Nach dem Tod des Alt-Oberbürgermeisters

Politische Weggefährten erinnern sich an Georg Kronawitter

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Umringt von Bürgermeistern: Georg Kronawitter.

München - Weggefährten des am Donnerstag verstorbenen Alt-OB, wie Hans Jochen Vogel und Christian Ude, erinnern sich an den Politiker, Freund und Vertrauten Georg Kronawitter.

Ex-OB-Kronawitter Hans-Jochen Vogel: „Besonders verbunden“

Hans-Jochen Vogel (90, SPD) war als OB Kronawitters Vorgänger. Die tz befragte ihn zum Tod seines Nachfolgers:

Sehr geehrter Herr Vogel, wie haben Sie die Nachricht vom Tod Georg Kronawitters aufgenommen?

Hans-Jochen Vogel: Diese Nachricht hat mich sehr berührt, zumal ich ihn zuletzt vor drei Monaten bei meinem 90. Geburtstag gesehen habe. Da war sein gesundheitlicher Zustand schon sehr erkennbar.

Was verbindet Sie mit ihm?

Vogel: Ich fühle mich mit Georg Kronawitter auf besondere Art und Weise verbunden. Als ich 1971 auf eine erneute Kandidatur verzichtet hatte, erschien er mir als einer, der für mich als möglicher Nachfolger in Betracht kam. Er fühlte sich mit der Stadt und der Sozialdemokratie sehr verbunden.

Wie wurden Sie damals auf ihn aufmerksam?

Vogel: Kronawitter war als Landtagsabgeordneter für die Landwirtschaftspolitik hervorgetreten. Für die SPD eher ein unübliches Thema. Außerdem war er oberbayerischer SPD-Vorsitzender und hatte dem Ismaninger Bürgermeister-Kandidaten Erich Zeitler im Wahlkampf sehr geholfen.

Hat Sie Kronawitter nach seiner erfolgreichen Wahl je enttäuscht?

Vogel: Nein, nie. Er hat als Oberbürgermeister Beachtliches geleistet. Er hat sich für den Wohnungsbau eingesetzt und die Verlagerung der Messe vorbereitet. Auch den Westpark und den Nordpark hat München ihm zu verdanken.

Er hat aber auch die Entwicklung Münchens kritisch gesehen, er sprach vom „Dampfkessel“, der zu platzen drohe …

Vogel: Tatsächlich hat Kronawitter nach den Olympischen Spiele von 1972 die Entwicklung der Stadt zu normalisieren versucht. In der Tat hatte diese sich im Vorfeld der olympischen Spiele stark beschleunigt. Damals gab es ja in den Innenstadtvierteln, vor allem im Lehel, schon eine Entwicklung, die man heute Gentrifizierung nennt.

Nach seiner ersten Amtszeit stellte ihn die SPD nicht mehr auf. Wie kam das?

Vogel: Das hatte innerparteiliche Gründe, die zu erläutern den Rahmen dieses Interviews sprengen würde. Jedenfalls ist er nicht, wie manch anderer, in die Wirtschaft gewechselt, sondern hat in den SPD-Ortsverbänden erfolgreich dafür gekämpft, dass sich die Mehrheitsverhältnisse ändern und er 1984 wieder zur Wahl aufgestellt wurde. In seiner zweiten Amtsperiode hat er in kluger Weise Christian Ude zum Nachfolger aufgebaut. Und es kam zur ersten rot-grünen Koalition im Rathaus.

Wie würden Sie Kronawitters politischen Stil beschreiben?

Vogel: Er ist auf die Menschen zugegangen und hat mit ihnen geredet. Er setzte sich für die Schwachen und Bedürftigen ein. Er war ja ein Bauernsohn aus der Holledau, die „Kleinen“ waren für ihn die normalen Leute, und er sprach ihre Sprache.

Gibt es diesen Politiker-Stil noch?

Vogel: Ich würde sagen: Dieter Reiter ist einer, der das auch kann.

Ex-OB Christian Ude: „Er war ein großer Kämpfer“

"Ich habe Georg Kronawitter im Jahre 1970 kennengelernt, als ich als Redakteur für die sozialdemokratische Zeitung Münchner Post gearbeitet habe. Er war damals der einzige Politiker, der eine Geschichte vorgeschlagen hat: über einen bayerischen Großgrundbesitzer, der – ohne jemals einen Finger zu rühren –täglich um eine Million Euro reicher geworden ist. Das hat Kronawitter als große Ungerechtigkeit empfunden. Denn gleichzeitig konnten andere trotz harter Arbeit kaum ihre Miete bezahlen. Eine zweite Erinnerung ist der 2. Februar 1982. Da erschien er in meiner Kanzlei und sagte, ich solle sein Nachfolger werden. Damals habe ich abgelehnt, da ich andere Pläne hatte. Elf Jahre später bin ich dann aber tatsächlich sein Nachfolger geworden. Das zeigt, wie langfristig und strategisch er vorgegangen ist. In der Hochhaus-Frage waren wir später anderer Meinung. Unser persönliches Verhältnis hat darunter aber nie gelitten. Wir haben buchstäblich bis zum letzten Tag eine Brieffreundschaft gepflegt. Als Oberbürgermeister bleibt er in Erinnerung als ein grandioser, konsequenter Kämpfer für soziale Gerechtigkeit, als Kritiker von grenzenlosem Wachstum – und als jemand, der schon ökologisch war, als es die Grünen noch gar nicht gab."

Hans-Peter Uhl: Er war immer ein fairer Mann

Für Hans-Peter Uhl (71, CSU) war Georg Kronawitter einer, mit dem man gut zusammenarbeiten konnte. „Er war immer fair. Und er hat mal zu mir gesagt, ich sei sein bester Referent.“ Dabei war die Wertschätzung nicht selbstverständlich. „Ich bin ja unter schärfsten Streitereien unter Rot-Grün ins Amt als Kreisverwaltungsreferent gekommen.“ Das Foto oben zeigt Georg Kronawitter, der Hans-Peter Uhl zur Wahl gratuliert. Das war 1987.

Horst Seehofer: Herz für die kleinen Leute

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (66, CSU) beschreibt Georg Kronawitter als einen „herausragenden Kommunalpolitiker mit Rückgrat und einem Herz für die kleinen Leute“. In seinen vielen Jahren als Oberbürgermeister von München habe er die Stadt leidenschaftlich gestaltet und engagiert die Weichen für ihre Zukunft gestellt.

OB Dieter Reiter: Finanz-Robin-Hood

Die Bilanz von Alt-OB Georg Kronawitter sei beeindruckend, sagt OB Dieter Reiter (57, SPD). Kronawitter habe sich vor allem als Anwalt der kleinen Leute‚ als Robin Hood der Finanzpolitik oder als Volksoberbürgermeister einen Namen gemacht. „Er hat sich immer für die Schwächeren in unserer Gesellschaft engagiert und sich beispielsweise für besseren Mieterschutz und mehr Steuergerechtigkeit eingesetzt. Er hat den Gasteig mit Konzertsaal, Stadtbücherei, Volkshochschule und Konservatorium eröffnet. Ebenso hat er die Weichen gestellt für das Literaturhaus am Salvatorplatz.“

Peter Gauweiler: Immer sehr verlässlich

In seiner Zeit als Kreisverwaltungsreferent hat Peter Gauweiler (66, CSU) mit Georg Kronawitter „sehr erfolgreich und vertrauensvoll“ zusammengearbeitet. „Wenn man ihn als Partner hatte, dann war das sehr gut. Ich konnte mich immer auf ihn verlassen.“ Als Gegenspieler sei Kronawitter unangenehm gewesen. „Doch das gehört zur Politik dazu, ich trage ihm nichts nach.“

Alt-OB Georg Kronawitter - Sein Leben und Wirken in Bildern

Johannes Welte

Johannes Welte

E-Mail:Johannes.Welte@tz.de

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