Verrückte Tour durch München

Pokémon Go in der Tram: Monsterjagd auf Schienen

München - Der Rummel um das Handy-Spiel „Pokémon Go“ hat auch den Münchner Nahverkehr erfasst. „089Tram“ folgt dem Trend und schickte am Samstagnachmittag die erste Pokémon-Straßenbahn durch die Stadt. 

Es ist der erste schöne Sommertag seit einer Woche. Kurz vor 16 Uhr brennt die Sonne auf den Lenbachplatz herab, eigentlich das perfekte Badewetter. Eine aufgeregte Menschenmenge hat sich um die Trambahn-Haltestelle geschart. Mehr als Hundert Männer und Frauen, die schwitzen, lachen, plaudern – und immer wieder auf ihre Handybildschirme schauen. An Baggerseen oder Weihern hat diese Reisegruppe kein Interesse. Das hier sind Pokémon-Spieler, und für sie ist der Weg das Ziel. Vier Stunden lang werden sie in einer Sonder-Tram durch München fahren, und nur jede Stunde mal anhalten, um sich kurz zu erleichtern oder die Beine zu vertreten. Außenstehende mögen das befremdlich finden. Für manch einen Pokémon-Fan ist es das höchste der Gefühle.

„Wir sind komplett ausverkauft“, sagt Veranstalter Hendrik Kuhlmann. Dabei hat seine Event-Firma „089Tram“ die Fahrt ausschließlich auf der sozialen Medienplattform Facebook beworben. „Pokémon Go“ ist eben nach wie vor beliebt. „Der Reiz des Spiels liegt darin, dass es innovativ ist“, findet Kuhlmann. „Mich persönlich begeistert, wie die virtuelle Welt hier mit der realen verknüpft wird.“

Mit der Trambahn lässt sich die Mogel-Sicherung umgehen

So geht es wohl auch den 150 Fahrgästen am Samstag. Kaum haben sie sich alle in die Trambahn gezwängt, geht die digitale Monsterjagd auch schon los. Schließlich ist es das Grundprinzip des Spiels, virtuelle Kreaturen an realen Orten zu fangen (wir berichteten). Warum nun ausgerechnet eine Fahrt mit der Straßenbahn für die Spieler so interessant ist, erklärt sich über ein weiteres Detail von „Pokémon Go“. Die kleinen Monster lassen sich nämlich auch züchten. Um ein digitales Ei auszubrüten, muss der Spieler sich vom Fleck bewegen. Das Smartphone erkennt per GPS, welche Strecke man zurückgelegt hat und lässt das entsprechende Mini-Monster dann schlüpfen. Der Clou daran: Man kann sich nicht einfach ins Auto setzen und aufs Gaspedal drücken. Das Handy erkennt nämlich auch, wenn man eine gewisse Geschwindigkeit überschritten hat. Mit dem Resultat, dass die Pokémon in den Eiern bleiben. Eine Mogel-Sicherung also. Mit der Trambahn lässt sich diese allerdings umgehen. „Unser Fahrer sieht zu, dass wir zwischenzeitlich langsam genug fahren, dass die Eier im Spiel, ausgebrütet werden können“, sagt Hendrik Kuhlmann. Dafür zahlen die Spieler jeweils 15 Euro Eintritt.

Pokémon-Go-Tram: 150 Pokémon-Fans auf Monsterjagd durch München

Die Trambahn haben Kuhlmann und sein Team eigens von der MVG angemietet. Ihre Firma ist noch relativ jung, die Pokémon-Fahrt eher eine Ausnahme im angedachten Veranstaltungs-Portfolio. „089Tram gibt es jetzt seit guten drei Monaten“, so Kuhlmann. „Was wir primär planen, sind Party-Fahrten mit musikalischen Themen.“ Auch mobile Konzerte seien denkbar. “Man hat ja die technischen Möglichkeiten, hier gut und laut zu beschallen.“ Ganz ohne Musik muss auch die Pokémon-Tram nicht auskommen. Über mehrere Lautsprecher läuft tanzbarer Radio-Pop. Auch die Bar in der Mitte der Trambahn erinnert eher an eine klassische Party, auch wenn die Getränke hier ausschließlich alkoholfrei sind. Schließlich braucht man für die Monsterjagd einen klaren Kopf.

Die Tram hat gerade den Max-Weber-Platz passiert, als die Spieler plötzlich laut durcheinander rufen: „Ein Schiggy! Ein Schiggy!“ Auf ihren Handy-Displays haben sie ein besonders seltenes Pokémon entdeckt: Ein schildkrötenähnliches Tierchen, das sich vor allem in der Nähe von Gewässern aufhält. In diesem Fall dürfte das die Isar sein. Die Spieler sind zufrieden. Hendrik Kuhlmann auch. Kommenden Sonntag wiederholt er die Fahrt in Augsburg.

Marian Meidel

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