Seit Montag gibt es neuen Vorschlag

Um- oder Neubau? Kommission berät über Bahnhofspläne

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Alternativvorschlag: Um- statt Neubau.

München - Was wird aus dem Münchner Hauptbahnhof? Am Dienstag berät eine Kommission über einen möglichen Neubau des Gebäudes. Mittlerweile gibt es aber auch eine Alternative.

Wie hätten Sie's denn gern? Eine futuristische Glasfassade oder doch eine Mischung aus 19. Jahrhundert, 50er Jahren und moderner Formensprache? Am Dienstag beschäftigt sich die Stadtgestaltungskommission mit den Neubauplänen für den Hauptbahnhof. Das Landesdenkmalnetz ist alarmiert und schlägt stattdessen einen Umbau vor.

Die Aktualität: So sieht der Münchner Hauptbahnhof derzeit aus - das soll sich aber bald ändern.

Niemand ist glücklich über den Hauptbahnhof, wie er jetzt ist - dass er anders werden soll, ist klar. Aber wie? 2003 fand ein Wettbewerb für einen Neubau statt: Ergebnis war ein futuristisches Glasbauwerk des Münchner Architekturbüro "Auer+Weber", Baubeginn soll mit der Zweiten Stammstrecke sein.

Um das Projekt finanzieren zu können, kam voriges Jahr noch ein 75-Meter-Turm am Starnberger Flügelbahnhof hinzu, damit die Bahn mehr Fläche zum Vermieten hat. Der Stadtrat befürwortete diese Pläne 2015 mit breiter Mehrheit. Im neuen Jahr schalteten sich der Landesdenkmalrat sowie Kultusminister Ludwig Spaenle (54, CSU) ein: Sie stören sich an Fassade und Turm.

Dachgeschoss wäre eine Alternative

Am Dienstag beschäftigt sich die Stadtgestaltungskommission nochmals mit dem Entwurf. Rechtzeitig dazu stellten am Montag die Altstadtfreunde sowie das Denkmalnetz Bayern - eine Plattform des Landesvereins für Heimatpflege - eine Alternative vor: Erhalt und Sanierung der bestehenden Gebäude plus ein zusätzliches Dachgeschoss. Der Flügelbahnhof soll revitalisiert und besser an den Hauptbau angeschlossen werden.

Außerdem fordern die Denkmalschützer eine zweite Gleisquerung. Sie argumentieren, der Neubau könne bis zu zwölf Jahre dauern, koste ein Vermögen und brächte Reisenden kaum Vorteile: "Die Anzahl der Gleise verändert sich ebenso wenig wie die eigentliche Gleishalle." Darum fordern die Denkmalfreunde: "Kreativ gestalten statt milliardenschwer klotzen."

Johannes Welte

Der alte Centralbahnhof und seine Freunde

Der Centralbahnhof im 19. Jahrhundert.

Der "Centralbahnhof" wurde 1847-49 von Friedrich Bürklein im Rundbogenstil errichtet und 1857-60 erweitert. Bis 1921 erfolgten weitere Erweiterungen. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof schwer beschädigt. Die Bürklein-Fassaden überlebten. Sie wurden erst für den Neubau abgerissen. Der damalige Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler (CSU) und Dr. Helmut Bauer vom Stadtmuseum setzten sich 2002 für die Rekonstruktion der Bürklein-Fassade ein.

Johannes Welte

Johannes Welte

E-Mail:Johannes.Welte@tz.de

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