Sieben Wagen aufwärts mit Martinshorn

Warum rasen so oft Blaulicht-Kolonnen durch München?

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Ein Polizeiauto mit Blaulicht am Tag des Amoklaufs in München.

München - Reihenweise Wagen rasen mit Blaulicht durch die Münchner Straßen. Solche Szenen sorgen bei Bürgern immer wieder für Beunruhigung. Wir erklären, was dahintersteckt.

Täglich sind in manchen Wochen diese Szenen zu beobachten: Eine Kolonne mit mindestens sieben Wagen rast am Rande der Geschwindigkeitsbegrenzung durch München. Darunter sind normale Polizeiautos genauso wie ein Kastenwagen. 

Meist kommt so etwas am Morgen von Werktagen gegen 7.45 Uhr vor - und dann am späten Nachmittag wieder. Die Route ist meist die selbe: den Giesinger Berg runter, über die Wittelsbacherbrücke und dann Richtung Innenstadt.

Und auch die Reaktionen sind immer die gleichen: Passanten wundern sich und werden mitunter unruhig. Ist da etwa was Schlimmes passiert, das einen solch großen Einsatz erfordert? Die Erinnerungen an den Amoklauf von München im Juli 2016, der zunächst als Terror-Alarm erschien, sind einfach noch zu frisch. Damals war die Stadt voller Martinshörner und Blaulichter. Und seitdem scheinen Sensibilität und Sorgen der Menschen größer, wenn sie ein Martinshorn oder einen Polizeihubschrauber (der auch meist einen einfachen Hintergrund hat).

Was also steckt hinter den Blaulicht-Kolonnen? Die Antwort ist in den meisten Fällen ganz einfach: Es handelt sich um einen Gefangenen-Transport von der JVA Stadelheim zum Strafjustizzentrum. Deswegen ist die Szenerie mit den Blaulicht-Kolonnen auch besonders oft zu sehen, seit Beate Zschäpe sich seit Mai 2013 in München vor Gericht verantworten muss. Sie ist „Stammgast“ in den Transporten.

„Die Polizei unterstützt die Justiz bei Transporten von Häftlingen“

Im Rahmen der Vollzugshilfe, die eine Aufgabe der Polizei nach dem Bayerischen Polizeiaufgabengesetz ist, unterstütze „die Polizei die Justiz bei Transporten von Häftlingen, die von den Justizvollzugsanstalten zum Gericht zur Verhandlung gebracht werden müssen“, erklärt Polizeisprecher Sven Müller auf Anfrage unserer Onlineredaktion. „Das machen verschiedene Dienststellen der Münchner Polizei, die über die geeigneten Transportkapazitäten verfügen.“ Er meint Fahrzeuge sowie entsprechend ausgebildete Beamte in Sachen Transport, Bewachung und Taktik. 

Weitere Details und Routen kann er nicht nennen. „Aus Sicherheitsgründen können zu der Anzahl der Transporte, den Transportwegen und den betroffenen Häftlingen keine genauen Auskünfte gegeben werden“, so Müller.

Auch am Freitagvormittag gab es wieder einen solchen Blaulicht-Kolonnen-Transport - diesmal saß aber wohl nicht Zschäpe in einem der Autos. Stattdessen gebührte die Fahrt den Kommunisten, die in der Türkei Bombenanschläge verübt haben sollen. Der Prozess startete eigentlich in dem nagelneuen Hochsicherheits-Gerichtssaal in Stadelheim. Doch wegen der Klo-Panne musste dieser gleich wieder dicht gemacht werden - und der Kommunisten-Prozess in die Nymphenburger Straße verlegt werden.

lin

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