volle Punktzahl erreicht hat. Beispiel: Wenn „Wundbehandlung“ rot markiert ist, hat das entsprechende Heim nicht die volle Punktzahl erreicht. Beim Saul-Eisenberg-Seniorenheim in der Kaulbachstraße sind etwa alle Kategorien rot markiert – das heißt, es hat in allen Bereichen nicht die volle Punktzahl erreicht.

Zudem ermöglicht die Tabelle einen Preisvergleich bei vollstationären Pflegeplätzen, aufgeteilt nach Pflegestufen. Bei „Gesamtpreis Pflegestufe 1 (vollstationär)“ wird der Durchschnittspreis für einen Pflegeklasse-1-Patienten im entsprechenden Heim angezeigt. „Gesamtpreis Pflegestufe 2 (vollstationär)“ zeigt dann die Preise für Pflegeklasse-2-Patienten. Dasselbe gilt für Pflegeklasse 3.

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Klaus Rimpel

Klaus Rimpel

E-Mail:Klaus.Rimpel@tz.de

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